16.07.2019 - 19:01 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

In den Gärten im Landkreis Tirschenreuth sterben die Vögel

Tote Vögel in Kleingärten sind nichts Ungewöhnliches. Was die Vogelfreunde aber entsetzt: Viele der gefiederten Freunde, die leblos gefunden werden, sind verhungert.

Tragische Augenblicke in der veremintlichen Kleingartenidylle:ein toter Vogel auf dem Pflaster.
von Ulla Britta BaumerProfil

Viele Tierfreunde sehen im Vogelsterben einen direkten Zusammenhang zum Insektensterben. Sie würden "Amsel, Drossel, Fink und Star" gerne helfen. Die Kreisgruppe Tirschenreuth des Landesbundes für Vogelschutz hat hier durchaus ein paar Tipps.

Einfach unvernünftig

Bei Zweitem Vorsitzenden Konrad Zier, Erwin Möhrlein und Susanne Pätz vom LBV sowie Dieter Brandl von der gleichnamigen Zoohandlung in Tirschenreuth schrillen die Alarmglocken. "Das Vogelsterben bleibt auch die nächsten Jahre ein großes Thema", sagt Erwin Möhrlein. Viele Leute handelten unvernünftig und gedankenlos, fügt Dieter Brandl an. Und das betreffe nicht nur die Auswahl der Pflanzen oder die ständige Mahd. Brandl erzählt von einem Gartenbesitzer, der zwar wisse, dass er seine Hecken in Brutzeiten in Ruhe lassen müsse. "Da sagt der zu mir, aber einen Formschnitt darf ich doch machen. Und dann bringt mir der einen toten Vogel, dem er den Kopf abgeschnitten hat."

Die LBV-Mitglieder können da nur den Kopf schütteln. Es sei erwiesen, dass inzwischen auch Allerweltsvögel selten geworden seien. Möhrlein nennt als Beispiel das Braunkelchen. "Jetzt ist es im Landkreis verschwunden." Wiesenpiper, Birkhuhn, Goldammer, Rebhuhn: Alle seien weg. "Und der nächste, der verschwindet, ist der Spatz", zeichnet Möhrlein eine düstere Zukunft unserer Gartenvögel. Vom Kiebitz, sagt er, seien nur noch drei Pärchen im Landkreis bekannt. Rauch- und Mehlschwalben hätten keine Brutplätze mehr, auch wegen dem modernen Stallbau. "Und die Bauern kriegen Auflagen wegen der Hygiene. Sie müssen die Nester aus den Ställen entfernen", weiß Konrad Zier.

Es gibt neben der fehlenden Nahrung noch viele andere Gründe für den Vogelschwund: fehlendes Brachland, keine Feuchtwiesen mehr, viel zu offene Fluren. Den Schwalben setze zudem die Trockenheit zu. Sie brauchen Wasserpfützen für den Nestbau. Nur die Bestände der Waldvögel seien relativ stabil, hat Möhrlein wenigstens eine positive Meldung.

Die Vertreter des LBV loben die Aktivitäten von Organisationen, Kommunen und Privatleuten. Viele würden sich bemühen und extra Wiesen anlegen. Aber auch der provate Gartenbesitzer könne viel tun. Susanne Pätz bringt es auf den Punkt: "Die Gärtner müssen schlampiger werden. Einfach was stehen lassen", rät sie zur Wildnis im grünen Wohnzimmer. Inseln oder Streifen aus Altgras seien ungemein hilfreich, weil sie den Insekten Lebensraum bieten würden. Keinen Nutzen hätten die auf dem Markt erhältlichen "Blumenwiesen-Samen". "Da sind oft nur artfremde Pflanzensamen drin, die nicht in unsere Region passen." Hingegen böten Brennnesseln am Zaun eine perfekte Nahrungsgrundlage für Schmetterlinge.

Vögel weiter füttern

Unbedingt raten die Vogelschützer dazu, die Vögel im Sommer mit normalem Vogelfutter weiter zu füttern. "So bleiben sie kräftig und müssen nicht auch noch für sich selbst Insekten suchen." Man müsse aber darauf achten, die Futterstellen sehr sauber zu halten wegen Salmonellengefahr. Das gelte auch bei Vogeltränken. Über täglich frisches Wasser seien die Vögel ebenfalls sehr dankbar. "Lassen Sie Obst, das sie nicht brauchen, an den Bäumen und Sträuchern", hat Susanne Pätz einen weiteren Ratschlag. Auf keinen Fall solle man Jungvögel, die in der Wiese sitzen, dort wegholen. "Die Eltern kümmern sich schon", erklären die Fachleute. Erst, wenn sich nach Stunden nichts tut, könne man das Vogelbaby in einen Strauch setzen oder auf einen Ast, wo es mehr Schutz habe. "Jungvögel kann man sehr schlecht aufpäppeln ohne Erfahrung", sagt Brandl.

Ganz, ganz wichtig: Kleingärtner sollten keine chemische Keule einsetzen. Wer Vögeln helfen wolle, müsse zwangsläufig auf Pflanzenschutzmittel, künstliche Dünger und weitere Chemie fürs grüne Wohnzimmer verzichten.

Jan Brandl, Konrad Zier, Dieter Brandl,Erwin Möhrlein und Susanne Pätz (von links) zeigen in Brandls Garten, wie's geht: Einfach den Garten ein wenig schlampiger lassen! Das hohe Altgras, Brennnesseln und verwilderte Ecken im Garten geben Vögeln und Insekten Lebensraum und Nahrung.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.