26.10.2018 - 15:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ehrenamt als Standortfaktor

Zum Thementag Ehrenamt des Netzwerks Inklusion mit Professorin Doris Rosenkranz von der Technischen Hochschule Nürnberg kommen über 60 Gäste. Dabei gibt es Tipps, wie Vereine und Organisationen neue Leute gewinnen können.

Den Impulsvortrag hielt Professorin Doris Rosenkranz.
von Externer BeitragProfil

"Ohne Ehrenamt wäre Deutschland arm", führte Franz Malzer, stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe des Kreisverbands Tirschenreuth, in das Thema ein. Gekommen waren Vertreter von Vereinen, beruflichen Schulen und Einrichtungen sowie kommunale Beauftragte. Es sei allerdings schwierig, neue Ehrenamtliche zu finden. Malzer habe als Jugendlicher angefangen und sei dann "dabei geblieben". Das sei nicht mehr selbstverständlich.

Peter Gold, zweiter Bürgermeister von Tirschenreuth und Vertreter des Landratsamtes, wies auf die Bedeutung der Weiterentwicklung hin. Das Landratsamt sei ein Partner der TH Nürnberg, aber auch vor Ort müsse man sich neue Gedanken zum inklusiven Ehrenamt machen. Christina Ponader, Netzwerkleiterin und Veranstalterin, zollte den Anwesenden Respekt: "Hier sitzen viele, die ehrenamtlich tätig sind, und das oft nicht nur in einem Verein. Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen. Wir wollen heute Schätze aus unserem Landkreis zeigen, uns austauschen und neue Ideen entwickeln."

Die Soziologin Professor Doris Rosenkranz begann ihren Impulsvortrag ähnlich: "Grob überschlagen - etwa 85 Prozent von Ihnen haben ein Ehrenamt. Wenn man den Stundenumfang Ihres Engagements mit dem Mindestlohn multipliziert, ist das Ergebnis quasi unbezahlbar. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Bruttowertschöpfung." Gleichzeitig dürfe das Ehrenamt nicht der Lückenbüßer für hauptamtliche und sozialstaatliche Aufgaben sein.

Laut Rosenkranz sind in Deutschland 44 Prozent der Bürger ehrenamtlich tätig, in Bayern 47 Prozent. Davon sind 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen. Eine große Rolle würden die Bereiche Feuerwehr, Rettungsdienst und Sport einnehmen. Allerdings würden in dieser Statistik die privaten Hilfen (etwa von Nachbar zu Nachbar), die nicht verbindlich organisiert sind, nicht abgebildet. Somit seien eigentlich viel mehr Menschen ehrenamtlich aktiv.

Die Fachfrau bezeichnete das Ehrenamt als Standortfaktor und Bereicherung der Lebensqualität. "Wo viele sich engagieren, zieht man gerne hin." Sie forderte ein neues Bild vom Ehrenamt, denn es sei nichts Selbstverständliches. "Nach wie vor sind viele bereit, sich zu engagieren. Aber die Menschen prüfen heute sehr genau, wo und wie lange sie sich engagieren wollen." Die Soziologin macht deutlich, dass sich die Vereine und Träger mit Motiven und Erwartungen möglicher Mitglieder auseinandersetzen müssten. Es sei immer ein Spagat zwischen der Individualität der Ehrenamtlichen, den Zielen des Vereins und dem Erhalt der Qualität der Arbeit des Vereins.

Als Motive für die ehrenamtliche Arbeit nannte sie Freude, Gemeinschaft, Gestaltungswillen und Neuerwerb von Qualifikationen. "Je jünger, desto mehr Interesse an Qualifikationen, je älter, desto mehr stehen Gemeinschaft und der Anlass zum Gespräch im Vordergrund." Gründe für das Nicht-Engagement seien Zeitmangel sowie die Unsicherheit, wohin man sich wenden kann. Allerdings bestehe oft auch Angst, dauerhaft an die Tätigkeit gebunden zu werden. Das bedeute für Vereine und soziale Einrichtungen, sich ganz gezielt mit Freiwilligen-Management auseinanderzusetzen.

Beispiele aus dem Landkreis Tirschenreuth:

Nach dem Impulsvortrag folgten Beispiele aus dem Landkreis Tirschenreuth. Rita Kunz stellte den Kleinen Dienst Erbendorf vor, der seit 1996 existiert und damit wohl die älteste Nachbarschaftshilfe im Landkreis ist. Anja Dubrowski von der Seniorenfachstelle verwies auf die bayerische Ehrenamtskarte, mit der man bayernweit Ermäßigungen bei kommunalen und öffentlichen Angeboten bekommt, im Landkreis zum Teil auch Ermäßigungen auf die Kindergarten-Gebühr.

Unter dem Dach des Roten Kreuzes laufen mehrere Nachbarschaftshilfen (NBH): Josef Zant präsentierte die NBH Bärnau, die nun auch Kinoabende anbietet. Jutta Frankenhäuser von der NBH Plößberg verwies auf ihre "mehrgenerationalen Angebote". Die Besonderheit der NBH Pullenreuth ist laut Christine Gärtner die Taschengeldbörse. Und Ludwig König von der NBH Brand verwies darauf, dass man sich auch schon stark in der Flüchtlingshilfe engagiere.

Den Abschluss bildete Stefanie Baier mit "LEBENplus Kemnath". Sie machte darauf aufmerksam, dass in Kooperation mit dem "Kleinen Dienst Kemnath" die Ehrenamtsbörse ein wachsender Bereich sei.

Sie setzen sich stark für das Ehrenamt ein. Von links: BRK-Geschäftsführer Holger Schedl, zweiter Bürgermeister Peter Gold, Professorin Doris Rosenkranz, Franz Malzer, stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe, und Veranstalterin Christina Ponader vom Netzwerk Inklusion.

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