Tirschenreuth
12.01.2024 - 14:10 Uhr
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Eiszeit ist im Landkreis Tirschenreuth angebrochen: Wasserwacht warnt vor Gefahren

Die Eiszeit ist im Landkreis Tirschenreuth angebrochen. Viele Teiche und Weiher sind zugefroren. Doch noch ist Vorsicht geboten, warnt die Wasserwacht.

Aufgrund der frostigen Temperaturen der vergangenen Tage haben sich auf vielen Teichen und Weihern im Landkreis Tirschenreuth verführerische Eisflächen gebildet. An manchen Gewässern, wie auf dem Stadtteich in Tirschenreuth, sind bereits Schlittschuhläufer oder Eisstockschützen zu sehen. Die Wasserwacht warnt jedoch eindringlich davor, die Flächen ohne vorherige genaue Prüfung zu betreten. Erst ab einer Stärke von etwa 20 Zentimetern könne man sich aufs Eis wagen, sagt die Wasserwacht.

"Es besteht Lebensgefahr, wenn man sich auf zu dünnes Eis begibt", warnt der Kreisvorsitzende der Wasserwacht, Thomas Mauersberger aus Wiesau. Die Folgen könnten fatal sein. Mauersberger: "Bricht man ein, so erleidet man innerhalb weniger Minuten einen Kälteschock, der zum Ertrinken führen kann." Von außen sei nur schwer zu erkennen, wann Eisflächen dick genug und damit tragfähig seien.

Badeweiher oft sehr tückisch

Es gibt hier viele Faktoren, die Einfluss auf die Bildung von Eisflächen haben. Die Lage des Gewässers - befindet es sich im Schatten oder in der Sonne - gehört ebenso dazu wie Strömungen, Wasserpflanzen und andere Dinge. Dies führe dazu, dass Teiche mit einer ungleichmäßig dicken Eisdecke zufrieren würden, warnen die Fachleute. Während das eine Gewässer bereits sicher betreten werden könne, sei bei einem anderen zur gleichen Zeit die Schicht noch viel zu dünn. Eisflächen seien unberechenbar, so die Fachleute von der Wasserwacht. Gerade Badeweiher seien da oft gefährlich. Der stellvertretende Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, Sven Lehner aus Erbendorf, weiß: Solche Badegewässer könnten sehr tückisch sein. "Durch den Steg und die Einstiege ist die Eisfläche häufig unterbrochen und damit besonders einbruchgefährdet." Spontan fallen ihm hier die Wiesauer Waldseen ein, auch die "Kipp", genannt, die auch im Winter ein sehr beliebtes Ziel in der Natur seien.

In diesem Jahr gebe es dabei noch eine andere Besonderheit. Wegen der langen und starken Regenfälle hätten sich auch auf überfluteten Flächen Eis gebildet. "Eine besondere Gefahr", sagt Sven Lehner. Die Reste des Hochwassers hätten sich schnell in relativ dünne Eisflächen verwandelt. "Darunter befinden sich jedoch nicht gefrorener Matsch bzw. aufgeweichtes Erdreich, in denen man leicht stecken bleiben kann." Das bedeute ebenfalls Unterkühlungsgefahr.

Schnee wirkt wie Isoliermatte

Die Voraussetzungen, dass sich eine tragfähige Eisschicht gebildet hat, waren übrigens bislang nicht schlecht, denn die Gewässer waren nicht mit Schnee bedeckt. Die weiße Pracht verhindert nämlich das Anwachsen von Eisflächen. Der Schnee wirke hier wie eine Isoliermatte, wissen die Fachleute vom Rettungsdienst.

Die Wasserwacht im Landkreis Tirschenreuth ist auf Einsätze nach Eiseinbruch vorbereitet. "Bei allen drei Schnelleinsatzgruppen im Landkreis befinden sich Eisrettungsschlitten, sogenannte Y-Retter", erläutert Lehner. Sie seien bei den Schnelleinsatzgruppen in Kemnath ("West"), Tirschenreuth ("Mitte") und Waldsassen ("Ost") stationiert. Die Wasserwacht übt damit regelmäßig das Retten von eingebrochenen Personen. Aktuell wagt sich die Wasserwacht damit noch nicht aufs Eis. "Aus Sicherheitsgründen üben wir erst, wenn die Eisdecken ausreichend gefroren sind. Aktuell ist dies noch nicht der Fall", betont Lehner.

Schnell Notruf wählen

Wichtigste Regel sei dabei: "Ist eine Person eingebrochen, sollte unverzüglich der Notruf 112 verständigt werden. Die Wasserwacht ist dann mit Schnelleinsatzgruppen, Eisrettungsschlitten und Rettungstauchern beziehungsweise Rettungstaucherinnen in der Regel schnell zur Stelle.

Der aus Mitterteich stammende Wetterexperte Andy Neumaier rechnet übrigens nicht unbedingt mit einem Anwachsen der Eisschicht. In den kommenden Tagen gehe es mit den frostigen Nächten weiter, tagsüber allerdings werde es dezent milder. "Bis etwa Dienstag dürften sich die Eisflächen noch halten und womöglich verdicken", sagt er. Ab Mittwoch werde sich das wahrscheinlich ändern, dann sei der Frost erst einmal vorbei. Neumaier: "Dann dürfte es mit Glatteisregen und Schnee schnell wieder milder werden. Wind und Regen bringen dann im Laufe der Woche wieder bis über 5 Grad plus."

Wer beim Schlittschuhlaufen im Landkreis auf Nummer sicher gehen will, für den gibt es im Landkreis Tirschenreuth einen Tipp: die Eishalle in Mitterteich. Die ist aktuell jeden Tag geöffnet. Die Eintrittspreise sind familienfreundlich. Kinder bis sechs Jahre dürfen sogar kostenlos hinein. Man kann dort zudem günstig Schlittschuhe ausleihen, und ins Eis einbrechen ist ausgeschlossen.

Hintergrund:

Wichtige Eisregeln

  • Gehe nicht gleich an den ersten kalten Tagen aufs Eis!
  • Hilf anderen, wenn sie Hilfe brauchen.
  • Achte auf Warnungen im Radio und in der Zeitung.
  • Lege dich flach aufs Eis und bewege dich vorsichtig auf dem gleichen Weg zurück Richtung Ufer, wenn du einzubrechen drohst.
  • Betritt einen See erst, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist. Ein fließendes Gewässer erst, wenn das Eis 20 Zentimeter dick ist.
  • Verlasse das Eis sofort, wenn es knistert und knackt!
  • Gehe nie allein aufs Eis!
  • Rufe nie um Hilfe, wenn Du nicht wirklich in Gefahr bist, aber hilf anderen, wenn sie Hilfe brauchen.
  • Um das Gewicht zu verteilen, rette andere mit einem Brett, einer Leiter oder einem umgedrehten Schlitten.
  • Wärme den Geretteten mit Decken und trockenen Kleidern wieder auf.
  • Rufe nach der Rettung einen Notarzt. Eine Unterkühlung kann lebensbedrohlich sein.
  • Erkundige dich beim zuständigen Amt, ob das Eis schon trägt! Quelle: DLRG
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