09.07.2018 - 17:15 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bioabfälle: Kreis spielt auf Zeit

Beim Bemühen um eine gemeinsame Verwertungsanlage mit der Stadt Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN für organische Abfälle will Landrat Wolfgang Lippert jetzt OTH-Professor Markus Brautsch mit ins Boot holen.

Tonnen für Hausmüll, Bioabfälle, Altpapier und Wertstoffe stehen zur Entsorgung von Abfällen bereit.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

(wb) Der Landkreis spielt bei der Verwertung der Bioabfälle auf Zeit. Landrat Wolfgang Lippert machte am Montag im Ausschuss für Abfallwirtschaft, Landwirtschaft, Umwelt und Energie zwar sehr deutlich, dass er eine gemeinsame Verwertungsanlage mit dem Landkreis Neustadt und der Stadt Weiden weiter für sehr sinnvoll hält, sah sich aber außer stande, zum derzeitigen Zeitpunkt eine fundierte Entscheidung über das Wo und vor allem das Wie zu treffen. "Dazu brauchen wir belastbare Zahlen, die wir noch nicht haben", meinte Lippert.

Die Kreisräte folgten einmütig dieser Argumentation. Einig waren sich die Fraktionen, dass eine belastbare Wirtschaftlichkeitsprüfung nur an einem konkreten Standort möglich ist. Im Raum steht hier nach einer mit Weiden und Neustadt in Auftrag gegebenen Expertise eine gemeinsame Verwertungsanlage für Bioabfälle bei der Deponie Kalkhäusl im Landkreis Neustadt: ein Standort, mit dem sich dem Vernehmen nach die Tirschenreuther Kreisräte anfreunden könnten, zumal kein Standort im eigenen Landkreis zur Diskussion steht.

Der mögliche Standort ist übrigens eines der Ergebnisse des von allen drei Gebietskörperschaften in Auftrag gegebenen Klimaschutzteilkonzepts zur klimafreundlichen Abfallentsorgung, das am 14. Juni 2018 in der Stadthalle in Neustadt/WN vorgestellt worden ist. Stefanie Bräunlein vom Sachgebiet Abfallwirtschaft war dabei und informierte den Ausschuss kurz über die Kernaussagen der Expertise. Die "unkalkulierbaren Kosten des Anlagenbetriebs" hätten unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe der Müllgebühren, warnte sie. Zudem rechnet sie bei der Anlagentechnik noch mit enormen Weiterentwicklungen. Der Landkreis Neustadt sehe den Bau einer gemeinsamen Anlage wegen unkalkulierbarer Risiken derzeit ebenfalls kritisch, wusste Bräunlein und riet für die Verwaltung von der "zeitnahen Fortführung einer Gemeinschaftsanlage" ab.

"Es gibt hier noch zu viele Fragezeichen", meinte Lippert. Eine der offenen Fragen ist dabei, was genau in den Biotonnen drin ist. Die Biotonne gibt es im Landkreis Tirschenreuth seit Februar 2017 und im Landkreis Neustadt gar erst seit Oktober 2017: Das reiche nicht, um verlässlichen Angaben über die Mengen und Zusammensetzungen machen, meinte Bräunlein. Der Landrat schlug vor, die Zusammenarbeit mit Professor Markus Brautsch vom Institut für Energietechnik der OTH zu suchen. Vielleicht gebe es ja die Möglichkeit, gemeinsam ein gefördertes Pilotprojekt zu entwickeln.

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