06.07.2020 - 13:29 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Freie Wähler im Landkreis Tirschenreuth fordern: Stärker um junge Ärzte werben

Die ärztliche Versorgung ist eines der großen Probleme der Region, die gelöst werden müssen. Es gibt zwar gute Ansatzpunkte dafür, aber die reichen nach Ansicht der Freie Wähler im Landkreis nicht aus.

Dr. Peter Deinlein plädiert auch für eine Weiterführung der geriatrischen Rehabilitation in Erbendorf.
von Externer BeitragProfil

Die Krankenhäuser als Pflichtaufgabe und wichtiger Kern der kommunalen Daseinsversorgung sowie die ärztliche Versorgung im Landkreis standen im Mittelpunkt einer Zusammenkunft der Kreistagsmitglieder der Freien Wähler. Mit dem Kemnather Dr. Peter Deinlein stand den Kommunalpolitikern ein kompetenter Partner Rede und Antwort. Der Kemnather Facharzt für Allgemeinmedizin ist neben seiner Praxistätigkeit im Bayerischen Hausärzteverband und bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern aktiv.

Bedenklicher Altersschnitt

Dr. Deinlein berichtete zunächst von der ambulanten Versorgungssituation mit niedergelassenen Fachärzten im Landkreis Tirschenreuth. "Derzeit sind wir noch ganz gut mit Ärzten versorgt, aber der Altersschnitt ist relativ hoch und es wollen zu wenig junge Ärzte aufs Land. Teilweise gibt es bereits eine Unterversorgung, die nur durch eine erhöhte Mobilität der Patienten ausgeglichen wird", so der Mediziner.

In Zukunft müssten Konzepte und Strukturen gefunden werden, die den Arztberuf auf dem Land attraktiver machen und die medizinische Versorgung auf hohem Niveau sicherten, so die Freien Wähler in einer Pressemitteilung. Richtige Schritte seien dabei der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Uni Regensburg, die Landarztquote im Studium und Stipendien für Medizinstudenten, die sich auf dem Land niederlassen wollen. Auch die finanzielle Förderung von Praxisgründungen stelle einen wichtigen Baustein dar.

"Wir müssen im Landkreis Tirschenreuth auch aktiv um junge Ärzte werben und ihnen die hohe Lebensqualität unserer Region darstellen", fordern die Freien Wähler. Das Rückkehrer-Management solle ganz gezielt auf junge Ärzte, die aus dem Landkreis stammen, zugehen und sie zur Rückkehr in die Heimat ermuntern. Mit Praxisräumen und medizinischer Infrastruktur könnten auch die Kommunen ihre Attraktivität für junge, niederlassungswillige Ärzte steigern, so die Meinung der Freien Wähler. Dr. Deinlein ergänzte, dass auch die Weiterbildungsangebote für junge Ärzte sowie für medizinische Fachangestellte auf dem Land fachlich, organisatorisch und finanziell deutlich verbessert werden müssten. Die Intensivierung der Zusammenarbeit im bestehenden Weiterbildungsverbund der Praxisärzte und der "Kliniken Nordoberpfalz AG" sei hierfür wichtig. Die in der Region Nordoberpfalz installierte "Gesundheitsregion plus" könne ein wichtiger Partner sein.

Auch die Organisationsstrukturen in den Arztpraxen müssten sich verändern. Praxisgemeinschaften, Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ), in denen Ärzte verschiedener Fachrichtungen praktizieren, könnten die Situation verbessern. Dr. Deinlein wies allerdings darauf hin, dass aus seiner Sicht nur Ärzte als Gesellschafter eines MVZ denkbar seien. Kapitalinvestoren mit Renditeabsichten lehnt er in der ambulanten, medizinischen Versorgung ab. Angestellte Ärzte sollten nach einer bestimmten Zeit die Möglichkeit haben, Gesellschafter zu werden.

Risiko verringern

Mit neuen Strukturen verringerten sich für die Mediziner das finanzielle Risiko der Praxisgründung und die Belastung durch Buchhaltung und Verwaltung. Auch flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit seien möglich. Gerade viele junge Ärzte würden diese Entlastung von organisatorischen Aufgaben schätzen, biete sie doch die Möglichkeiten, die Anforderungen aus Familie, Leben und Beruf in Einklang zu bringen. Wichtig für den Arztberuf seien aber immer individuelles Engagement, medizinischer Ethos und das Mitgefühl mit den Patienten, stellte Dr. Deinlein klar und kritisierte, dass im Gesundheitswesen heute viel zu oft die wirtschaftlichen Überlegungen im Vordergrund stünden.

Qualität wichtig

Für die Qualität der medizinischen Versorgung in der Region seien neben den Arztpraxen vor allem leistungsfähige Krankenhäuser unbedingt notwendig. Gerade die Corona-Pandemie der vergangenen Wochen habe gezeigt, dass der rein wirtschaftliche Denkansatz, der den Kliniken aufgezwungen werde, nicht nachhaltig sei. Die Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass in einem Flächenland wie Bayern 50 bis 70 große Kliniken für eine effektive Gesundheitsversorgung ausreichend seien, sei mittlerweile deutlich widerlegt. "Wir wollen unsere 'Kliniken Nordoberpfalz AG' in kommunaler Trägerschaft erhalten", erklären die FW-Kreistagsmitglieder.

Verbesserung der Kommunikation

Dr. Deinlein unterstützte diese Absicht und plädierte für die Erhaltung der wohnortnahen Grundversorgung in den Krankenhäusern Tirschenreuth und Kemnath. Er befürwortete auch die Weiterführung der geriatrischen Rehabilitation in Erbendorf und wünschte sich - auch zum Wohl der Patienten - eine deutliche Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und Praxisärzten.

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