02.08.2019 - 13:55 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Fußballer helfen Familie

Am 7. Juli 2018 endete das alte Leben von Steve Bauer. Seine schwangere Frau fiel ins Koma und wachte nicht wieder auf. Lias, per Notkaiserschnitt geboren, hat die Mutter nie kennengelernt. Doch die Familie hält zusammen und bekommt Hilfe.

Steve Bauer (hinten) mit seinen drei Kindern Lukas, Lias und Lina (von links) kann sich auf seine Schwiegereltern Anita und Klaus Bauer verlassen. Gemeinsam will die Familie die Zukunft meistern.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Lias ist inzwischen ein aufgeweckter einjähriger Junge. Seine Schwester Lina ist zweieinhalb, Bruder Lukas elf Jahre alt. Um alle drei kümmert sich der Vater, unterstützt von den Schwiegereltern. Seine Elternzeit endet im Februar 2020. Dann muss der Schlosser wieder arbeiten, um das Familieneinkommen zu sichern.

Bei drei kleinen Kindern ist auch finanzielle Unterstützung gefragt. Und hier kommt der FSV Tirschenreuth ins Spiel. Papa Steve ist dort Mitglied, Lukas hat mal im Verein gekickt. „Unser Spielleiter Jürgen Rieger kam eines Tages und meinte, dieser Familie müsste man helfen“, berichtet FSV-Vorsitzender Herbert Sladky.

Reinerlös für Familie

Schnell war die Idee zu einem Benefizspiel gegen den Landesligisten SV Mitterteich geboren. Und damit das Zuschauerinteresse noch größer ausfällt, wurden die beiden anderen Tirschenreuther Fußballvereine mit ins Boot geholt. Sowohl der FC als auch der ATSV erklärten sich sofort bereit, für die gute Sache anzutreten.

Und so stehen sich am Mittwoch, 14. August, um 18.30 Uhr auf dem FSV-Sportplatz eine Stadtauswahl und der SV Mitterteich gegenüber. Die Fußballer schieben den besonderen Einsatz zwischen zwei regulären Spieltagen am Abend vor dem Feiertag Mariä Himmelfahrt gerne ein. Der Reinerlös kommt der Familie Bauer zugute. Auch ein Vertreter des bayerischen Fußballverbandes hat sich angekündigt, um eine Spende aus dem Sozialfonds zu überreichen. „Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen soll“, ist Steve Bauer immer noch geplättet von dem Angebot, ein Benefizspiel zu veranstalten.

Zwölf Monate nach den dramatischen Ereignissen – der Todestag seiner Frau Daniela hat sich gerade zum ersten Mal gejährt – sitzt der 34-jährige Vater mit drei Kindern und seinen Schwiegereltern im Wohnzimmer und erinnert sich. Nach Tirschenreuth verschlug es den Schlosser aus dem Erzgebirgskreis durch die Arbeit. Einem Kurzeinsatz bei Schott in Mitterteich folgte eine dauerhafte Anstellung bei Hamm. Seine spätere Frau Daniela, wie er mit Nachnamen Bauer, lernte er in einem Wirtshaus kennen. Der Hochzeit 2007 folgte bald Sohn Nummer eins, 2018 die Tochter. Fünf Wochen vor dem Geburtstermin von Sohn Lias dann die Katastrophe aus heiterem Himmel: Daniela Bauer, 32 Jahre jung, erlitt eine Gehirnblutung und fiel ins Koma.

„Ich war an dem Tag unterwegs nach Sachsen, um meine Oma im Krankenhaus zu besuchen“, schildert Steve Bauer. An einem Rastplatz rief er zu Hause an. Weil seine Frau nicht ans Telefon ging, hatte er ein komisches Gefühl und bat einen Onkel, der in Tirschenreuth wohnt, nachzusehen. Der fand die hochschwangere Frau bewusstlos im Bett. Die Einlieferung ins Klinikum Weiden folgte prompt. Die Mediziner verloren keine Zeit, holten den kleinen Lias auf die Welt und gingen daran, das Leben der Mutter zu retten. Daniela wurde nach Regensburg geflogen. Doch alle ärztliche Kunst half nichts. Das Aneurysma im Gehirn platzte, bevor eine Operation möglich war. Steve Bauer stand mit einem Fünftklässler, einem Kleinkind und einem Baby alleine da.

Nur noch funktioniert

„Das waren drei Wochen Hölle“, sagt der Vater über die Zeit, als seine Frau im Krankenhaus lag. „Da hast du nur noch funktioniert.“ Dankbar ist er vor allem seinen Schwiegereltern, die sich vor und besonders nach dem Tod ihrer Tochter um die Enkel kümmerten. „Irgendwie haben wir es geschafft“, sagt Anita Bauer ein Jahr nach dem Schicksalsschlag. Gemeinsam mit ihrem Mann Klaus hilft sie der Familie, so viel es geht. Nach der Elternzeit von Steve Bauer möchte sie sich am Nachmittag um die beiden Jüngsten kümmern, nachdem sie ihre Arbeit als Reinigungskraft in einem Seniorenheim erledigt hat.

„Das geht schon irgendwie“, sagt die Mutter von Daniela Bauer. Lina ist seit fast einem Jahr vormittags im Katholischen Kindergarten – Stadtpfarrer Georg Flierl hatte der Familie nach dem tragischen Ereignis einen Platz reserviert. Ab November soll auch Lias folgen. Sein älterer Bruder ist in der Mittelschule bis zum Nachmittag versorgt. Und so hofft Steve Bauer, dass er ab Februar wieder in einem passenden zeitlichen Rahmen seinem Beruf nachgehen kann, um genug Geld zu verdienen.

Hintergrund:

Tickets und Trikot bei Tombola

Dass die ganze Familie beim Benefizspiel am 14. August am Spielfeldrand auftauchen wird, ist Ehrensache. Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier und sein Tirschenreuther Kollege Franz Stahl wollen den Anstoß ausführen. Als Schiedsrichter stellt sich Siegfried Tabbert zur Verfügung, der Vorsitzende des Fußballkreises Tirschenreuth-Hof-Wunsiedel. Es gibt für die Zuschauer reichlich Gegrilltes und Getränke, außerdem eine Tombola.

Herbert Sladky verspricht Eintrittskarten für Spiele von Jahn Regensburg und dem FC Bayern München sowie ein Trikot mit der Unterschrift von Stürmer Kingsley Coman. "Mehr als das Spielergebnis steht der Erlös im Vordergrund", betont er FSV-Vorsitzende. Der Eintritt ist frei, eine Spendenbox wird jedoch nicht zu übersehen sein.

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