Ist die Gelbe Tonne besser oder der Gelbe Sack? Ist Weißblech wie bisher gut im Container aufgehoben? Welches Sammelsystem für Verkaufsverpackungen angeboten wird, kann jede Gebietskörperschaft selbst bestimmen und die Dualen Systeme mit der Ausschreibung beauftragen. Seit der Einführung der Kunststoffsammlung 1991 gibt es in Landkreis den Gelben Sack. Und das soll auch so bleiben, beschloss der Ausschuss für Abfallwirtschaft, Landwirtschaft, Umwelt und Energie.
Drei Varianten
Jeweils für drei Jahre wird das System festgelegt. Bis Ende 2024 ist die Abholung der Säcke geregelt. Die Einführung einer Gelben Tonne wäre frühestens ab 2025 möglich. Immer wieder gibt es Forderungen, über das Duale System stabile Behälter anzuschaffen, damit das Hantieren mit den reißanfälligen Tüten entfällt. Auch standen den Haushalten wegen Lieferschwierigkeiten in jüngster Vergangenheit nicht immer genügend Gelbe Säcke zur Verfügung. "Erst vergangene Woche hat eine Bürgerin nachgefragt, warum es keine Gelbe Tonne gibt", berichtete Stefanie Bräunlein. Als größten Nachteil sah sie jedoch das begrenzte Volumen der festen Sammelbehälter an. Gelbe Säcke könnten je nach Bedarf beliebig viele vor die Haustür gestellt werden.
Die Fachbereichsleiterin für Abfallwirtschaft stellte drei Szenarien für die nächsten drei Jahre ab 2025 vor. Möglichkeit eins: Alles bleibt, wie es ist. Das bedeutet, die Gelben Säcke werden einmal im Monat vor der Haustür abgeholt, wobei die Wochentage variieren können. Möglichkeit zwei: Alles bleibt, wie es ist, aber ein 13. Abholtermin im Jahr springt durch Umstellung auf exakt vierwöchigen Rhythmus heraus.
Möglichkeit drei: Die Gelbe Tonne kommt. Jeder Haushalt bekäme ein 240-Liter-Gefäß in der Größe einer Papertonne, größere Wohneinheiten Container mit 1100 Litern Fassungsvermögen. Gravierendste Änderung neben dem zusätzlichen Platz, den die neuen Tonnen benötigen: Sie nehmen nicht nur Verpackungen aus Kunststoff auf, sondern auch Weißblechdosen. Die alten Container würden im Gegensatz zu den Altglas-Behältern dann nicht mehr gebraucht.
"Jedes Szenario hat ein Für und Wider", fasste Stefanie Bräunlein zusammen. Beschwerden gebe es immer wieder, weil die Gelben Säcke leicht reißen und der Inhalt in der Gegend verstreut wird. Die Umstellung auf Gelbe Tonnen würde den Landkreis nichts kosten, da die Beschaffung Sache der Dualen Systeme sei. Ein Problem sei jedoch der Platz, den die Behälter brauchen. Außerdem fürchtete die Fachbereichsleiterin eine höhere Fehlwurfquote in den blickdichten Tonnen.
"Flexibler und bürgerfreundlicher"
Das Thema werde seit Jahren heiß diskutiert, wusste Landrat Roland Grillmeier. "Das System der Tonne hat Nachteile. Aus meiner Sicht sind die Gelben Säcke flexibler und bürgerfreundlicher." Marion Höcht (CSU) stimmte zu: "Da packt man nur rein, was reingehört." Auch Fraktionskollege Werner Nickl sah keinen Grund für einen Wechsel. Zwar müsse man vorsichtig mit den Säcken umgehen, aber das System habe sich bewährt.
"Ich hätte daheim gar keinen Platz für eine weitere Tonne", wies Johann Brandl (SPD) auf die beengte Situation in Siedlungsgebieten hin. Die Abholung der Säcke sei in ländlichen Gebieten oft schwierig, meinte Josef Schmidt (Grüne): "Man muss sie ja schon früh rausstellen, da werden sie manchmal von Wildtieren zerlegt oder vom Schneeräumfahrzeug mitgenommen." Im Zweifel sprach er sich jedoch für den Gelben Sack aus, nachdem ein Mischsystem offenbar nicht möglich sei.
Ely Eibisch (Freie Wähler) zog als einzigen Grund für die Gelbe Tonne den Schutz vor Ungeziefer in Betracht. Ein Problem sei eventuell, dass größere Mengen an einem zentralen Sammelpunkt liegenbleiben, wenn einmal eine Tour ausfalle, meinte Werner Nickl. Stefanie Bräunlein antwortete, das sei in der Coronazeit nur in zwei Fällen vorgekommen. Thomas Döhler (SPD) erkundigte sich, ob man im Landkreis verstärkt auch an Recycling von Hartplastik wie Eimern oder Wäschekörben denke. Eine eigene Sammelstelle für diese Sorte sei auf dem Wertstoffhof in Steinmühle aus Platzgründen nicht möglich, teilte die Abfallwirtschaftlerin mit.
Weißblechcontainer bleiben
Das Ergebnis der Abstimmung war eindeutig: Der Gelbe Sack im Landkreis Tirschenreuth wird nicht abgeschafft. Alle Ausschussmitglieder waren für die Beibehaltung des Systems. Einzige Änderung ist die Umstellung auf Abfuhr alle vier Wochen, sodass ein regelmäßigerer Turnus entsteht. Es bleibt auch bei der Sammlung von Weißblech an 126 Containerstandorten, Dosen gehören also nicht in den Gelben Sack. Mit der aktuellen Wandstärke der ausgelieferten Säcke war das Gremium ganz zufrieden, es wird kein dickeres Material bestellt.
Wie aus den Sitzungsunterlagen hervorging, gibt es Bestrebungen, eine vertraglich gesicherte Abgabemöglichkeit von befüllten Gelben Säcken im Landkreis einzurichten. Bisher sei die Annahme auf dem Betriebshof guter Wille des mit der Abfuhr betrauten Unternehmens Magnitz in Tirschenreuth gewesen. Und noch etwas könnte den Service für die Bürger demnächst verbessern: "Auch eine feste Abgabestelle für Verpackungsstyropor und Folien auf der Wertstoffsammelstelle auf Kosten der Systembetreiber ist vorstellbar."
Duales System
- Begriff: privatwirtschaftliche Sammlung und Entsorgung von Verkaufsverpackungen in Deutschland; "dual" wegen des zweiten Systems neben der öffentlichen Entsorgung
- Hintergrund: seit 1991 geltende Verpackungsverordnung verpflichtet Wirtschaft, in Umlauf gebrachte Verpackungen einer Verwertung zuzuführen
- Betreiber: erstes System "Der Grüne Punkt", weitere Anbieter sind zugelassen
- Gesammelte Stoffe: Leichtverpackungen aus Kunststoff und Aluminium (Gelber Sack/Gelbe Tonne), Verkaufsverpackungen aus Altglas (Container) und Weißblech (meist Container), Papier, Pappe und Kartonagen (Papiertonne)
- Mengen: etwa 7 Millionen Tonnen jährlich in Deutschland













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