Tirschenreuth
21.06.2024 - 14:25 Uhr
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Azubis sollen im Landkreis Tirschenreuth schneller als bisher sichere Autofahrer werden

Fahranfänger sind im Straßenverkehr besonders gefährdet und viel öfter in Unfälle verwickelt als andere Altersgruppen. Die Kreisverkehrswacht im Landkreis Tirschenreuth nimmt sich dieses Problems an.

Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für das Autofahren. Mit dem Führerschein in der Tasche ist man noch lange kein perfekter Autofahrer. Das wissen auch die Verantwortlichen der Kreisverkehrswacht und bieten deshalb seit einiger Zeit gezielt ein Fahrsicherheitstraining für Fahranfänger an.

Wegen der Coronapandemie war diese Ausbildung zuletzt etwas ins Stocken geraten. Nun ist die Kreisverkehrswacht wieder unterwegs. Bei der Firma Hamm in Tirschenreuth war sie vor einigen Tagen zu Gast. Die Wahl kam nicht von ungefähr: Die Kreisverkehrswacht setzt bei den Azubis den Hebel an. Der Walzenhersteller in Tirschenreuth ist mit seinen rund 1100 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region und ein großer Ausbildungsbetrieb.

"Wir haben aktuell 38 Auszubildende im Unternehmen", sagt Hamm-Ausbildungsleiter Josef Dill, der großen Wert auf sicheres Fahren auf dem Weg zur Arbeitsstelle und zurück nach Hause legt. "Unser Ziel ist es, die Auszubildenden zu mehr Sensibilität im Straßenverkehr zu motivieren", sagt Dill, der seit 23 Jahren die Ausbildung der Firma federführend betreut. Das Sicherheitstraining sei wieder fest im Ausbildungsprogramm der Firma verankert, so Dill.

Auch Polizei dabei

Erster Polizeihauptkommissar Günther Burkhard, Leiter der Tirschenreuther Inspektion, war als Zaungast dabei und ist froh, dass das Training wieder angeboten wird. Er beklagt steigende Unfallzahlen im Bereich der 18- bis 24-jährigen Autofahrer in seinem Bereich. 2022 seien es 42 Unfälle mit Fahranfängern gewesen, im vergangenen Jahr aber schon 63. "Das ist eine Steigerung um ein Drittel", so Burkhard. Solche Präventionsmaßnahmen seien eine richtige Antwort auf diese Entwicklung.

Einen ganzen Tag nahm sich die Kreisverkehrswacht Zeit für die Azubis. Teilnehmen konnten 18- bis 24-Jährige. Ein gültiger Führerschein war Pflicht. 14 Azubis nutzten dies. Auf dem Gelände des Unternehmens stand am Vormittag ein praktischer Teil und am Nachmittag ein theoretischer Teil an.

Kreisverkehrswacht-Vorsitzender Walter Landgraf zeigte sich von den Fahrleistungen der Auszubildenden durchaus beeindruckt und sprach von tollen Jugendlichen. Vom Training überzeugte sich auch Werksleiter Dirk Pressgott. Auch er war von den fahrerischen Leistungen "seines" Nachwuchs angetan.

Im praktischen Teil gab es vier Anforderungen zu erfüllen. "Wenden in drei Zügen", "Befahren einer Engstelle", "Slalom fahren" und "Zielbremsen". Weiter gab es noch eine Fahrt mit einem Motorradsimulator der Kreisverkehrswacht, die Ramona Weiß von der Polizeiinspektion Tirschenreuth leitete. Denn auch die Entwicklung bei den Unfällen mit Zweiradfahrern ist laut Angaben der Inspektion nicht gut.

2022 habe es im Bereich der Tirschenreuther Inspektion 11 Motorradunfälle gegeben. Im vergangenen Jahr seien es 13 gewesen, weiß Tirschenreuths Inspektionsleiter Burkhard. Erstaunlich ist für ihn die Tatsache, dass darunter viele Motorräder bis 125 Kubikzentimeter waren, die oft von Einsteigern genutzt werden.

Walter Landgraf von der Kreisverkehrswacht, die Fahrlehrer Jürgen und Erwin Jaspers sowie Robert Fütterer achteten nach eigenen Angaben besonders auf die Konzentration der Fahranfänger und die Genauigkeit bei den Übungen.

Inspektionsleiter Burkhard führt die vielen Unfälle mit Fahranfängern übrigens nicht nur auf fehlende Erfahrung und wenig Fahrpraxis zurück. Er hat nach eigenen Angaben "eine zunehmende Hektik im Straßenverkehr" festgestellt und beklagt viele Ablenkungen im Fahrzeug. Hier spielen wohl moderne Bordcomputer, Freisprechanlagen und zahlreiche Anzeigen eine Rolle.

Training nur ein Anfang

Burkhard ist der Kreisverkehrswacht dankbar, dass sie jungen Fahrerinnen und Fahrern dieses Programm anbietet. "Das ist jetzt ein Anfang, aber das Training muss fortgesetzt werden", wünscht sich der Chef der Inspektion.

Auch Kommunaler Jugendpfleger Reiner Seidel vom Landratsamt Tirschenreuth verspricht sich von dieser Maßnahmen mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Themen wie Alkohol und Drogenmissbrauch müssten ebenfalls aufgegriffen werden, findet er. Seidel möchte helfen, dieses Sicherheitstraining für Azubis im Landkreis weiter auszubauen. Interessierte Firmen, die für ihre Auszubildenden ebenfalls ein Training anbieten wollen, könnten sich bei ihm melden, bietet er Unterstützung an.

Insgesamt gab es im Bereich der Inspektion Tirschenreuth übrigens im vergangenen Jahr eine deutliche Steigerung bei den Unfällen. Waren es 2022 noch 766, so waren es im vergangenen Jahr schon 826 Unfälle. Allerdings seien diese Zahlen immer noch niedriger als vor Corona, so Günther Burkhard.

Hintergrund:

Tipps für Fahranfänger

  • Am Anfang viele kurze Strecken fahren und Ratschläge und Tipps von erfahrenen Beifahrern annehmen
  • TeiRuhe bewahren und sich auch durch Hupen nicht einschüchtern lassen. Wer bedacht und besonnen reagiert und sich in stressigen Verkehrssituationen Zeit nimmt, minimiert das Unfallrisiko.
  • Fuß vom Gaspedal. Viele Unfälle gehen auf überhöhte Geschwindigkeit zurück. Vor allem jungen Menschen wollen sich gerne als schnelle Fahrer präsentieren. Das ist gefährlich.
  • Finger weg von Alkohol, Drogen und Medikamenten vor einer Autofahrt. Sie schränken die Reaktionsfähigkeit ein. Nicht umsonst gilt für junge Fahrer unter 21 Jahren die Null-Promille-Grenze.
  • Notfalls das Auto stehen lassen und immer einen Schlafsack im Kofferraum haben, um gegebenenfalls auf dem Rücksitz übernachten zu können.
  • Ein Fahrsicherheitstraining absolvieren. Das hilft, ein sicheres Fahrgefühl zu entwickeln und zu lernen, wie man sich in speziellen Situationen mit dem Auto verhalten kann. Quelle: R+V Versicherung
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