07.10.2021 - 13:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit als Lebensaufgabe

Zeitzeuge Günther Rehbein referierte am Stiftland-Gymnasium über seine Inhaftierung durch den sowjetischen Geheimdienst.

Autor und Zeitzeuge Günter Rehbein referierte am Stiftland-Gymnasium von seinen Erfahrungen mit den NKWD.
von Externer BeitragProfil

"Die Wahrheit muss verbreitet werden, damit junge Leute wie Sie die Zukunft besser gestalten können." So eröffnete Günther Rehbein, geboren 1933 in Gera, seine Vorträge vor mehreren Klassen am Stiftland-Gymnasium. Er schilderte seine Erfahrungen während seiner Inhaftierung durch den sowjetischen Geheimdienst (NKWD).

Anhand eines Kurzfilms wurden den Schülern bedeutende Stationen seiner Lebensgeschichte vor Augen geführt. Als erstes Gebäude wurde der ehemalige Arbeitsort des heute 88-Jährigen in Gera gezeigt, auf dessen Türschwelle er am 6. August 1952 verhaftet und abgeführt wurde, ohne Benachrichtigung an seine Frau und Kinder. Ein anderer Schauplatz war das alte Hauptquartier des NKWD in Berlin-Karlshorst, in dem er unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt und verhört wurde, wie er den Schülern berichtete. Rehbein ging weiter auf seinen Lebenslauf ein, indem er aus seinem Buch "Gulag und Genossen" vorlas.

Als Grund für seine Inhaftierung wurde ihm fälschlicherweise Spionage vorgeworfen, wie er den jungen Leuten schilderte. Um die Verurteilung möglich zu machen, mussten die Protokolle aus den Verhören unterschrieben werden. Doch Günther Rehbein verweigerte dies nach eigenen Angaben sogar unter Todesdrohungen und dem Zufügen dauerhafter Verletzungen. Erst als die sowjetischen Beamten seine Familie bedrohten, unterzeichnete er die Protokolle.

Nach monatelanger Haft folgte am 13. November 1952 vor dem Militärtribunal in Chemnitz die Verurteilung zu 45 Jahren in einem Strafgefangenenlager, was später auf 25 Jahre verkürzt wurde. Rehbein wurde im Geheimen mit Tausenden anderen nach Workuta im Norden Russlands transportiert, wo er drei qualvolle Jahre in einem der Lager beim Kohleabbau verbrachte.

Erst Stalins Tod 1953 brachte die erhoffte Wende. Sein Nachfolger Chruschtschow ließ sich auf Adenauers Forderung, Strafgefangene freizulassen, ein. Günther Rehbein durfte nach Hause. Doch dort musste er erfahren, dass seine Frau einen anderen Mann hatte. Man hatte ihr erzählt, er sei tot.

Trotz des Verbots, über seine Zeit im Zwangsarbeitslager zu sprechen, begann Rehbein, seine Geschichte zu verbreiten. Der heute 88-Jährige schrieb ein Buch und wird seither zu vielen Vorträgen eingeladen. Auch im Stiftland-Gymnasium reichte er Briefe seiner ehemaligen Frau an die Behörden sowie Berichte der Staatssicherheit herum. Bis heute sieht Rehbein seine Pflicht darin, über die Vergangenheit aufzuklären. Nach diesem Vortrag wurde vielen erst klar, wie grausam die damaligen Zeiten wirklich waren, heißt es in der Mitteilung der Schule.

Insgesamt 230 Luftreinigungsgeräte hat der Landkreis Tirschenreuth für die kreiseigenen Schulen bestellt

Tirschenreuth

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.