18.02.2021 - 19:07 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Coronavirus nistet sich im ganzen Kreis Tirschenreuth ein

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Weiterhin hat der Kreis Tirschenreuth die höchste 7-Tage-Inzidenz in Deutschland. Auch der westliche Landkreis ist immer mehr betroffen. Kommt es zu neuen Beschränkungen?

Das Landratsamt Tirschenreuth veröffentlicht wöchentlich aufsummierte Zahlen der Corona-Infektionen pro Gemeinde. Der einzige tschechische Fall stammt noch aus der Datenerfassung zu Beginn der Krise. Die Zahl der positiv getesteten tschechischen Grenzpendler erscheint in dieser Statistik nicht.
von Martin Maier Kontakt Profil

Ganz im Norden Deutschlands haben die Verantwortlichen striktere Corona-Regeln erlassen. In Flensburg kommt es unter anderem zu einer Verschärfung der Kontaktbeschränkungen: Es darf sich künftig ein Hausstand nicht mehr mit einer weiteren Person treffen. Heißt: Private Treffen sind vorerst gänzlich untersagt. Der Grund sind hohe Inzidenzwerte und die Ausbreitung der britischen Virusmutation. Die 7-Tage-Inzidenz von Flensburg ist bei 185.

Tirschenreuth liegt aber mit 318 noch um einiges höher. Ist es daher möglich, dass es im nördlichsten Oberpfälzer Kreis zu ähnlichen Regelungen kommt? Angedacht ist so etwas offenbar noch nicht. Landratsamt-Pressesprecher Wolfgang Fenzl erläutert auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, dass das Landratsamt ständig im Austausch mit Regierung, Ministerien und den anderen Grenzlandkreisen sei, um festzulegen, welche weiteren Maßnahmen sinnvoll seien. Der Blick richte sich auf ein abgestimmtes Vorgehen der betroffenen Kreise.

Virusmutation breitet sich aus

Diese Woche waren erneut Experten des Landesamtes für Gesundheit vor Ort. Sie hätten die bisher ergriffenen Maßnahmen als zielführend bezeichnet. Im Fokus stehen weiterhin die Betriebe. „Es gilt weiter, die angegangenen Maßnahmen umzusetzen, um weitere Einschränkungen zu vermeiden“, so Fenzl.

Was immer deutlicher wird: Die britische Virusmutation breitet sich im Landkreis immer weiter aus. Am Donnerstag meldete das Landratsamt 42 neue Verdachtsfälle. Mittlerweile gibt es auch schon 10 bestätigte Mutationsfälle. Bei rund 60 Prozent der positiven Coronatestes besteht mittlerweile der Verdacht auf eine Mutation, teilt das Gesundheitsamt mit.

In den vergangenen sieben Tagen meldete die Behörde insgesamt 245 neue Coronafälle. Beim Blick auf die Gemeindezahlen zeigt sich, dass es in allen 26 Kommunen Neuinfizierte gab. Besonders betroffen waren diesmal Immenreuth (39), Kemnath (38) und Erbendorf (26). Es zeigt sich, dass sich das Virus auch im westlichen Landkreis eingenistet hat.

Flüchtlingsunterkünfte betroffen

„Nach wir vor sind viele Arbeiternehmer und oft ganze Familien betroffen“, ordnet das Gesundheitsamt die aktuelle Lage ein. Seit Montag seien einzelne Arbeitnehmer von 31 verschiedenen Firmen betroffen gewesen. In einem größeren Unternehmen habe es seit Montag 6 Neuinfizierte gegeben. Daher werde dort eine Reihentestung durchgeführt.

Positiv sei, dass Altenheime aktuell nicht mehr betroffen seien. Allerdings ist es in den vergangenen Tagen zu einzelnen Corona-Ausbrüchen in Flüchtlingsunterkünften/Gemeinschaftseinrichtungen gekommen. Am Donnerstag meldete das Landratsamt 8 weitere Neuinfizierte in der Flüchtlingsunterkunft in Immenreuth. Schon am Montag gab es dort 12 Fälle. Daher spricht das Gesundheitsamt hier auch von einem Corona-Hotspot.

Das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass es für alle Flüchtlingsunterkünfte entsprechende Hygienekonzepte gibt. Auf die Hygienevorschriften und Kontaktbeschränkungen werde regelmäßig, unter anderem auch mit entsprechenden bildlichen Aushängen, und in persönlichen Gesprächen (teils mit Dolmetscher) hingewiesen. „In solchen Unterkünften kann aber trotzt aller Vorsichtsmaßnahmen ein Ausbruch nicht ausgeschlossen werden – ähnlich wie in Altenheimen“, so die Behörde.

Sobald ein positiver Fall vorliege, komme es zu weiteren Maßnahmen wie beispielsweise Verhängung entsprechender Quarantäne, Verlegung einzelner Personen, Reihentestungen sowie Überwachung der Quarantäne durch Security. Für die größeren Gemeinschaftsunterkünfte/Übergangswohnheime in Tirschenreuth, Waldsassen, Mähring, Fuchsmühl und Bad Neualbenreuth sei die Regierung zuständig.

1.289 systemrelevante Grenzpendler

Beim Thema systemrelevante Betriebe und tschechische Grenzpendler gibt es auch neue Zahlen: Das Landratsamt hat bisher für 1.289 Mitarbeiter von 116 Firmen entsprechende Bestätigungen ausgestellt. Grundlage seien die Vorgaben des Bundesinnenministeriums und Leitlinien der Europäischen Kommission gewesen. „Anzumerken ist hier, dass es gerade in unserem Landkreis wirtschaftsstrukturell viele Handwerksbetriebe und ein breites Feld aus produzierendem Gewerbe, welche in Lieferketten im Bereich und zur Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur beitragen, gibt und damit systemrelevant sind“, erklärt Fenzl.

Insgesamt seien bisher rund 20 Prozent der gestellten Anträge von Firmen abgelehnt worden. Einige Anträge bearbeite die Wirtschaftsförderung noch oder sie müssten mit der Regierung und dem Wirtschaftsministerium abgeklärt werden. Für welche Firmen Bestätigungen auf Systemrelevanz ausgestellt wurden, werde das Landratsamt aus Datenschutzgründen nicht veröffentlichen.

Kam es im Corona-Testzentrum in Tirschenreuth zu Unregelmäßigkeiten?

Tirschenreuth
Hintergrund:

Aktuelle Coronazahlen Kreis Tirschenreuth

  • Neue Coronafälle (Stand: Donnerstag, 13 Uhr): 44, davon waren 17 in Quarantäne.
  • Verdachtsfälle auf eine Corona-Mutation: 42 neue Fälle, insgesamt 350. 10 dieser Fälle sind mittlerweile bestätigt (britische Variante B.1.1.7.). Diese Zahl ist bei der Gesamtzahl der Infizierten bereits enthalten.
  • Corona-Tote: 218.
  • Gesamtzahl der positiv Getesteten: 4051.
  • 7-Tage-Inzidenz Deutschland: Kreis Tirschenreuth 318, Kreis Wunsiedel 279, Kreis Bayreuth 102 , Kreis Neustadt/WN 131 (Quelle: Robert-Koch-Institut).
  • 7-Tage-Inzidenz Tschechien: Kreis Eger 959, Kreis Sokolov 1043, Kreis Karlsbad 834, Kreis Tachau 953 (Quelle: Tschechisches Gesundheitsministerium).

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