15.01.2019 - 14:27 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bioabfall ab nach Thüringen

Auf eine weite Reise geht Bioabfall aus dem Landkreis seit Jahresbeginn. Kaffeesatz, Kartoffelschalen und Co. landen statt in Oberfranken jetzt in Thüringen. Paradox: Der kürzere Weg nach Rehau käme teurer.

Ob Bananenschalen oder Tannenzweige, Teebeutel oder Reste vom Mittagessen: In der Tonne mit dem braunen Deckel ist Bioabfall gut aufgehoben.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Seit Anfang 2017 gibt es die Biotonne im Landkreis Tirschenreuth. Die Einführung war gesetzlich vorgegeben, um pflanzliche Abfälle aus der Restmüllmenge zu verbannen. Eigenkompostierung ist nach wie vor zulässig, es gibt keine Anschlusspflicht. Inzwischen nutzen jedoch viele Haushalte das Angebot, gegen eine Zusatzgebühr von 19,20 Euro im Jahr alle 14 Tage ihre Küchen- und Gartenabfälle entsorgen zu lassen.

Die Sammlung und Verwertung hat der Landkreis nun neu vergeben. "Der Vertrag mit Rehau ist ausgelaufen", bestätigt Walter Brucker. Der Pressesprecher des Landratsamtes schildert, dass in der Anfangsphase der Bioabfall-Sammlung bewusst nur ein kurzfristiger Kontrakt mit der RSB Bioverwertung Hochfranken geschlossen wurde.

Schon 3500 Biotonnen

In der großen Rehauer Vergärungsanlage, die einmal 40 000 Haushalte mit Strom versorgen soll, landeten im vergangenen Jahr rund 860 Tonnen Bioabfall aus dem Landkreis Tirschenreuth, erklärt Stefanie Bräunlein. Die Abfallberaterin freut sich, dass aktuell schon etwa 3500 Sammelgefäße im Kreisgebiet stehen. 2018 kamen ungefähr 600 neu dazu, die Versorgungsquote der Haushalte nähert sich 20 Prozent.

Von einer steigenden Menge des biologisch verwertbaren Rohstoffs ist also auszugehen. Doch wohin damit? Ursprünglich war die gemeinsame Verwertung in einer regionalen Biogasanlage für die Landkreise Neustadt, Tirschenreuth und die Stadt Weiden geplant. "Das ist derzeit nicht realisierbar", fasst Walter Brucker die ernüchternde Entwicklung zusammen. Wegen unkalkulierbarer Kosten verabschiedeten sich inzwischen alle drei Gebietskörperschaften bis auf Weiteres von dieser Idee. Schließlich wollen alle Beteiligten die Müllgebühren für ihre Bürger so niedrig wie möglich halten.

Und das war auch der Knackpunkt für die Entscheidung des Kreisausschusses, die Verwertung der Bioabfälle neu zu vergeben. Den Zuschlag bekam die Weidener Firma Bergler, die das gesammelte Gut seit Jahresbeginn zur Verwertung rund 200 Kilometer weiter nördlich nach Thüringen bringt. In Verwertungsanlagen des benachbarten Bundeslandes landet aktuell bereits der Bioabfall aus dem Landkreis Neustadt/WN und dem Stadtgebiet Weiden.

Einstimmiger Beschluss

"Die Entsorgung in Rehau käme mit Abstand teurer als die Verwertung durch die Firma Bergler", nennt Pressesprecher Brucker die Beweggründe des Kreisausschusses, den verwertbaren Abfall jetzt auf eine viel weitere Reise zu schicken als bisher. Der Beschluss fiel demnach im Oktober in nichtöffentlicher Sitzung, und zwar einstimmig. Die pflanzlichen Reste aus vielen Küchen und Gärten der nördlichen Oberpfalz werden in Weiden umgeladen und dann in größeren Einheiten nach Thüringen gefahren. Dort werden sie entweder kompostiert oder vergärt und anschließend verstromt.

Gebühren bleiben gleich

Allerdings gilt die Vergabe aus Tirschenreuth vorerst nur für ein Jahr. "Es kommen ja laufend neue Biotonnen dazu. Man weiß nicht, welche Mengen da irgendwann zusammenkommen", sagt Brucker. Vielleicht seien später auch überregionale Ausschreibungen notwendig.

Nicht nur die Verwertungsvergabe des Biotonnen-Inhalts hat sich zum Jahresbeginn geändert, sondern auch die Abfuhr. Schon bisher war im östlichen Landkreis die Firma Magnitz mit der 14-tägigen Leerung der Behälter beauftragt. Nun übernimmt der Tirschenreuther Betrieb auch die Touren im westlichen Gebiet. Bisher war hier die Entsorgungsfirma Kraus aus Windischeschenbach tätig. Auch hier beträgt die Laufzeit der Neuvergabe ein Jahr.

Auf die Müllgebühren haben die jüngsten Entscheidungen keinen Einfluss, versichert Stefanie Bräunlein. "Die aktuelle Kalkulation läuft bis 2020", sagt die Abfallberaterin. "Wir haben seit 2009 stabile Gebühren." Das soll trotz wesentlich weiterer Wege des Biomülls so bleiben.

Info:

Hintergrund

Nicht nur die Sammlung der biologischen Abfälle hat der Landkreis zum Jahresbeginn neu vergeben. Auch für Sperrmüll und Elektroschrott gab es eine Ausschreibung. Das Ergebnis: Wie bisher übernimmt die Firma Magnitz die Sammlung, den Transport und die Sortierung von Sperrmüll und Elektro-Altgeräten im gesamten Landkreis. Diese Vergabe gilt für fünf Jahre bis Ende 2023.

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