22.02.2020 - 00:01 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Für sie zählt nur das Hier und Jetzt

Sie war Jahrzehntelang das Gesicht der FPD im Landkreis, war Stadt- und Kreisrätin, engagiert sich beim Kinderschutzbund und in der Europaunion. Am Samstag feiert Inge Pannrucker 80. Geburtstag und lässt es jetzt etwas ruhiger angehen.

Inge Pannrucker feiert am Samstag ihren 80. Geburtstag
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Statt des üblichen Lebenslaufs, wie er bei Jubiläen üblich ist, will Inge Pannrucker anlässlich ihres 80. Geburtstags „die Sache von hinten aus auffädeln“. Nicht grundsätzlich hat sie etwas dagegen, über die Vergangenheit zu sprechen, aber das Hier und Jetzt erscheint ihr viel wichtiger.

„Reden wir also über den Istzustand“, schlägt die agile Jubilarin vor. Und der sei wirklich gut, beantwortet sie die Frage danach gleich selbst. An diesem Samstag feiert sie mit Verwandten, Vereinsvertretern, Freunden und Politikern im OWV-Heim in Tirschenreuth. Dort hat sie ein großes Sparschwein aufgestellt. Darin sollen Zuschüsse für künftige Reisen landen – statt anderer Geschenke. Vor drei Wochen ist Inge Pannrucker von ihrem jüngsten Urlaub zurückgekehrt. In Norwegen hat sie Polarlichter fotografiert. Ein besonders schönes Foto davon ziert die Einladungskarte zur Geburtstagsfeier. Reisen sei schon immer ihr Ding gewesen, sagt Pannrucker. „Und ich habe auch noch einige ,Bonbon-Ziele‘, die es gilt anzusteuern.“ Kommendes Jahr will sie den „Indian Summer“ in Kanada erleben, heuer soll es im Herbst an die Plitvicer Seen in Kroatien gehen.

„Ich habe noch keine körperlichen Gebrechen und bisher kann ich auf ein gutes, glückliches, bewegtes und interessantes Leben schauen“, blickt sie jetzt doch zurück auf ein ereignisreiches bisheriges Dasein. Sie lebe nicht unbedingt asketisch, übertreibe aber auch nicht, was etwa das Essen betrifft. „Ich will 97 werden, weil mein Onkel bei guter Gesundheit und regem Geist 96 geworden ist – das will ich toppen.“

Allerdings müsse sie aber schon gestehen, dass mit der Zeit die Beine langsamer, die Reaktionszeiten länger und das Bedürfnis nach Ruhe größer würde. „Letzteres lasse ich gerne zu, weil ich die Ruhe für mich entdeckt habe. Das liegt an einem Vortrag, den ich bei einem Frauenfrühstück gehört habe. ,Entdecke die Langsamkeit‘ hat mein Leben umgekrempelt – und ich stellte fest, es geht tatsächlich, dass man Treppen langsamer hinunter und natürlich hinauf geht.“ Diese Langsamkeit bringe ihr jetzt neue Lebensqualität, „obwohl ich mich nach wie vor im Unruhestand befinde“.

Immer noch aktiv

So ist sie beim Kinderschutzbund immer noch die Nummer eins und leitet weiterhin die Aktion „Wunschsterne“. Im Kreisverband der Europa-Union ist sie stellvertretende Vorsitzende. Um körperlich fit zu bleiben, besucht sie seit vielen Jahren regelmäßig die Gymnastikangebote der Turngemeinschaft Tirschenreuth. Inge Pannrucker war 12 Jahre lang Bezirksvorsitzende des Turnverbandes Oberpfalz und 16 Jahre lang, bis 2010, Gauvorsitzende. Tennis, Skifahren (Langlauf und Alpin) sowie Wandern sind und waren weitere Arten sportlicher Betätigung. Politisch war Inge Pannrucker das Gesicht der FDP in der Region. Bis 1996 vertrat sie 16 Jahre lang die Ansichten der Freien Demokraten im Stadtrat und bis 2000, ebenfalls 16 Jahre lang, im Kreisrat. Seit 2005 setzt sie ihre ganze Kraft für den Kinderschutzbund ein. Die Tagesstätten „Rappelkiste“ in Tirschenreuth und Mitterteich gehen in der Hauptsache auf sie zurück.

„Im Gegensatz zu früheren Zeiten stehe jetzt die Familie im Mittelpunkt. „Dafür lasse ich schon mal den einen oder anderen offiziellen Termin sausen.“ Da habe sich schon ein gewaltiger Sinneswandel vollzogen. „Heute bin ich begeisterte Oma und es ist mir sogar gelungen, mein Fernweh an meine Enkelinnen Lena und Tina weiterzugeben.“ Von denen werde sie wegen ihrer Fitness auch „Turnschuh-Oma“ genannt.

Ich esse alles gerne, was gut ist und genehmige mir auch gerne mal ein abendliches Bier, das ich mit Genuss trinke. Das habe ich wahrscheinlich vom Urgroßvater, der Bierbrauer war.“

Geboren wurde Inge Pannrucker am 22. Februar 1940 in Prag. Nach der Flucht landete die Familie 1945 in Plattling. Nach dem Abitur an der Oberrealschule in Deggendorf studierte sie in Regensburg Lehramt. Nach der Heirat kam sie 1965 nach Altglashütte. Ihr Sohn Ralph lebt heute bei Nittenau, Tochter Ursula in München. Seit 1974 lebt Pannrucker in der Kreisstadt. „Tirschenreuth hat mir von Anfang an gefallen“, betont die Jubilarin, die bis zur Pensionierung 2005 an den Grundschulen Flossenbürg, Schönkirch und Tirschenreuth unterrichtete.

Zufrieden mit und in Tirschenreuth

„Ich habe große Freude, wenn ich mich mit ehemaligen Schülern unterhalte und merke, dass sie gestandene Menschen geworden sind. Ich gehe immer noch mit kommunalpolitischem Blick durch Tirschenreuth und andere Städte im Landkreis. Was Tirschenreuth betrifft bin ich recht zufrieden mit dem, was in den vergangenen Jahren passiert ist.“ Ihr größter Geburtstagswunsch? Noch 17 gute Jahre – sie wissen schon, wegen meinem Onkel“, meint sie schmunzelnd.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.