13.06.2019 - 12:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mein Freund Bata Illic

Seit ihrer Jugend verbindet den Schlagerstar Bata Illic und den Künstler Tom Brankovic eine tiefe Freundschaft. In den 60er Jahren machten sie im angesagten "Kasina Club" im Zentrum von Belgrad gemeinsam Musik.

von Ulla Britta BaumerProfil

Als in den 60er Jahren die Beatles weltweit die Musikszene revolutionierten und die Jugend für Freiheit und Frieden auf die Straßen ging, beeinflusste das auch zwei junge Männer aus Belgrad, die wenig später nach Deutschland auswanderten. Heute sind der Schlagersänger Bata Illic aus München und der Maler Tom Brankovic aus Schönkirch beide über 70 Jahre alt und leben seit Jahrzehnten in Bayern. Wenn sie sich auch manchmal aus den Augen verloren haben, sind sie beste Freunde geblieben. Tom Brankovic konnte seinen Freund, den Schlagerstar, ein zweites Mal überreden, beim "cooltour"-Sommer auf der Seebühne im Fischhofpark aufzutreten.

Erste Ausstellung mit 14

Im Exklusiv-Gespräch mit Oberpfalz-Medien sprechen Illic (79) und Brankovic (72) über ihre Jugend und Freundschaft. Die beiden Männer erzählen vom sozialistischen Jugoslawien, wo die Leute vielen Regeln unterworfen waren und keine Freiheiten genießen konnten. "Aber wir hatten dennoch eine sehr, sehr schöne Jugend", erzählt Brankovic. "Es war eine großartige Zeit", schwärmt Illic, der damals Jazz-Musiker war, beim Blättern im Fotoalbum. Brankovic zeigt ihm ein Foto, wo er als 14-Jähriger die erste große Ausstellung in Belgrad hatte. Aber es gibt auch Fotos vom Künstler als Folkloremusiker, was kaum jemand weiß. Er sang Balladen und beherrschte sechs Instrumente.

Regelmäßig trafen sich Illic und Brankovic im angesagten "Kasina Club" im Zentrum von Belgrad, wo sie vor der High Society des damaligen Jugoslawiens auftraten. "Nachts machte ich Musik und morgens ging ich zur Arbeit. Viel Schlaf bekam ich nicht ab", berichtet Brankovic. Auf Drängen des Vaters musste er auch einen soliden Beruf als Maschinenbauingenieur lernen.

Der Schlagersänger hingegen verliert seinen Vater früh. Der heute 79-Jährige erzählt seine tragische Geschichte, weswegen er ein vehementer Kriegsgegner sei: 1945 sei das Schulhaus neben dem Elternhaus Kaserne für deutsche Soldaten geworden. "Meine Tante war bei uns und wir sind mit ihr rausgegangen. Sie vergaß etwas und mein Vater ging zurück, um es zu holen. Da bombardierten die Russen die Kaserne, trafen aber unser Haus." Als der Vater vor seinen Augen starb, sei er erst drei Jahre alt gewesen.

Kein Interesse an Groupies

Auf die Frage nach den weiblichen Fans schauen sich die Stars der Belgrader Bohème schmunzelnd an. Es seien immer Mädchen da gewesen, sagen sie. Aber die Musik sei im Vordergrund gestanden. "Ich hatte ja mein Mädchen schon", erzählt Illic von seiner Frau Olga, die er vor 56 Jahren geheiratet hat. Sie war es, die seine Sänger-Karriere maßgeblich beeinflusste. "Sie hat mich gehört und mir geraten, eine Stimmausbildung zu machen. Das habe ich getan."

Während der jüngere Tom Brankovic auf Festivals regelmäßig Preise einheimste und auch in Rumänien Musik machte, wartete auf Bata Illic bereits das Abenteuer "Deutschland". Amerikanische Soldaten fanden den jugoslawischen Jazzer großartig und luden ihn nach München ein. Der Weg dorthin, erinnert er sich, sei ihm nicht leicht gemacht worden. "Ich habe das Militär abgelehnt. Deshalb wollte man mich nicht aus dem Land lassen." Seinen Entschluss auszuwandern, habe er nie bereut. "Heute weiß ich mehr über Deutschland als über Serbien", resümiert Illic. Auch Brankovic habe der Zoll beim Überschreiten der Grenze gleich "bluten" lassen. "Ich hatte einige Gemälde dabei. Die Beamten glaubten mir nicht, dass es meine sind und ließen mich dafür zahlen."

Mittellos, aber glücklich

Mit 20 Mark in der Tasche schaffte es Bata Illic vor über 50 Jahren dennoch nach Deutschland. "Die 20 Mark hat mir der Zoll abgenommen", erinnert er sich. Mittellos und ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können kam er in München an. "Das war der Moment, in dem ich dachte, hier will ich bleiben." Für 30 Mark ein Zimmer, für 50 Pfennig ein Essen: So begann die Karriere des Schlagersängers. Eine Agentur entdeckte ihn, wenig später stand 1972 sein Lied "Michaela" mehrere Wochen lang als Nummer 1 auf der Hitparaden-Rangliste.

Währenddessen feierte Tom Brankovic in Belgrad den Höhepunkt seiner Musikkarriere mit mehrtägigen Aufnahmen bei "Radio Belgrad", wo er auch eine Weile im Radio-Orchester mitwirkte. Der heute 72-jährige Schönkircher, der in den 70ern zuerst nach Waldkirch umsiedelte, bedauert es sehr, dass diese Aufnahmen verloren sind. "Ich glaube nicht, dass sie noch existieren", sagt er und erzählt, der Radiosender sei im Jugoslawischen Krieg ausgebombt worden. Die Musik hat Brankovic an den Nagel gehängt. Als Ikonenmaler ist er in der alten Heimat weiterhin bekannt. Unter anderem ist in einem kroatischen Kloster sein Zyklus der Bibelgeschichte als Dauerausstellung zu sehen. In Serbien hat der 72-Jährige noch Verwandte, die er ab und an besucht.

Zwei Stunden schwelgen die Jugendfreunde in Erinnerungen, dann muss Illic zu einem Konzert nach Fulda. Beim Abschied klopfen sich die Freunde auf die Schultern und freuen sich, dass die Trennung diesmal kurz ist.

Termin:

Bata Illic tritt am Samstag, 15. Juni, um 20 Uhr beim „cooltour“-Sommer im Fischhofpark auf. Beim Open-Air auf der Seebühne wird er auch seine neue CD vorstellen. Natürlich dürfen sich die Fans wieder auf die Hits aus den 70er Jahren freuen und kräftig mitsingen. Der Eintritt zum Konzert ist frei.

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