05.05.2020 - 12:51 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Eigener Käse aus dem Stiftland

Die Öko-Modellregion Stiftland denkt derzeit über viele verschiedene Projekte nach. Eines ist ein Vermarktungskonzept für Bio-Milch aus dem Stiftland. Das Zauberwort heißt dabei "Mobile Käserei".

Käsesorten, wie sie in der Alztaler Hofmolkerei produziert werden, ließen sich auch in der Öko-Modellregion Stiftland prima absetzen, glaubt Projektmanagerin Lisa Hertel.
von Externer BeitragProfil

"Bio-Milch ist ein wertvoller Rohstoff. Derzeit gibt es in der nördlichen Oberpfalz keine gesonderten Verarbeitungsmöglichkeiten, um daraus mehr Wertschöpfung und Wertschätzung in der Region für die Betriebe zu schaffen", sagt Lisa Hertel von der Öko-Modellregion Stiftland. Die Milch werde in größeren Molkereien weiterverarbeitet. Einzelne Landwirte hätten keine Möglichkeit, Produkte, die ausschließlich aus ihrer eigenen Milch produziert werden, zu bekommen. Das möchte die Öko-Modellregion ändern.

Butter abpacken in der Alztaler Hofmolkerei.

Kurze Transportwege

"Kurze Liefer- und Transportwege sowie Transparenz sind bisher weitestgehend Fehlanzeige", klagen die Mitarbeiter. Die Coronakrise zeige, wie wichtig regionale Wertschöpfungsketten seien: Der direkte Einkauf beim Erzeuger mache unabhängig von den teilweise sehr langen Lieferketten der Lebensmittelindustrie.

Zur Lösung des Problems fasst die Öko-Modellregion Stiftland eine mobile Käserei ins Auge. Das Prinzip: Die Käserei kommt auf den landwirtschaftlichen Betrieb und verarbeitet dort einen Teil der Milch zu verschiedenen Käsesorten. Anschließend lagert der Käser die Produkte in einem speziellen Reiferaum. Am Schluss bekommt jeder Landwirt Käse, der aus der Milch der eigenen Kühe hergestellt ist.

Die Öko-Modellregion Stiftland möchte helfen, solch eine Käserei für die Region aufzubauen, um den (Bio-)Milchproduzenten neben der Freude am hofeigenen Käse vor allem eine Perspektive zur regionalen Vermarktung der Milch zu geben.

Unter Organisation der Projektmanagerin der Öko-Modellregion, Lisa Hertel, haben sich interessierte Landwirte näher mit den Möglichkeiten zur regionalen Vermarktung von Bio-Milch befasst. Es ist Ziel, Milcherzeuger, Verarbeiter und Vermarkter zu vernetzen. Vorbild ist dabei die seit 2014 bestehende Öko-Modellregion Waginger See/Rupertiwinkel. "Dort gibt es bereits eine gute Zusammenarbeit den regionalen Landwirten mit einer mobilen Käserei. Auch die Vermarktung ist dort schon gut organisiert", weiß Lisa Hertel.

Stephan Scholz, der Käser, ermöglichte Interessenten vor einiger Zeit einen ausführlichen Einblick in die Entwicklung seiner Käserei und lieferte auch viele Wirtschaftlichkeitsdaten. Fünf bis sieben Biobetriebe lassen dort derzeit Biomilch frisch vom Hof im Lohnkäseverfahren von ihm verarbeiten. Das Käsereimobil von Scholz ist mit Kesseln, Heiztechnik und allem Notwendigen ausgerüstet und verarbeitet die Milch direkt vor Ort zu Käsebruch und Laiben. Die frischen Käselaibe kommen anschließend zur Pflege in einen Ziegelerdkeller, bevor sie nach drei Monaten Reifezeit als schmackhafte, handwerklich hergestellte Rohmilch-Schnittkäse das Lager verlassen. Sie gehen entweder zum Eigenverbrauch an die Landwirte zurück oder werden alle drei Wochen an Bioläden, Lebensmittelmärkte und weitere Geschäfte ausgeliefert.

Für die Öko-Modellregion Waginger See ist die Zusammenarbeit mit der mobilen Käserei ein Vorzeigeprojekt und für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. "Die Käserei profitiert auch von Marketing- und Werbeaktionen der Öko-Modellregion", so die dortige Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl. Unter dem Dach "Waginger See Kas" bewirbt auch der Waginger Tourismusverband die Milchprodukte aus der Region. Der Absatz ist in den vergangenen Jahren konstant gewachsen, inzwischen ist eine gute Auslastung des Käsereimobils erreicht. Jetzt sind es nach Auskunft der Öko-Modellregion eher Kapazitätsgrenzen, die einem weiteren Wachstum entgegenstehen.

Informiert haben sich Milchviehhalter aus dem Stiftland auch über ein anderes Projekt, nämlich das der "Alztaler Hofmolkerei". Franz Obereisenbuchner, der Betriebsleiter der Hofmolkerei nahe Garching an der Alz, gewährte Interessierten Einblick in die Abläufe auf dem Betrieb. Der Landwirt und ausgebildete Molkereifachmann verarbeitet den größten Teil der Bio-Milch seiner 50 Kühe selbst zu Frischmilchprodukten und Hofkäse.

Die Vermarktung der Milchprodukte findet ab Hof im regionalen Bio-Fachhandel und verschiedensten Märkten in der Region statt. Um seine Kühe vorwiegend aus Grundfutter ernähren zu können, hat der Betriebsleiter 2017 eine große Heutrocknung errichtet, die ihm eine ausgezeichnete Futterqualität garantiert. Das Einkreuzen von Rassen wie Jersey ins Fleckvieh soll die Inhaltsstoffe seiner Milch weiter verbessern.

Hintergrund:

Öko-Modellregion sucht Käser

Wie wäre es mit einem würzigen Stiftländer Klosterkäse, einem nussigen Waldnaabtaler oder Wondrebtaler? Oder einem Ziegen- oder Schafskäse aus dem Land der 1000 Teiche. Oder einem Grenzlandtaler Kräuterkäse? Dazu vielleicht ein süffiger Zoigl aus dem Falkenberger oder Mitterteicher Kommunbrauhaus? Wer würde da nicht gerne verkosten?

Es sind viele Käsesorten aus der Öko-Modellregion Stiftland denkbar. Lisa Hertel ist überzeugt, dass sich Käse aus dem Stiftland gut absetzen lässt und auch eine mobile Käserei wirtschaftlich betrieben werden kann, zumal hier Fördermöglichkeiten und verschiedene Finanzierungsmodelle denkbar sind. "Man könnte die Anschaffung zum Beispiel auch mit Genussscheinen erleichtern", so Hertel. Das Interesse der Landwirte, mit einer mobilen Käserei zusammenzuarbeiten, sei da. "Jetzt fehlt nur noch ein Käser, der die Milch verarbeiten kann", sagt sie. Landwirte und andere am Projekt Interessierte sollen sich bei Lisa Hertel von der Öko-Modellregion melden, Telefon 0 96 35 / 924-23 78 oder E-Mail lisa.hertel[at]ikomstiftland[dot]de.

Auch Tierwohl ist wichtig

"Das Tierwohl wird bei ihm großgeschrieben, und innovative Wege beschreitet der Betriebsleiter auch beim Einsparen von Verpackungsmaterial. Außergewöhnlich ist auch die Bewirtschaftung seiner Wiesen, die er größtenteils in eine extensivere Bewirtschaftung - in Drei-Schnitt-Wiesen - zurückgeführt hat. Damit ist der Betrieb nicht nur in der Vermarktung seiner hofeigenen Produkte, sondern auch im Artenschutz ein großes Vorbild", weiß Lisa Hertel.

"Für die vielen Kunden auf meinem Hof soll alles transparent sein", so der junge Bio-Landwirt. Die vielen Fragen zur Wirtschaftsweise sieht er auch als Ansporn, um stetig über Verbesserungen nachzudenken. Ein Stallneubau ist für die nächsten Jahre angedacht.

Käser Stephan Scholz (Mitte) liefert in der Öko-Modellregion Waginger See jedem Landwirt Käse, der aus der eigenen Hofmilch gemacht ist. Das gleiche Konzept würde auch die Öko-Modellregion Stiftland gerne umsetzen.
Franz Obereisenbuchner beim Käsen.
Käse von Stephan Scholz aus der mobilen Käserei.
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