Tirschenreuth
07.06.2018 - 11:27 Uhr

Filigrane Kunst aus feinster Spitze

Mitunter kann Handarbeit auch Kunst sein. Das zeigt Sabine Heibl aus Weiherhammer im Museumsquartier. Ihre Klöppelarbeiten haben nichts am Hut mit Tischdecken. Feinste Spitze wird unter ihren geschickten Händen zu Kunstwerken.

Ein Meisterwerk: Für diesen filigranen Fächer hat Sabine Heibl 100 Paar Klöppel eingesetzt. ubb
Ein Meisterwerk: Für diesen filigranen Fächer hat Sabine Heibl 100 Paar Klöppel eingesetzt.

(ubb) Wird im Kunsthandwerk von flandrischer Spitze, von Cluny, Tochon oder Bänderspitze gesprochen, dreht sich alles um das Klöppeln. Eine, die dabei ausgesprochen belesen daherkommt, ist Sabine Heibl. Die 53-jährige Weiherhammerin klöppelt seit 30 Jahren.

Sie zeigt im Museumsquartier in ihrer Ausstellung "Der Weg der Klöppelspitze - von der Tradition zur Moderne", wie Klöppeln auch Ausdruck von Kunst sein kann. Anfang der Woche hat die Expertin mit ihrem Mann Norbert die Ausstellungsräume mit ihren Arbeiten bestückt. Die Besucher dürfen sich auf moderne Darstellungen wie das schwarz-rote Bild "Vulkan" ebenso freuen wie auf alte Spitzentechniken und mehr.

Einst sei das Tragen von Klöppelspitzen an der Kleidung den Adeligen vorbehalten gewesen, erzählt sie während des Aufbaus. Nur Könige und feine Leute hätten diese getragen. Später sei Klöppeln zur beruflichen Perspektive für Frauen in Heimarbeit geworden.Heibl ist Meisterin ihres Faches, wenngleich sie Klöppeln als Hobby betreibt. Dennoch tut sie das mit einer Hingabe und Leidenschaft, die ansteckend wirkt.

Nach einem Vhs-Kurs im Jahr 1989 sei sie nicht mehr losgekommen und habe ihre Kenntnisse vertieft. Inzwischen hat sich Heibl in diverse, komplizierte Spitzenarten weitergebildet und ist Kinder- und Jugendbeauftragte des Deutschen Klöppelverbandes. Regelmäßig geht sie auf deutsche und internationale Klöppelkongresse. Dort habe sie die moderne Klöppelart schätzen gelernt.

Heibl experimentiert gerne mit dem Material. Im Fachjargon heißt das, eine Idee zu entwickeln und dann mittels einer Zeichnung auf Papier zu bannen wie ein Bauzeichner oder Architekt. Erst wenn ein Raster angelegt ist, wird dies auf die Klöppelrolle übertragen, wo die Arbeit mit dem Garn beginnt. Es entsteht eine Symbiose zwischen Zeichnung, dem Werkzeug und der Fantasie des Kunsthandwerkers.

Dabei spielt es keine Rolle, ob mit 8 Paar Klöppeln oder 500 Paar gearbeitet wird. Natürlich werde ein Anfänger nicht gleich mit Hunderten Klöppeln beginnen. "Das ist Meisterkönnen." Sie selbst hat gut 100 Paar im Einsatz, wie zum Beispiel eingesetzt für den blauen Fächer. "Grundlage ist und bleibt die überlieferte Technik", erklärt die Weiherhammerin, die außer feinen Leinenfädchen aus ägyptischer Baumwolle auch Draht oder mitunter für große Exponate eine Wäscheleine verwendet. Die Präsentation im Museumsquartier sei ihre bisher größte Ausstellung. Deshalb sei sie auch ein wenig aufgeregt beim Gedanken an die Vernissage am heutigen Freitag.

Zumal die Künstlerin nicht nur ihre eigenen Werke vorstellt. Aufgrund der guten Kontakte zum Verband konnte Museumsleiterin Herta Zölch die "Wettbewerbsausstellung des Deutschen Klöppelverbandes" in die Kreisstadt holen und es werden historische "Metallspitzen" aus Gold und Silber aus dem Klöppelmuseum Abenberg präsentiert.

Jeden Sonntag findet ab 14. 30 Uhr "Schauklöppeln" statt. Außerdem gibt es am 25. Juni von 14 bis 17 Uhr einen Klöppel-Schnupperkurs für Kinder und am 7. und 8. Juli einen Klöppel-Workshop für Erwachsene. Kinder können sich bis 17. Juni und Erwachsene bis 30. Juni im Museumsquartier per Telefon 09631/6122 oder per E-Mail an info[at]museumsquartier-tirschenreuth[dot]de anmelden. Die Ausstellung dauert bis 15. Juli.






Sabeine Heibl (links) hat auch Rasterbeispiele mitgebracht, die sie beim Aufbau der Museumsleiterin Herta Zölch zeigt. ubb
Sabeine Heibl (links) hat auch Rasterbeispiele mitgebracht, die sie beim Aufbau der Museumsleiterin Herta Zölch zeigt.
Eine moderne Darstellung einer Klöppelarbeit. ubb
Eine moderne Darstellung einer Klöppelarbeit.
Mitunter entstehen auch mehrdimensionale Exponate aus feinstem Garn. ubb
Mitunter entstehen auch mehrdimensionale Exponate aus feinstem Garn.
Erst beim genauen Betrachten wird auf diesem "Gemälde" sichtbar, dass es sich um eine Klöppelarbeit handelt. ubb
Erst beim genauen Betrachten wird auf diesem "Gemälde" sichtbar, dass es sich um eine Klöppelarbeit handelt.
 
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