15.04.2019 - 12:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Delle bei der Aufklärungsquote

Die Sicherheitslage im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Tirschenreuth bezeichnet Werner Schönfelder als „gut und stabil“. Allerdings ist der Erste Polizeihauptkommissar mit der Aufklärungsquote nicht zufrieden.

Beim Sicherheitsgespräch informierten (hinten, von links) Verkehrssachbearbeiter Hubert Bauer, PI-Chef Werner Schönfelder und Stellvertreter Thomas Dietrich die Bürgermeister über die Kriminalitäts- und Verkehrslage 2018.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die Polizei notierte im PI-Bereich im vergangenen Jahr 807 registrierte Straftaten. "Die Zahlen sind somit das dritte Jahr in Folge nur bei knapp über 800 Fällen", erklärte Schönfelder beim Sicherheitsgespräch den Bürgermeistern. Der Schwerpunkt lag mit 45,2 Prozent im Stadtgebiet Tirschenreuth, gefolgt von Wiesau (21,3) und Waldershof (7,7). Die restlichen Straftaten verteilen sich auf Bärnau (7), Plößberg (6,5), Mähring (4,3), Friedenfels (3,6), Fuchsmühl (3) und Falkenberg (1,4). Die Polizeiinspektion ist für über 29 000 Einwohner in den neun Kommunen zuständig. Der Zuständigkeitsbereich umfasst rund 500 Quadratkilometer.

Wichtig für die Einschätzung der Sicherheitslage ist die Häufigkeitszahl, mit der die Polizei die Kriminalitätsbelastung für die Bevölkerung zum Ausdruck bringt. "Das ist bei uns der Parameter für die Sicherheit. Da sind wir nahezu unverändert auf niedrigem Niveau", freute sich Schönfelder. Im PI-Bereich lag sie bei durchschnittlich 27,7 Straftaten pro 1000 Einwohner. Den Bayern-Wert gab er mit 45,3 an und den für den Landkreis Tirschenreuth mit 39,9.

Nicht zufrieden zeigte sich der Beamte mit dem deutlichen Rückgang bei der Aufklärungsquote auf 61,2 Prozent (2017: 72,6 Prozent). "Das ist zu wenig. Da brauchen wir nicht diskutieren", fand der Inspektionsleiter klare Worte. Als Gründe nannte er erhebliche Anstiege im Bereich der ungeklärten schweren Diebstähle und der Sachbeschädigungen.

Zu den 494 geklärten Taten ermittelte die Polizei 381 Tatverdächtige (davon 279 Männer). Bei 274 Tätern handelte es sich um Deutsche. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigten lag bei 28,1 Prozent (2017: 26,5).

Zudem ging der PI-Chef auf einzelne Bereiche ein. Die Gesamtzahl der Sexualdelikte blieb mit 15 Straftaten (2017: 14) fast unverändert. Allerdings musste die Kriminalpolizei Weiden 3 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern beziehungsweise Jugendlichen und 6 Fälle der sexuellen Nötigung/Vergewaltigung bearbeiten. "Das sind erhebliche Straftaten. In dieser Größenordnung hatten wir das in den vergangenen Jahren nicht", so Schönfelder.

Weiter gab es 29 Gewaltdelikte (+2) und 122 Rohheitsdelikte (+1). Dabei sprach der Beamte das Problem der sogenannten häuslichen Gewalt an. Darunter sind alle Fälle von physischer und psychischer Gewalt innerhalb von ehelichen oder nichtehelichen Lebensgemeinschaften zu verstehen. Hierzu bearbeiteten 2018 die speziell dafür ausgebildeten Sachbearbeiterinnen 25 Fälle. "Das beschäftigt uns sehr", verwies der Beamte darauf, das man sich entschieden habe, diesen Bereich verstärkt in den Fokus zu nehmen.

Verzeichnete die PI 2017 noch einen signifikanten Rückgang bei Eigentumsdelikten, stieg diese Fallzahl 2018 wieder deutlich an und erreicht das Niveau der Vorjahre. Darunter waren 276 Diebstähle (+60) und 9 Unterschlagungen (-6). Die Eigentumsdelikte haben mit fast 40 Prozent den größten Anteil an der Gesamtkriminalität. Der Entwendungsschaden beläuft sich auf rund 325 000 Euro und die Aufklärungsquote lag bei 39,5 Prozent (Vorjahr: 68,5).

Tendenziell steigend sind die Aufbrüche in Firmen- und Geschäftsräumen. Zudem wurden 8 Fahrzeuge entwendet. Die Zahl der Wohnungseinbrüche lag bei 6 Fällen (davon 5 Versuche). Hier wirke sich die Gesetzesänderung positiv aus. Denn für Einbruch in eine Privatwohnung gilt mittlerweile eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft.

Von den 139 vorsätzlichen Sachbeschädigungen (2017: 119) klärte die Polizei "für uns unbefriedigende" 11,5 Prozent auf. Den Sachschaden beziffert sie auf 70 000 Euro. Erneut zugenommen hat der Vandalismus. "Dem ist aber sehr schwer beizukommen", sagte Schönfelder. Darunter fallen unter anderem 50 Beschädigung von Fahrzeugen (Vorjahr: 38). Sprayer und Schmierer schlugen 34 Mal zu (29).

Die Rauschgiftkriminalität ist zurückgegangen von 54 auf 32 Delikte. Von den ermittelten 31 Tatverdächtigen kamen 21 aus dem Landkreis Tirschenreuth. Wobei der PI-Chef zugab, dass dieses Feld "ein reines Kontrolldelikt ist und ich nicht glaube, dass es weniger geworden ist".

Außerdem machte er auf 57 Sachbearbeitungen mit Beteiligungen von Asylbewerbern aufmerksam. Meist habe es sich um Streitigkeiten oder Verstöße gegen ausländerrechtliche Bestimmungen gehandelt. "Nach wie vor haben aber die untergebrachten Flüchtlinge und Asylsuchenden keine größeren Probleme verursacht", stellte Schönfelder fest.

Hintergrund:

Überblick über die einzelnen Kommunen

Thomas Dietrich, stellvertretender Leiter bei der Polizeiinspektion (PI) Tirschenreuth, stellte die Einzelbetrachtungen der Kommunen vor:

Bärnau: Die Zahl der Delikte stieg von 52 auf 57 an. Die Aufklärungsquote lag bei 56,1 Prozent. Die Zahl der Körperverletzungen verringerte sich von 9 auf 2 Fälle. Allerdings setzte sich der Anstieg bei den Eigentumsdelikten fort. Die Polizei registrierte 23 Fälle (2017: 12, 2016: 6). Es ereigneten sich im vergangenen Jahr besonders schwere Diebstähle aus Schuppen, Gartenhäusern und Lagerräumen, die größtenteils aber im Versuchsstadium bleiben. Die Täter konnten noch nicht ermittelt werden.

Falkenberg: Wie 2017 gab es auch 2018 11 meldepflichtige Taten. In 9 Fällen ermittelte die Polizei die Täter.

Friedenfels: Das Anzeigenaufkommen erhöhte sich um 18 Fälle auf 29 Straftaten. Die Steigerung erklärte sich auch durch die Zunahme der Diebstähle von 4 Delikten auf 11. Dabei handelte es sich um Einbrüche in ein Büro, eine Gaststätte und mehrfach in Kirchen-Opferstöcke. Die gesamte Aufklärungsquote lag bei 44,8 Prozent.

Fuchsmühl: Im Vergleich zum Vorjahr mit 15 Straftaten sind für 2018 24 Taten angefallen. Davon klärte die Polizei 16 auf. Im Berichtszeitraum kam es zu 4 schweren Diebstählen. Bei einem ermittelten die Beamten den Täter.

Mähring: Zu einer deutlichen Verringerung der Delikte kam es in Mähring. Waren es 2017 noch 67 Fälle stehen für 2018 35 Fälle in der Statistik. Die Aufklärungsquote lag bei fast 70 Prozent. In 22 Fällen bearbeitete die Polizei Anzeigen wegen Diebstahldelikten.

Plößberg: Es fielen 52 Straftaten an. 2017 waren es 43. Die Aufklärungsquote betrug 73,1 Prozent. Ein Anstieg ist bei den einfachen Körperverletzungen von 1 Fall auf 7 Fälle zu registrieren. Zudem erfasste die Polizei 16 Diebstahldelikte, 6 Ermittlungsverfahren mehr als im Jahr davor.

Tirschenreuth: Die Kreisstadt weist 365 Straftaten aus. Das sind 28 Fälle mehr als 2017. Die Aufklärungsquote lag bei 56,7 Prozent. Weiterhin machen die Eigentumsdelikte den größten Anteil mit über einem Drittel aus. Die Ladendiebstähle erhöhten sich um 11 Fälle auf 41. Auch stiegen die Sachbeschädigungen merklich von 59 auf 85 Delikte an. Darunter fällt eine Serie von Schmierereien im Stadtgebiet: Seit 2017 hat ein Unbekannter eine Vielzahl von Häusern und Fahrzeugen mit aufgesprühten Wellen oder Strichen verunstaltet.

„Das hat sich seit ein paar Monaten beruhigt. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden, aber wir haben eine Ahnung, in welche Richtung es geht“, so Dietrich. Bei einer Discothek im Stadtgebiet handelt es sich um einen „regionalen Brennpunkt der polizeilichen Arbeit“. Insgesamt leiteten die Beamten dort 20 Ermittlungsverfahren ein, hauptsächlich wegen Körperverletzungen. 2017 waren es noch 31.

Die Sicherheitswacht leistete im vergangenen Jahr rund 950 Einsatzstunden. Die 7 ehrenamtlichen Mitarbeiter werden neben den Sicherheitsstreifen auch bei Veranstaltungen wie Märkten oder Weihnachtsmarkt eingesetzt.

Waldershof: Eine deutliche Verringerung der Straftaten auf 62 Fälle ist in der Kösseinestadt zu verzeichnen (2017: 108). Die Aufklärungsquote lag bei 50 Prozent.

Wiesau: Das Anzeigenaufkommen erhöhte sich auf 172 Straftaten (+9). Die Aufklärungsquote lag bei 72,1 Prozent. Einen Anstieg gab es bei der Eigentumskriminalität von 27 auf 48 Fälle. „Aus dem ganzen Bundesgebiet anreisende Berufsschüler bereiten immer wieder mal Schwierigkeiten und dies hat Auswirkungen auf die Zahlen“, so Dietrich. Von 104 ermittelten Beschuldigten hatten 48 ihren Wohnsitz in Wiesau, 14 im Landkreis und 42 kamen von außerhalb. (rti)

Beim Sicherheitsgespräch informierten (von links) Verkehrssachbearbeiter Hubert Bauer, PI-Chef Werner Schönfelder und Stellvertreter Thomas Dietrich die Bürgermeister über die Kriminalitäts- und Verkehrslage 2018.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.