22.12.2019 - 09:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Gespenst der Privaten" abwehren

Bei der Weihnachts-Stippvisite der Kreis-CSU im Krankenhaus drehte sich im Prinzip alles um das diesjährige Defizit der Kliniken Nordoberpfalz AG. Es ging auch um Schuldfragen und wem der Schwarze Peter gebühre.

Weihnachtsbesuch der Kreis-CSU im Krankenhaus Tirschenreuth. Unser Bild zeigt von links: Krankenhausleiterin Claudia Kost, Professor Edgar Pscheidl, Franz Stahl, Professor Karl-Heinz Dietl, Manfred Tretter, Chefärztin Dr. Alexandra Barthmann, Roland Grillmeier, Toni Dutz, Alfred Scheidler, Angela Burger, Dr. Mihail Velkov und MdL Tobias Reiß.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Professor Karl-Heinz Dietl, hat klare Vorstellungen, wie die Struktur des Hauses künftig aussehen müsse. Er bedauerte, dass ein Vorstand gehen müsse, der etwas aus der AG und dem Klinikum Weiden gemacht habe, "um das uns fast alle Krankenhausversorger in Bayern beneiden. Wenn so einer gehen muss, dann stimmt da etwas nicht im System."

Keine Rücksicht

Der Mediziner sagte, es gäbe auch in Weiden Leute, die nicht den AG-Gedanken mit sich tragen, sondern Separatismus betrieben. Schaffe man es nicht, innerhalb von zwei Jahren bessere Ergebnisse einzufahren, sei es realistisch, dass das "Gespenst der Privaten" über dem Konstrukt Kliniken AG schwebe. "Und wenn die kommen, nehmen sie keine Rücksicht auf überregionale Geschichten oder speziell auf Tirschenreuth. Die nehmen Weiden heraus und machen damit dann freilich zehn Prozent Plus."

Um dem entgegenzuwirken, haben die Chefärzte eine aus eigener Tasche bezahlte Imagekampagne in den Medien initiiert. "Ein Zeichen dafür, dass wir was tun, aktiv etwas an der Situation ändern wollen." Dietl sprach von einem "Verräter" im Aufsichtsrat. Dietls Forderung lautet, den Aufsichtsrat massiv zu verschlanken. 21 Leute hätten Großkonzerne wie Audi oder Siemens. Künftig müsste im Kliniken-Aufsichtsrat Fachkompetenz aus Politik, Betriebswirtschaft und Medizin mitreden. "Wir müssen Leute reinnehmen, die das richtige Ziel vor Augen haben."

Professor Edgar Pscheidl, Chefarzt der Anästhesie, stellte fest, dass die Kliniken AG von den Kommunen seit deren Bestehen keinerlei Geld bekommen habe. Zwar sei die Bürgschaft viel wert. Genauso wichtig wäre aber, dass echte Zuschüsse fließen. Eigentlich seien Land und Bund gefordert, wenn es darum ginge, zum Beispiel einen Computertomographen anzuschaffen.

"Wir müssen das aber aus Eigenmitteln finanzieren. Deshalb brauchen wir Zuschüsse von den Kommunen." Was Josef Götz 15 Jahre lang auf die Beine gestellt habe, ohne dass er Geld von den Kommunen bekommen habe, sei mehr als beachtenswert.

Privatdozentin Dr. Alexandra Barthmann, Chefärztin der Klinik für Traumatologie, Spezielle Chirurgie und Endoprothetik, ist seit gut einem Jahr im Tirschenreuther Haus und tauschte sich seit Monaten mit niedergelassenen Ärzten aus. Ihre Erkenntnis: "Geht man raus in die Praxen und redet mit den Menschen, erwarten die neben medizinischer Qualität gleichermaßen auch Empathie. Das betreffe nicht nur die Pflege, sondern auch die Leistungen der Ärzte. In der Region sei ein hoher Anteil älterer Patienten, "und die wollen nicht durch die Gegend reisen", brach sie eine Lanze für die wohnortnahe Krankenhausversorgung.

"Wir müssen ein Rundum-Wohlfühlpaket in den Bereichen Medizin und Empathie anbieten - das ist der Weg in die Zukunft", ist sie überzeugt. Deshalb seien dezentrale Standorte wichtig. "Wir haben Strukturen vor Ort, die es erlauben, in dem aktuell politisch-gesetzlichen Rahmen ambulant und stationär sehr gut zu behandeln. "Es ist längst nicht alles super, aber das Potenzial ist da."

Ausplaudern stoppen

Der Wiesauer Bürgermeister Toni Dutz sah "große Aufgaben" für die Zukunft. Zuerst müsse es sofort aufhören, dass aus dem Aufsichtsrat ständig nichtöffentliche Dinge an die Öffentlichkeit gelangten. Sein Mitterteicher Amtskollege, Roland Grillmeier, sagte: "In bewegten Zeiten sollte man das Engagement der Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen." Man spüre die Motivation in den Häusern und das sei es, was man der Bevölkerung sagen müsse. Kernaufgabe sei es, die wohnortnahe Versorgung aufrecht zu erhalten. Schnellstmöglich müsse die Führungsfrage geklärt werden. Mit neuen Strukturen werde man den richtigen Weg finden. Um das zu erreichen, sei man auch bereit, gewisse Defizite zu übernehmen. "Wir müssen hart daran arbeiten, dass das Vertrauensverhältnis mit den niedergelassenen Ärzten erhalten bleibt."

Die Häuser nutzen

Der Sprecher lobte vor allem die Medizinischen Versorgungszentren, die an die Kliniken angebunden seien. Diese Art der Versorgung sei seiner Meinung nach die Lösung für das ganze Land. Den Menschen müsse man klar machen, "wenn ihr Kliniken am Ort wollt, müsst ihr auch die Häuser nutzen". Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl erklärte, dass die Gründung der AG vor etwa 15 Jahren richtig gewesen sei. Er forderte für die Zukunft, im Kreishaushalt feste finanzielle Mittel für die Kliniken AG einzuplanen.

Die jeweilige Summe X müsse jeder der Träger künftig zu gleichen Teilen schultern. "Hätten wir das von Anfang an gemacht, gäbe es jetzt wahrscheinlich diese Diskussion gar nicht."

Ein Punkt der Kreisumlage

Alfred Scheidler verlangte, mindestens einen Punkt der Kreisumlage künftig für die AG einzusetzen. Prokurist Manfred Tretter wertete den Besuch der CSU-Kreistagsfraktion als Wertschätzung für das Haus sowie dessen Mitarbeiter und als Beweis dafür, dass die Politik hinter der AG stehe. Er sei in dieser turbulenten Zeit trotzdem guter Dinge, weil die Politik gesagt habe, dass sowohl Tarifbindung als auch eine kommunale Krankenhausstruktur erhalten bleiben müssen.

Krankenhaus definiere er damit, dass alles da sei, was die Bevölkerung brauche. Es sei diesmal relativ knapp gewesen, um die Gehaltszahlungen an die Mitarbeiter leisten zu können. "Ich hoffe, dass ich das so nicht mehr erleben muss", gab der Finanzchef der Kliniken AG den Politikern mit auf den Weg. Landtagsabgeordneter Tobias Reiß betonte: "Der AG-Gedanke muss bei allen ankommen."

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