10.08.2018 - 16:31 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Für jeden Mann das richtige Hemd"

Kleider machen Leute. Zur guten Herrenausstattung gehören feine Hemden und die macht „Hatico“ in Tirschenreuth an der Falkenberger Straße.

Modeschneiderin Carolin Fritsch in ihrem Reich.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

(tr) Seit 1947 existiert die Traditionsfirma. Nun hat die dritte Generation mit Stephanie Supguth und Joseph Reiter die Geschäftsleitung übernommen. Ihr Ziel: "Wir wollen uns im Einzelhandel im In- und Ausland deutlich stärker positionieren." Im Dezember 1947 gründeten Hans Tischler und sein Schwiegersohn Hans Reiter nach ihrer Vertreibung aus dem Sudetenland in Tirschenreuth die Wäschefabrik Hans Tischler & Co (Hatico).

Mit vier Nähmaschinen und sieben Mitarbeitern starteten sie in einer Baracke der Baufirma Brunner im Büttelloch. Den Anstoß dazu gab Hans Tischler, der bereits 1920, nach vier Jahren sibirischer Kriegsgefangenschaft im ersten Weltkrieg, eine Produktion in Königsberg an der Eger aufgebaut hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1942 als 49-Jähriger noch einmal zum Dienst mit der Waffe herangezogen. Aus der Gesellschaft "Hatico" in Tirschenreuth schied Hans Tischler 1963 zu seinem 70. Geburtstag aus. Danach leitete Hans Reiter die Firma in alleiniger Verantwortung. 1987 übergab er den Stab an seinen Sohn Harald. Der lenkte die Geschicke des Unternehmens bis Mai 2002.

Alles in Gründerhand

Sein Nachfolger, Hubert Andritzky, der bereits 1985 nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre, bei "Hatico" anfing und sich an die Spitze hocharbeitete, war seit 2002 Geschäftsführer. Im Januar 2017 erhielt er Unterstützung durch Joseph Reiter (36), verantwortlich für Vertrieb und Marketing. Am 1. August 2017 stieß auch dessen Schwester Stephanie Supguth (39) zur Geschäftsführung und ist jetzt für die Bereiche Beschaffung und Entwicklung zuständig.

Seitdem Hubert Andritzky Ende Juni 2018 das Amt als Geschäftsführer bei der "Hatico Mode GmbH" niedergelegt hat, haben mit Reiter und Supguth nun zwei Gründerenkel die Geschäftsführung alleine inne. Hauptgesellschafter sind die Brüder Stefan und Harald Reiter. Weitere Gesellschaftsanteile halten dessen Kinder Anne und Joseph Reiter sowie Stephanie Supguth. Damit sind seit Juli 2018 sowohl Führung als auch Eigentum der "Hatico Mode GmbH" wieder zu 100 Prozent in der Hand der Gründerfamilie. Joseph Reiter ist nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre, Mathematik und Statistik zuerst in die Versicherungsbranche eingestiegen. 2014 wechselte er zu "Hatico" in den Vertrieb.

Stephanie Supguth hat Textildesign und Textilmanagement studiert und anschließend 2005 als Designerin bei "Key West" begonnen, einer eigenständigen GmbH unter Führung ihres Onkels Stefan A. Reiter. 2007 hat sie mit Stefan Reiter das Label "Q1" ins Leben gerufen. Bei der "Q1 Manufaktur GmbH" arbeitete sie bis Ende 2010, bevor sie ins Produktmanagement der "Hatico Mode GmbH" wechselte.

Mehr als 70 Jahre nach Firmengründung habe sich "Hatico" als einer der führenden deutschen Hemdenhersteller profiliert, erklärt die neue Geschäftsleitung. Habe sich die Firma in den ersten Jahrzehnten vor allem im Bereich der sportiven Hemden und der klassischen Cityhemden einen guten Namen gemacht, liege heute der Schwerpunkt auf der topmodischen "Pure"-Kollektion. "Hatico beliefert den deutschen und internationalen Markt mit qualitativ hochwertiger Hemdenmode im mittleren bis gehobenen Preisbereich", sagt Stephanie Supguth. Die Kunden seien vorwiegend Facheinzelhändler.

Um den modischen Anspruch der Produkte bereits im Firmennamen zu dokumentieren, sei 2003 die Umbenennung in "Hatico Mode GmbH" erfolgt. 80 Mitarbeiter in Tirschenreuth produzieren zusammen mit den Lohnfertigungen im Ausland jedes Jahr knapp eine Million Hemden. "Die ausländischen Produktionsstätten in Bulgarien, Mazedonien und Fernost betreuen wir intensiv von der Zentrale in Tirschenreuth aus", sagt Supguth. "Wir liefern hochwertige europäische Stoffe, sämtliche Zutaten und die Schnitte. Um die geforderte Qualität zu gewährleisten, entstehen die Hemden unter Aufsicht eigener Techniker."

Noch viel Handarbeit

Für ein Oberhemd seien etwa 60 Arbeitsgänge erforderlich. Trotz maschineller Unterstützung gäbe es in der Hemdendherstellung noch viel Handarbeit. Das verlange von den Näherinnen neben geschickten Händen ein Höchstmaß an Konzentration, Gefühl und Genauigkeit. "Wir haben für jeden Mann das richtige Hemd", sagt Joseph Reiter .

Die Marke "Hatico" biete ihren etwa 1000 deutschen und 600 ausländischen Kunden drei Kollektionslinien an. "Hatico Sport" stehe für das modische, lässige Freizeithemd, "Hatico Essentials" für ein anspruchsvolles, bügelfreies Hemd der Spitzenklasse und "Pure" sei seit 1996 das jüngste, aber inzwischen erfolgreichste Zugpferd von "Hatico". Darüberhinaus habe man sich als bayerischer Hemdenhersteller auch im Segment Tracht einen sehr guten Namen erarbeitet.

Im Herbst 2001 wurde für mehr als zwei Millionen Mark ein neues Logistik-Zentrum gebaut. Dabei entstand ein 2820 Quadratmeter großes Fertigwaren- und Versandlager mit Fördertechnik zum Transport von Liegeware sowie ein Lager- und Logistikzentrum auf zwei Ebenen.

Sämtliche Produkte entstehen im Musteratelier in Tirschenreuth. Dort ist auch die Musternäherei untergebracht, in der an den Prototypen neue Krägen oder Manschetten ausprobiert werden. Drei Näherinnen sind hier beschäftigt. Da vieles über das Lagergeschäft läuft, hält "Hatico" stets um die 100 000 Hemden vor.

Stephanie Supguth und Joseph Reiter sind die neuen Geschäftsführer der Hatico Mode GmbH.

Thomas Wenisch sortiert Hemden ein. Im Lager liegen im Durchschnitt immer 100 000 Stück.

Feinste Stoffe aller Art sind die Grundlage für gute Hemden.

Hatico Mode GmbH mit neuer Geschäftsführung

Knöpfe kommen auch aus der Region, meistens von der Firma Fsrster in Bärnau.

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