26.12.2019 - 11:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Freispruch für Security-Mitarbeiter

Ein gebrochenes Handgelenk, Prellungen, Blutergüsse: Das war das Ergebnis eines Discobesuchs zweier Männer im Landkreis Tirschenreuth. Was aber genau in der Nacht im Dezember 2018 wirklich passiert ist, lässt sich nicht mehr ermitteln.

Symbolbild
von Martin Maier Kontakt Profil

Wegen der Tat mussten sich zwei Security-Mitarbeiter vor Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß verantworten. Der Vorwurf lautete auf vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung. Allerdings gingen die Aussagen der Angeklagten, der zwei Geschädigten und einer weiteren Zeugin sehr weit auseinander. Alle wohnen im Landkreis Tirschenreuth. Schließlich sprach Weiß nach fast zwei Stunden Verhandlung die Security-Mitarbeiter (28 und 29 Jahre) frei.

Die beiden waren wegen eines Vorfalls vor einer Disco angeklagt. Dem 29-Jährigen wurde vorgeworfen, einen 26-Jährigen auf den Boden gestoßen, sich auf ihn gekniet und dann gewürgt zu haben. Der Geschädigte habe Prellungen und blaue Flecken erlitten. Danach habe der Angeklagte einen 23-Jährigen verletzt, indem er diesen zu Boden geworfen und mit der Faust auf ihn eingeschlagen habe. Gleichzeitig habe der 28-jährige Security-Mitarbeiter mehrmals mit dem Fuß auf den Oberkörper des 23-Jährigen eingetreten. Der Geschädigte habe eine Fraktur des Handgelenks, Prellungen und Blutergüsse davon getragen.

"Helfend eingegriffen"

Der 29-jährige Staplerfahrer schilderte den Ablauf ganz anders. Er stellte klar, dass er an diesem Abend privat vor Ort und erst zu dem Vorfall dazugekommen war. "Ich habe gesehen, wie meine ehemalige Kollegin geschubst und geschlagen wurde." Er habe danach helfend eingegriffen. "Das hat sich dann alles sehr schnell beruhigt", erklärte der 29-Jährige.

Der 28-jährige Security-Mann sprach von einer kleinen Rangelei im Raucherbereich. Vorher hätten die Geschädigten und ihre Begleiter offenbar Flaschen in der Disco auf den Boden geschmissen. Danach seien der 23- und 26-Jährige sowie deren Begleiter aus dem Gebäude verwiesen worden. Bei der Auseinandersetzung vor der Tür sei er nicht dabei gewesen, habe sie aber mitbekommen.

Der 23-jährige Geschädigte hatte sich in der besagten Nacht das Handgelenk gebrochen. Nach einem Zoiglbesuch sei er damals mit Bekannten in die Disco. Er hätte insgesamt rund fünf Bier während des ganzen Abends getrunken. "Mehr waren es nicht." Nach der Auseinandersetzung sei er ins Krankenhaus. Die Anwälte Tobias Fritz und Philipp Pruy hielten dem 23-Jährigen einige Ungereimtheiten zwischen dessen Aussage vor Gericht und der Polizei vor. Die Juristen konnten nicht nachvollziehen, warum der junge Mann nicht sofort die Polizei gerufen, sondern erst am nächsten Tag Anzeige erstattet hatte.

"Ich war an dem Tag angetrunken. Nicht total zu. Ein wenig was weiß ich schon noch", sagte der 26-jährige Geschädigte. Die Security sei grundlos auf ihn losgegangen. Letztendlich unterschieden sich seine Aussagen vor Gericht und bei der Polizei an einigen Punkten. "Das haben Sie heute ganz anders erzählt", stellt Richter Weiß fest. Der 26-Jährige verwies immer wieder darauf, dass die Tat schon vor einem Jahr war und er sich nicht mehr genau erinnern könne.

Aussagen nicht stimmig

Eine weitere Zeugin, die an dem Abend dabei war, brachte auch keine weiteren Erkenntnisse. Schließlich verkündete der Richter nach einem Rechtsgespräch, dass man sich auf eine Einstellung des Verfahrens geeinigt hatte. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Die Angeklagten müssen ihre notwendigen Auslagen selbst begleichen.

"Nach dem bisherigen Ergebnis der Beweisaufnahme kann zumindest nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Provokationen durch die wahrscheinlich stark alkoholisierten Geschädigten gekommen ist. Auch waren die Aussagen der Geschädigten zumindestens in Teilen nicht stimmig. Deshalb erscheint ein eventuelles Verschulden der Angeklagten gering", begründete Weiß seine Entscheidung.

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