23.05.2019 - 13:43 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

In Berufswelt "gebeamt"

Einmal jährlich für eine Woche tauschen die Siebtklässler der Mittelschulen ihre Bildungsstätten mit der Berufswelt. Berufsorientierung heißt diese Maßnahme, die bei Kolping ansteht.

Der Chef der Metallwerkstatt, Handwerksmeister Peter Meißner, informiert die Gäste der Kooperationspartner zur Berufsorientierungsmaßnahme über den Abllauf des Arbeitstages der Schüler in der Metallwerkstatt.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Wenn ich am Ende der berufsorientierenden Woche an die Schüler die Frage stelle, ob sie bleiben wollen, sagen fast alle zu", erzählt Johannes Saalfrank seinen Kooperationspartnern. Margot Salfetter (Teamleiterin der Berufsberatung an der Agentur für Arbeit), Schulamtsdirektor Rudi Kunz, Martina Stangl (Berufsberaterin an der Mittelschule Ebnath), Sabine Graser (Rektorin der Mittelschule Ebnath), Klassenleiterin Sissy Zeltner von der Mittelschule Ebnath und Petra Krützner (Koordinatorin der BO-Maßnahmen bei der Kolping-Berufshilfe) hören ihm bei einer Tasse Kaffee aufmerksam zu.

Die Kooperationspartner sind am Dienstag bei Kolping, um sich vor Ort über die Berufsorientierungsmaßnahme der Mittelschulen zu informieren. Träger dieser Workshops für Siebtklässler der Mittelschulen sind die Agentur für Arbeit sowie das Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Als ausführender Partner fungiert seit vielen Jahren die Kolping-Berufshilfe.

Und das bietet sich an: Kolping hat das perfekte Equipment, sprich unterschiedliche Betriebsstrukturen vor Ort, so dass die Siebtklässler direkt von der Schule ins Schnupper-Berufsleben sprichwörtlich "gebeamt" werden können. "Bei uns ist das sogar Chefsache", kann Johannes Saalfrank von Kolping ganz ohne falsche Bescheidenheit behaupten. Denn die Betreuung der Schüler übernehmen sowohl er persönlich im kaufmännischen Bereich sowie die Handwerksmeister in den Kolping-Betrieben.

Auch wenn's schwer fällt

Fünf Tage ihres Schullebens erfahren die Schüler, was es heißt, morgens aufzustehen und erst nach acht Stunden Arbeit nach Hause zu gehen. "Es haben Eltern angerufen und gesagt, ihre Kinder könnten keine acht Stunden täglich stehen", erzählt Saalfrank schmunzelnd aus dem Alltag der Berufsorientierung.

Das ist natürlich die Ausnahme. Wenn's auch schwer fällt, gefalle es den jungen Leuten zu 99,9 Prozent sehr gut hier, weiß Saalfrank. Er nennt das Projekt einen Blick ins Zeitfenster, durch das die Schüler die Arbeitswelt live erleben könnten. Mit wechselnden Erfahrungen in den Bereichen "Technik", "Sozial", "Kaufmännisch", "Metall und Holz", "Farben und Gestalten", "Kosmetik, Pflege und Friseur" oder "Logistik". Das alles gebe es umsonst für Eltern und Schulen, selbst die Fahrtkosten mit dem Bus in die Kreisstadt und zurück in den jeweiligen Wohn- und Schulort am Spätnachmittag würden übernommen, betonten die Maßnahmenträger.

In dieser Woche sind es 17 Jungen und Mädchen aus der siebten Klasse der Mittelschule Ebnath, die in den Kolping-Werkstätten sägen, schrauben, feilen, rechnen und in Pflegeeinrichtungen mithelfen dürfen. In der Schreinerei erklärt Schreinermeister Anton Leipold den Mädchen, wie ein Holzklotz nach Maß ausgesägt wird. Die Mädels sind sehr aufmerksam, was den erwachsenen Besuchern gefällt. Von Vorteil sei, dass Mädchen Männerberufe kennenlernen und die Jungen Soziales wie Pflege, stellt Margot Salfetter heraus.

Ihr werde im Nachhinein oft von einem "Aha-Erlebnis" berichtet, da sich Schüler in dieser Altersklasse kaum mit der Berufswahl beschäftigen würden. Immer wieder würden Schüler damit ihre Neigung zu einem bestimmten Berufsbild herausfinden. "Oder feststellen, dass nichts für sie dabei ist", ergänzt Margot Salfetter einen ebenso wichtigen Erfahrungswert der Workshop-Woche.

Bei Max zum Beispiel ist das der Fall. Er feilt in der Metallwerkstätte unter Aufsicht von Handwerksmeister Peter Meißner an einem kleinen Metallwürfel. Max gibt zu, dass er lieber in der Schule wäre. Das Metallhandwerk sei nichts für ihn. Felix dagegen sagt, ihm gefalle die Orientierungswoche gut.

Reifeprozess der Schüler

"Mancher Schüler wird vielleicht motiviert und erkennt, wie wichtig Mathe für seinen späteren Lebensweg ist", hofft Rudolf Kunz auf schulische Vorteile. Margot Salfetter spricht von einem Reifeprozess der Jugendlichen, der hier greife. Die Schüler seien in dieser Woche mit Teamfähigkeit, Konzentration, Durchhaltevermögen, Gruppendynamik und mehr gefordert.

Damit es am Ende dieser etwas anderen Unterrichtswoche einen bleibenden Wert gibt, fertigen die Handwerksmeister mit ihren Schnupper-Lehrlingen kleine Werkstücke zum Mitnehmen. Für die Akten werde dann eine Endanalyse erstellt, berichtet Saalfrank von der Nachhaltigkeit fürs Amt. Noch bis Freitag sind die Schüler bei ihm im Haus. Dann, sagt er schmunzelnd, werde er sie wieder wie all die vielen Vorgänger fragen, ob sie bleiben wollen oder lieber zurück in ihre "Penne".

Schreinermeister Anton Leipold erklärt den Mädchen mit viel Geduld, warum bei Holzarbeiten das richtige Maß immer exakt eingehalten werden muss.
Schulamtsdirektor Rudolf Kunz schaut Max und Felix (von links) bei Metallarbeiten zu.
Handwerksmeister Peter Meißner zeigt einem der Siebtklässler, wie er den Würfel in den Schraubstock einklemmen muss.

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