07.04.2020 - 15:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Beerdigungen nur im kleinen Kreis

In der Coronakrise ist nichts mehr so, wie es war. Dies gilt auch, wenn Menschen aus der Familie oder der Verwandtschaft sterben.

Die Coronakrise berührt auch die Friedhöfe. Beerdigungen können nur mehr im kleinsten Kreis stattfinden.
von Konrad RosnerProfil

Zum einen gibt es keine Aussegnung mehr, zum anderen kann der oder die Verstorbene nur im engsten und kleinsten Familienkreis und im Beisein eines Priesters zu seiner letzten Ruhestätte am Friedhof gebettet werden.

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Bestatter Karl Michl aus Tirschenreuth und sein Kollege Bernhard Brandl aus Mitterteich berichten von maximal 15 Personen, inklusive Bestatter und Sargträger, die daran teilnehmen dürfen. Eine Beerdigung dauert so höchstens 20 Minuten. Ein Gottesdienst findet derzeit gar nicht statt, zu groß ist die Ansteckungsgefahr. Ein Begräbnis mit Familie, Verwandten, Freunden, Vereinen und mit Blaskapelle – mit Hunderten von Menschen ist aktuell absolut undenkbar! Das Datum der jeweiligen Beerdigung darf in den Todesanzeigen aktuell gar nicht mehr drinstehen. „Aus Sicherheitsgründen“, so Bernhard Brandl, „finden fast nur Feuerbestattungen statt“. Seien es im vergangenen Jahr rund 60 Prozent gewesen, so sei die Zahl in Mitterteich auf nahezu 100 Prozent angestiegen. Auch in Tirschenreuth ist es ähnlich.

Eingang zum Konnersreuther Friedhof "Denk o Mensch ans Sterben".

Auf den Dörfern, so erzählt Kerstin Popp, sei man etwas konservativer, so dass auch Beerdigungen im Sarg stattfinden. Und hier gebe es schon das nächste Problem, es seien kaum Sargträger aufzutreiben, wobei Kerstin Popp aber zugleich betont, dass auf den Dörfern oft die Nachbarn als Sargträger fungieren. Dies sei aber aktuell auch verboten, die Sargträger stelle derzeit das Bestattungsunternehmen. Bestatter Helmut Spandel aus Waldsassen hat in diesem Zusammenhang ein riesiges Problem, denn er hat viele Mitarbeiter aus dem benachbarten Tschechien, die jedoch derzeit nicht einreisen dürfen – dies gilt zum Teil auch für andere Bestattungsunternehmen. Bernhard Brandl weist zudem darauf hin, dass die Versorgung mit Schutzkleidungen und Desinfektionen langsam kritisch werde, denn derzeit seien keine Lieferungen möglich.

Aktuell werden fast nur Urnenbestattungen vorgenommen.

Bei den aktuellen Beerdigungen dürften auch kein Weihwasser und keine Blumen verwendet werden. Auf den Sicherheitsabstand werde ebenso genau geachtet. Alles Regularien, die die Familien der Verstorbenen doch arg belasten und bedrücken. In Mitterteich, so sagt Bernhard Brandl, wollen viele mit der Beerdigung bis nach der Coronakrise warten. Der Sarg mit dem Verstorbenen komme ins Krematorium, die Angehörigen hoffen, dass dann die Beerdigung in vier Wochen stattfinden könne.

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Ob nach der Krise für jeden einzelnen Verstorbenen ein Gottesdienst stattfindet oder ein Sammelgottesdienst für mehrere Verstorbenen, steht derzeit noch in den Sternen. In Großstädten werde man wohl um Sammelgottesdienste nicht herumkommen, im ländlichen Raum seien einzelne Gottesdienste durchaus vorstellbar, dies wäre wohl auch im Sinne der Hinterbliebenen.

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