06.02.2020 - 12:42 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Von der "Echo-Lehre" bis zur "Narziss-Falle"

Lehrstuhlbeauftragter Jens Wimmer knüpft an Philosophie-Reihe der Volkshochschule in Tirschenreuth an. Und er macht deutlich: Die Nachrichten- und Datenflut ist für viele mittlerweile erdrückend.

Dr. Jens Wimmers erklärte seine Ausführungen auch anhand von praktischen Beispielen. Unter anderem zeigte er zum Verständnis und um den Fachbegriff der Philosophie "Narziss-Falle" zu erläutern, das berühmte Gemälde von "Narzissmus" (von John William Waterhouse), der nur sich selbst sieht.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Ist Ihnen heute auch schon das Wesentliche begegnet?" Diese Frage stellte Dr. Jens Wimmers, Lehrstuhlbeauftragter für Philosophie an der Universität Bamberg, im Landratsamtsaal bei einem Vortrag der Volkshochschule. Dem Dozent ging es nicht um konkrete Beispiele. Wimmers stieg mit der Fragestellung in seinen Vortrag ein, zu dem die Volkshochschule eingeladen hatte.

Quasi als Ersatz für die "Philosophischen Spaziergänge" mit Wolfgang Minssen, der diese Reihe bei der Volkshochschule beendet hat, holte sich Leiterin Angelika Schraml den Lehrstuhlbeauftragten der Universität Bamberg für Philosophie und Sachbuchautor ins Haus. Dabei kam ihr der Zufall gerade recht. Wimmers, erzählte sie den sehr wenigen Vortragsgästen, habe bei ihr angefragt, ob Interesse an einem Vortrag bestünde. Wimmers bietet unterschiedliche Themen an und hat ein Sachbuch mit dem Titel "Weg zum Glück" geschrieben.

Die Anwesenden erhielten von ihm eine interessante und unterhaltsame Einführung in die tiefgreifende Gedankenwelt der Philosophen. Die Zuhörer fühlten sich für zwei Stunden in den Hörsaal einer Universität versetzt. Jens Wimmers schlüsselte die Frage seines Vortrags "Was ist das Wesentliche?" detailliert auf in Einbeziehung der neuen Medien als starke Einflüsse auf die menschliche Denk- und Verhaltungsweise. Die Nachricht, dass es im Waldsassener Kunsthaus mit Wolfgang Minssen als Leiter einen "Philosophischen Stammtisch" gibt und viele der dortigen Teilnehmer nun hier seien, freute den Lehrstuhlbeauftragten sehr. Damit habe er ein belesenes Publikum, meinte er. Zu den neuen Medien sagte Wimmers, man werde regelrecht bombardiert mit Informationen. Er warnte vor der Gefahr beim ständigen Googeln. Beim täglichen Umgang damit entstehe ein falsches Bild. Die komplexe, moderne, multikausale Welt sei unberechenbar und unüberschaubar. "Sehen wir keine Zusammenhänge mehr, was gut oder schlecht ist, sprechen wir vom Chaos." Um im Chaos Orientierung zu finden, müsse man sich geographisch, räumlich und geistig orientieren.

Dabei erklärte der Dozent seine Ausführungen stets sehr überschaubar anhand von Skizzen auf dem Papier oder Fotomaterial und nutzte zum Verständnis auch moderne Kommunikationsmittel, wie ein "Emotion" aus der Welt der Social Media. Wimmers erklärte bei der Suche nach dem Wesentlichen Fachbegriffe wie die "Echo-Lehre" und die "Narziss-Falle". Zur Erklärung der "Echo-Lehre" meinte Wimmers, dies sei die Sprachlosigkeit derjenigen, die unkontrolliert alle Daten sammeln, ohne diesen noch eine Bedeutung zuzuschreiben. Als praktisches Beispiel nannte Wimmers das Fotografieren mit dem Smartphone und fragte in die Runde, wer denn überhaupt noch wisse, welche Fotos er auf seinem Handy habe. Zur "Narziss-Falle" sprach er die gezielte Beeinflussung durch die Medien an. "Sie bekommen das, was zu ihrem Profil passt und was sie interessiert. Mehr nicht." In der Datenflut müsse eine Trivalisierung, also Vereinfachung stattfinden. "Letztendlich geht es um Zufriedenheit und Glück." Wie die Welt auf einen wirke, könne jeder an sich selbst feststellen. Angesicht des Weltbilds dürfe man sich nicht selbst verleugnen, sagte Wimmers weiter und spann den Bogen zurück zur Eingangsfrage mit der Erkenntnis, dass für jeden das persönliche Wesentliche eben das Wesentliche sei. Seine anschließende Einladung zur Diskussion wurde ausgiebig angenommen. Angelika Schraml bedankte sich für den spannenden Abend mit einer Schriftenreihe aus dem Landkreis.

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