Tirschenreuth
24.11.2023 - 19:08 Uhr
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Geburtsstation und Chirurgie am Krankenhaus Tirschenreuth schließen

Das neue Standortkonzept der Klinken Nordoberpfalz AG liegt vor. Harte Einschnitte gibt es im Landkreis Tirschenreuth. Mitarbeiter im Krankenhaus Tirschenreuth werden zum Teil kalt erwischt. Und der Landrat bringt ein Geburtshaus ins Spiel.

Für viele Mitarbeiter der Klinken Nordoberpfalz AG (KNO) und Patienten im Landkreis Tirschenreuth war es ein schwarzer Tag: Das neue Standortkonzept der KNO hat vor allem Auswirkungen auf Tirschenreuth, Erbendorf und Kemnath.

Am Freitagvormittag hatte die Klinken-Spitze alle Mitarbeiter an den einzelnen Standorten über die künftige Struktur informiert, am Nachmittag folgte die Presse. Dort sprach Gesamtbetriebsratsvorsitzender Roland Gleißner von "geschockten Mitarbeitern, speziell in Tirschenreuth". Einige Entscheidungen waren erwartet worden, anderer überraschten die Mitarbeiter

Keine Zukunft für Erbendorf

Kliniken-Vorstand Michael Hoffmann ging auf die Gründe für die Umstrukturierung ein. Die Krankenhäuser in Deutschland seien "massiv unterfinanziert" und noch immer lasse die seit über einem Jahr angekündigte Krankenhausstrukturreform auf sich warten.

Aufsichtsratsvorsitzender Jens Meyer unterstrich das Ziel aller Beteiligten, dass der Klinkverbund weiter in kommunaler Hand bleibt. Um überhaupt überlebensfähig zu bleiben, haben die drei Gesellschafter – die Stadt Weiden sowie die Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth zu je einem Drittel – kürzlich beschlossen, noch einmal über 52 Millionen Euro in den Klinikverbund zu stecken. "Das soll das Signal sein, dass es weitergeht", erklärte Meyer. Allerdings sei auch klar, dass das nun vorgelegte Standortkonzept greifen müsse. Und dieses trifft vor allem den Landkreis Tirschenreuth.

Der Steinwaldklinik in Erbendorf wird geschlossen. Dort befindet sich die geriatrische Rehabilitation mit 80 Betten. Die nächsten Jahre wären laut Hoffmann ein Neubau nötig oder es müssten "horrende Summen" in die Hand genommen werden. Beide Option seien finanziell nicht darstellbar. Die Rede war von rund 20 Millionen Euro. Daher soll die Rehabilitation vermutlich im Jahr 2025 an das Krankenhaus in Tirschenreuth verlagert werden. Dort ist bereits seit mehreren Jahren eine Akutgeriatrie für ältere Patienten eingerichtet. Die Kapazität soll um zehn weitere Plätze aufgestockt werden. Wie das Gebäude in Erbendorf künftig genutzt wird, stehe noch nicht fest.

Sozialplan wird verhandelt

Das Gespräch in Erbendorf sei "relativ leicht" gewesen, da die Schließung dort schon länger bekannt war, wie Gleißner erläuterte. Zudem hätten die rund 110 Mitarbeiter die Möglichkeit, als komplette Teams nach Tirschenreuth zu wechseln und dort die gleiche Arbeit zu machen. "Ich glaube, das hat heute die Gemüter ziemlich beruhigt. Auch würde schon ein Sozialplan verhandelt. Als Beispiel nannte Gleißner Fahrtkostenzuschüsse und Altersteilzeit. "Wir versuchen, es den Mitarbeitern etwas bequemer zu machen."

Große Auswirkungen hat das neue Konzept auf Tirschenreuth. Künftig wird sich dort auf Innere Medizin mit geriatrischem Schwerpunkt konzentriert. Außerdem soll der Großteil der ambulanten Operationen im Klinkverbund in der Kreisstadt erfolgen. Im Gegenzug werden die Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die chirurgische Station aufgelöst. Diese Abteilungen sollen bereits im Frühjahr 2024 an das Haupthaus der Kliniken AG in Weiden verlagert werden. Zudem wird die Notfallaufnahme zwischen 20 und 8 Uhr nicht mehr besetzt sein. Der Standort Tirschenreuth soll für die Neuausrichtung umgebaut werden.

"Dass nun auch die Chirurgie im stationären Bereich wegfällt, hat viele entsetzt", berichtete Gleißner vom Gespräch am Freitagvormittag. Laut Hoffmann sind in diesem Bereich sowie bei der Gynäkologie und Geburtshilfe zwischen 30 und 40 Mitarbeiter betroffen. Falls möglich, wolle man alle mit nach Weiden nehmen.

Möglicher Klinken-Neubau

Am wenigsten sprachen die Verantwortlichen bei der Pressekonferenz vom Standort Kemnath. "Der läuft gut", sagte Hoffmann. Welche Veränderungen dort nötig werden, sei von der Gesundheitsreform auf Bundesebene abhängig. Die Notfallversorgung soll auch dort in der Zeit zwischen 8 und 20 Uhr sichergestellt sein. Was auch klar ist: Am Klinikum Weiden wird es Anpassung bestehender Prozesse und Abläufe geben. Auch die Planung eines Neubaus werde aufgrund der hohen Investitions- und Instandhaltungserfordernissen in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben.

Oberbürgermeister Jens Meyer plädierte für den Standort Weiden. Der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende begründete dies damit, dass der Großteil der Bevölkerung im Bereich der AG dort lebt. "Ich habe meine Verwaltung schon vor Monaten gebeten, geeignete Flächen zu suchen", sagte Meyer.

"Emotionlar Tag"

Tirschenreuths Landrat Roland Grillmeier sprach von einem "sehr emotionalen Tag, da sich das Standortkonzept vor allem auf die Tirschenreuther Häuser auswirkt". Es gehe darum, wie Krankenhäuser im ländlichen Raum überleben können. Die Schließung der Geburtshilfe begründete er auch mit Blick auf die Zahlen. Es sei dieses Jahr überhaupt nicht sicher, ob es überhaupt 300 Geburten in der Kreisstadt gebe. Zum Vergleich: Im Jahr 2019, also dem Jahr vor Corona, waren es 375. Zudem sei es immer schwieriger, Kinder- und Frauenärzte zu finden.

Allerdings werde im Hintergrund noch immer an anderen Lösungen gearbeitet. Es gebe im Gesetz die Möglichkeit, Geburtenhäuser über Hebammen zu betreiben. "Wir sind im Gespräch. Ob uns dies für Tirschenreuth gelingt, weiß ich aber nicht", so Grillmeier. Geburtshäuser sind von Hebammen geleitete ambulante außerklinische Einrichtungen, in denen Schwangere betreut, während der Geburt begleitet und nach Möglichkeit auch durch eine Hebamme des Geburtshauses im Wochenbett versorgt werden. Am Ende hielt der Landrat fest: "Die Gesundheitsversorgung am Land wird künftig anders aussehen."

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