07.05.2019 - 10:27 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die bizarre Welt der Feuerberge

Vulkan-Insel Lanzarote und das Leben und Wirken von Cesar Manrique Ziel der Studienreise der Volkshochschule

Die urtümliche Natur Lanzarotes erkundeten die Teilnehmer der VHS-Studienreise "Kultur und Genuss-Wandern" unter der bewährten Reiseleitung von Anne Zeitler (vorne 3. von rechts). Anne-Christine Hass (vorne 2. von links), die seit 20 Jahren auf der Insel lebt, nahm die Gruppe mit in die bizarre Welt der Feuerberge.
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

"Kultur und Genuss-Wandern" ist eines der Markenzeichen im Angebot der Volkshochschule überschrieben. Nach einem Jahr Pause ließ Reiseleiterin Anne Zeitler die beliebte Studienreise wieder aufleben. Diesmal ging es nach Lanzarote, wo die 43 Teilnehmer auf den Spuren von Cesar Manrique wandelten.

Und die sind überall auf der wohl eigenwilligsten Insel der Kanaren zu finden, die Afrika näher liegt als dem spanischen Mutterland. Der Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrtausends aus New York zurückgekehrte Künstler hat wie kein anderer das Leben seiner Heimat geprägt. Unzählige Vulkanausbrüche haben dort eine Landschaft geformt, die ihresgleichen sucht. Allein im 18. Jahrhundert spuckten die Feuerberge sechs lange Jahre heißes Magma. Die erkaltete Lava und meterdicke Ascheschichten formten eine bizarre Welt von besonderem Reiz.

Als Maler und Bildhauer, als Architekt und Umweltschützer hat Manrique dafür gesorgt, dass sich Lanzarote seinen ursprünglichen Charakter und Charme bewahrt hat und vor Betten- und Betonburgen verschont geblieben ist. Heuer wäre der Visionär eines nachhaltigen und zukukunftsträchtigen Tourismus 100 Jahre alt geworden. Seinen Geburtstag feierten die Lanzarotener mit einer Konzertreihe in der Hauptstadt Arrecife. Da ließen sich auch die Besucher aus dem Landkreis Tirschenreuth verzaubern von der ausgelassenen Stimmung am Strand, wo die berühmtesten Volksmusiker auf ihren Timblen, einem fünfsaitigen Instrument ähnlich der Ukulele, die Zuhörer von den Stühlen rissen.

Manriques Ideen einer landschaftsbezogenen Architektur erlebte die VHS-Gruppe unter anderem hautnah in dessen ehemaligen Wohnhaus inmitten eines Lavafeldes. Im Kaktusgarten mit seinen rund 1400 Arten hörten die Besucher von der Cochenille-Schildlaus, die auch heute noch den so begehrten roten Farbstoff der Karminsäure liefert, dem unter anderem auch der Campari seine intensive Farbe verdankt. Einfach nur auf sich wirken ließen die Besucher die besondere Stimmung des Jameo del Agua mit seinen großräumigen Lavahöhlen, die heute noch als Konzertsaal dienen, und wo in einem unterirdischen See Albino-Krebse leben, die sonst nur in den Tiefen des Atlantiks zu finden sind. Der Mirador del Rio ganz oben auf der zerklüfteten Steilküste, hüllte sich zwar in Wolken. Die rissen aber immer wieder kurz auf und ließen erahnen, welch atemberaubender Ausblick möglich ist.

Vor allem hinüber auf La Graciosa, jetzt ganz offiziell als achte Insel der Kanaren anerkannt. Die Überfahrt mit der Fähre von Orzola aus offenbarte, dass der hierzulande gefürchtete "Böhmische" im Vergleich zum kraftstrotzenden "Passat" nur ein laues Lüftchen ist. Da lernte auch Anne-Christine, seit 20 Jahren auf Lanzarote lebende Reiseführerin, warum es trotz Sonnenschein immer wieder auch "huschala" war. Sie wusste Geschichte und Geschichten, verriet anhand unzähliger Beispiele am Wegesrand, wie sich trotz des unwirtlich wirkenden schwarzen Gesteins immer mehr Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum zurückerobern. Hier Flechten und Moose, dort Berberfalken und Kragentrappe.

Geradezu mystisch der Ausflug in die Feuerberge. Zur Einstimmung eine Wanderung zu den erloschenen Vulkanen Montana Colorado und Caldera de los Cuervos, bevor dann die futuristische, ja mondähnliche Welt des Timanfaya-Nationalparks alle in ihren Bann zog. Dass die zentimeterdicke Lapilli-Schicht durchaus nicht von Nachteil ist, erfuhren die Teilnehmer bei einer Führung durch das bekannteste Weinanbaugebiet der Insel La Geria, wo der Begriff "Trockenfeldfrucht" eine besonders ausgekügelte Dimension erfährt.

Einer der Höhepunkte der Reise: Die Wanderung von "Bosquecillo", dem Wäldchen von Lanzarote, mit einem herrlichen Blick auf die Klippen von Famara hinunter ins "Tal der 1000 Palmen" und ins malerische Städtchen Haria. Und schließlich noch Teguise, die ehemalige Hauptstadt, mit ihren zwar schlichten, aber deswegen nicht weniger imposanten Bauten aus vergangenen Jahrhunderten.

Welch ein Gegensatz zum quirligen Puerto del Carmen, wo die Gruppe im Vier-Sterne-Hotel "Las Costas" eine ausgesprochen komfortable Basisstation für ihre Unternehmungen gefunden hatte. Nur zehn Minuten sind es von dort aus zum Flughafen. Und dennoch sorgte die kurze Fahrt für kräftigen Beifall, versprach Anne Zeitler doch, auch nächstes Jahr wieder Interessierte mitzunehmen zu "Kultur und Genuss-Wandern". Zuvor aber tauschen die Teilnehmer der diesjährigen Reise am Montag, 13. Mai, um 19 Uhr im Restaurant Santorini am Tirschenreuther Marktplatz bei einem Nachtreffen Bilder und Erlebnisse aus.

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