08.10.2019 - 14:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Betriebe haben Fäden in der Hand

Der Landkreis Tirschenreuth möchte die Firmen unterstützen. Dazu bringen die Verantwortlichen eine Handreichung in Umlauf. Zum Auftakt des Projekts treffen sich die Beteiligten in der Tuchfabrik Mehler, um die Initiative vorzustellen.

Landrat Wolfgang Lippert (Mitte) schaut Auszubildendem Mohammed Radwan über die Schulter. Paulus Mehler (rechts) erklärt dem Landkreischef die Abläufe in der Produktion.
von Susanne Forster Kontakt Profil

"Mir ist wichtig, dass die Firmen wissen, welche finanziellen Möglichkeiten da sind", machte sich Landrat Wolfgang Lippert für das Projekt "Chancen nutzen, fördern lassen, Zukunft sichern" in der Runde stark. Die Tuchfabrik Mehler habe er für das Treffen ausgewählt, da sie eine "Vorzeigefabrik" sei, die seinen Arbeitnehmenden einen "Vertrauensvorsprung" gewähre.

Der Landkreischef war mit Sonja Schmid und Ahmed El-Zein, beide Bildungskoordinatoren, Bildungsmanager Hilmar Fütterer, Wirtschaftsförderer Volker Höcht und Klaus Gredinger vom Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit Weiden gekommen, um über die Fördermöglichkeiten für Firmen und Ausbildungsbetriebe zur Sicherung von Unternehmensnachwuchs zu sprechen. Grundgedanke sei, die Arbeitgeber zu erreichen, so El-Zein. 2040 Anschreiben wurden dafür versendet, adressiert an alle Arbeitgeber des Landkreises mit mehr als fünf Beschäftigten.

Fördermöglichkeiten

"Unser Ziel ist es, Zuzug und Fachkräfte für unsere Heimat zu sichern", ist darin zu lesen. In einer Handreichung, die auf eine DIN A4-Seite passt, sind die Möglichkeiten der Förderung aufgelistet. "Fit for Work", heißt zum Beispiel eine Maßnahme für Jugendliche unter 25 Jahren. Mithilfe der Förderung soll es Ausbildungsbetrieben ermöglicht werden, jungen Menschen ohne Schulabschluss einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Und auch für Menschen mit Beeinträchtigung gibt es einen Zuschuss für die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, den Arbeitgeber in Anspruch nehmen können.

Klaus Gredinger, der die aktuellen Zahlen zum Ausbildungsmarkt dabei hatte, vermeldete rund 100 unbesetzte Azubi-Stellen im Landkreis Tirschenreuth. Das solle sich ändern - helfen solle dabei das Anschreiben. Das Ziel sei es, den Arbeitgebern aufzuzeigen, wie die Förderung zu bekommen ist und darüber zu informieren, dass es einen Arbeitgeber-Service gebe.

Außerdem soll die Integration der Mitarbeiter, die Schwierigkeiten haben, in den Arbeitsmarkt zu finden, für Arbeitgebende erleichtert werden. Das Programm richte sich dabei nicht nur an zugewanderte, sondern auch an einheimische Arbeitnehmer, erläuterte El-Zein. Er hoffe außerdem, dass durch die Aktion "Chance nutzen, fördern lassen, Zukunft sichern" die noch unbesetzten Leerstellen - zumindest zum Teil - geschlossen werden können.

Neuer Auszubildender

Die beiden Bildungskoordinatoren Sonja Schmid und Ahmed El-Zein, die federführend für das Projekt verantwortlich sind, möchten sich für ein "Zusammenrücken als Bildungsregion" stark machen. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung und dem Bildungsmanagement des Landkreises und der Bundesagentur für Arbeit sei dieses Projekt möglich geworden, so El-Zein.

Im Mittelpunkt des Besuchs stand neben der Vorstellung des Projekts auch ein Auszubildender der Firma Mehler: Mohammed Radwan. Der 17-Jährige Syrer mit palästinensischen Wurzeln lebt seit rund sechs Jahren in Deutschland. In der Tuchfabrik wird er seit September zum Maschinenführer ausgebildet. Er ist einer von insgesamt zwölf Mitarbeitern mit Migrationshintergrund, die im Betrieb beschäftigt sind. Geschäftsführer Paulus Mehler ist davon überzeugt, dass "der Wille" entscheidend sei für eine funktionierende Arbeitsbeziehung mit zugewanderten Mitarbeitern. "Und die Sprache müssen sie beherrschen", betonte er. Der Tirschenreuther Betrieb wurde von Landrat Wolfgang Lippert als "gelebtes Beispiel" ausgewählt, um als "Vorbild" zu fungieren.

Auch Klaus Gredinger von der Agentur für Arbeit zeigte sich überzeugt vom Betrieb, der ein "gutes Beispiel für Integration" sei. Beim anschließenden Rundgang durch die Produktionshallen besichtigten die Teilnehmer den Arbeitsplatz von Mohammed Radwan und Paulus Mehler erklärte, wie die Anlagen funktionieren.

Die Fäden laufen durch die Maschine. Die Besucher samt Landrat Wolfgang Lippert und Azubi Mohammed schauen gespannt zu.
Landrat Wolfgang Lippert (von links), Klaus Gredinger von der Arbeitsagentur, Auszubildender Mohammed Radwan, Unternehmer Paulus Mehler und Sonja Schmid, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte, tauschen sich in der Produktionshalle der Tuchfabrik Mehler über den Betrieb aus. Er wurde als "Vorzeigefirma" für das Projekt des Landkreises Tirschenreuth ausgewählt.
Landrat Wolfgang Lippert (von links) mit Bildungsmanager Hilmar Fütterer, Klaus Gredinger von der Bundesagentur für Arbeit, Azubi Mohammed Radwan, Unternehmer Paulus Mehler, den Bildungskoordinatoren Sonja Schmid und Ahmed El-Zein und Wirtschaftsförderer des Landkreises Tirschenreuth, Volker Höcht.

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