10.09.2018 - 20:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Bärendreck" und Brause

Der Inhalt der Schultüten hat sich geändert, auch die Schultüten sind viel größer geworden. Und auch in der Schule ist vieles anders. Geblieben ist die Aufregung, die beim allerersten Marsch ins Klassenzimmer da ist.

Stolz präsentiert Georg Hecht seine Schultüte. Die Schule hat ihn nicht mehr losgelassen. Heute leitet´ er das Stiftland-Gymnasium.
von Josef RosnerProfil

Oberstudiendirektor Georg Hecht, Schulleiter des Stiftland-Gymnasiums Tirschenreuth, erinnert sich noch genau, wie es damals bei ihm war: "Ich besuchte ab September 1961 die erste Klasse der Katholischen Volksschule für Knaben in Mitterteich. Die Schulen waren damals noch streng nach Geschlechtern und nach Religionszugehörigkeit getrennt. Am ersten Schultag brachte mich meine Mutter in die Schule. Sie trug die schwere Schultasche aus braunem Leder mit eingepackter Schiefertafel, Schwammdose, gehäkeltem Tafellappen und einer hölzernen Griffelbox. Ich durfte meine viel leichtere bunte Schultüte tragen", erzählt er.

Begrüßung im Treppenhaus

Nach einer kurzen Begrüßung im Treppenhaus durch den damaligen Rektor Josef Senft wurden Hecht und seine neuen Mitschüler "sehr freundlich" von unserem Klassenlehrer Rudolf Pannrucker empfangen. "Weil wir insgesamt 48 Abc-Schützen waren, hatten die Eltern im Klassenzimmer fast keinen Platz mehr, wir waren also ziemlich schnell mit unserem Lehrer alleine", erzählt er. Gut erinnert sich Hecht noch an verschließbare Vertiefungen für Tintenfässer, die in den Holztisch eingelassen waren. "Bald fingen wir an, die blechernen Verschlüsse ständig auf- und zuzumachen. Unser Lehrer hörte sich die knackenden Geräusche einige Zeit an, erklärte uns aber dann ruhig, dass wir die gläsernen Fässer erst später beim Schreiben auf Papier benötigen würden. Anfangs müssten wir aber noch mit den Griffeln auf unseren Schiefertafeln schreiben.

In die Schultüte durfte Hecht übrigens im Klassenzimmer nur ganz kurz reinschauen. Er sah Äpfel und Birnen, mehrere Tütchen mit Ahoi-Brausepulver in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die auf der Zunge wunderschön schäumten. Beim Auspacken daheim fand er noch einige schneckenförmig aufgerollte Stangen Lakritze, kurz "Bärendreck" genannt, einige Packungen Kaugummis, Lutscher sowie einen PEZ-Bonbonspender mit einem lustigen kippbaren Kopf. Hecht: "Die lässige Entnahme der süßen kleinen quaderförmigen Bonbons durch einen einfachen schrägen Druck auf den Kopf des Bonbonspenders gefiel uns damals." Enttäuscht war er, dass dann nur noch Zeitungspapier in der Schultüte war. "Noch mehr enttäuscht war ich allerdings, als ich erfuhr, dass man im Leben nur einmal eine Schultüte erhält", schunzelt der Schulleiter.

Der Mitterteicher Bürgermeister Roland Grillmeier trat mit einer "Katzen-Schultüte" den Weg in die Schule an. "Warum es ein Katzenmotiv war, kann ich gar nicht sagen. Ich hatte nie eine Katze", so Grillmeier. Er war das älteste Kind, deswegen war dies für die ganze Familie ein besonderer Tag. "Meine Eltern haben mich damals in die Schule begleitet und auch meine Geschwister Andreas und Bettina nahmen großen Anteil." Die erste Klassenlehrerin hieß Frau Haarnagel und mit vielen Klassenkameraden war er schon im Kindergarten besammen. "Wir sind teilweise heute noch befreundet", erzählt Grillmeier. Dank Whats-App gibt es auch einen Schulfreunde-Chat und fast schon regelmäßig kleine Klassentreffen

Süßes und Spielsachen

Grillmeier kann sich noch erinnern, dass in der Schultüte Süßigkeiten und keine Spielsachen steckten. "Meine Schulzeit an der Dr.-Theobald-Schrems-Grundschule, die Lehrer und Klassenkameraden sind mir als tolle Zeit in Erinnerung, die mich geprägt hat", so Grillmeier. Sein großer Berufswunsch war damals, von der Familie geprägt, Förster. Mein Großvater ging auf die Jagd, mein Vater war Waldarbeiter, was ein Bürgermeister ist, wusste ich wahrscheinlich noch gar nicht..

Die Waldershofer Bürgermeisterin Friederike Sonnemann wurde in der Grundschule in Wahlstedt (Schleswig-Holstein) eingeschult. "Es hat geregnet und ich fuhr in Begleitung meiner Mutter mit dem Fahrrad durch den Wald zur Schule", erinnert sie sich. Die Schultüte war ganz durchnässt vom Regen und es waren süße und sinnvolle Sachen drin. Der Berufswunsch von Friederike Sonnemann war damals Lehrerin.

1960 wurde der heutige Leitende Schulamtsdirektor Rudolf Kunz an der Knaben-Volksschule in Neustadt/WN eingeschult. "Ich war damals ziemlich angespannt", sagt der heute 63-jährige Neustädter. "Wir waren damals 40 Buben in der ersten Klasse. Ich wollte später entweder Rennfahrer, Fußballer oder Lehrer werden. Also hat sich mein Berufswunsch doch erfüllt." Kunz erinnert sich noch ganz genau, "wir hatten damals Lederschultaschen und noch eine Schiefertafel in unserer Klasse". Auch an seine Schultüte kann er sich erinnern. "Es war etwas Süßes drin." Kunz: "Der erste Schultag war auch früher ein aufregendes Ereignis".

Leitender Schulamtsdirektor Rudolf Kunz.

Roland Grillmeier mit seiner Schultüte.

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