22.02.2019 - 15:13 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Fraktion stärkt bei Stromdebatte Minister Aiwanger den Rücken

Die Freien Wähler wollten es ganz genau wissen. Sie informierten sich über Details der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Der Grund für das Interesse lag auf der Hand.

von Externer BeitragProfil

Der Bau einer Trasse durch den Landkreis ist derzeit eines der am meisten diskutierten Maßnahmen in der Region.

Die Kreistagsfraktion lud Energiefachwirt Bernhard Schmidt, Geschäftsführer der "Neuen Energie West - NEW" und Sprecher des Landeskreises Energie der Freien Wähler als Referent ein. Bernhard Schmidt stellte mit seinem umfangreichen Fachwissen zunächst die technischen Abläufe der HGÜ vor. Eine Bündelung der Stromtrasse an der Autobahn A 93 sei technisch gar nicht möglich, meinte er. Schmidt zeigte auch, welche massiven Auswirkungen der Trassenverlauf für Natur und Heimat mit sich bringen wird.

Ungewöhnliches Modell

Schmidt berichtete auch vom sehr ungewöhnlichen Finanzierungsmodell. Die am Bau der Trasse beteiligten Gesellschaften, dies seien die großen Energiekonzerne und die niederländische Tennet, würden für ihr eingesetztes Kapital eine garantierte Verzinsung von 9 Prozent erhalten, obwohl derzeit eine Nullzinsphase herrsche, erklärte der Erbendorfer. Der Stromkunde solle bei diesem großen Projekt wieder einmal die Kassen der Großkonzerne füllen. Schmidt betonte, dass große Zweifel an der Notwendigkeit der HGÜ-Trasse bestünden. Wenn im Jahr 2022 die Atomkraftwerke abgeschaltet würden, sei die Trasse noch nicht gebaut. Sie könne deshalb auch nicht die entstehende Stromlücke schließen.

Nicht zukunftsträchtig

Nach der derzeitigen Planung beginne die HGÜ-Trasse im ostdeutschen Braunkohlerevier bei Wolmirstedt. Der Transport von Braunkohlestrom könne aber keine zukunftsträchtige Energieversorgung darstellen, da die Bundesrepublik auch aus der Kohleverstromung aussteigen werde. Der in Norddeutschland erzeugte Windstrom werde nach dem Ausstieg aus Kernkraft und Kohletechnologie vor Ort gebraucht, um die Energieversorgung sicherzustellen, so der Referent.

Auch der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger habe ernste und nachvollziehbare Zweifel an der Notwendigkeit der Trasse. Dezentrale Energieerzeugung vor Ort und die Ergänzung durch moderne Gaskraftwerke halte der Minister aus Reihen der Freien Wähler für die zukunftsgerichtete Alternative.

Die Kreisräte zeigten sich nach einer Pressemitteilung der Gruppierung von den umfangreichen Darstellungen sehr beeindruckt und berichteten davon, dass der Landkreis Tirschenreuth im Verbund mit den anderen vom Trassenverlauf betroffenen ostbayerischen Landkreisen alles versucht werden müsse, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu gestalten.

Für die Freien Wähler muss erst die unbedingte Notwendigkeit der Trasse zweifelsfrei geklärt werden. Wenn es effizientere, wirtschaftlichere und naturschonendere Möglichkeiten für eine sichere Energieversorgung gebe, so müssten diese den Vorzug erhalten. Die Kreistagsfraktion stärkt Wirtschaftsminister Aiwanger ausdrücklich den Rücken und fordert alle Mandatsträger in der Region auf, sich für die ernsthafte Prüfung von Alternativen einzusetzen.

Erst später verhandeln

Erst wenn sich ergebe, dass die geplante HGÜ-Trasse unbedingt notwendig sei, um die Stromversorgung von Wirtschaft und Bevölkerung zu sichern, könne über einen möglichen Bau von Stromtrassen und deren endgültigen Trassenverlauf verhandelt werden, erklären die Freien Wähler des Landkreises.

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