Tirschenreuth
09.12.2025 - 12:11 Uhr
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Ghanaische Inspiration: Hannah Mehler mit Kunstausstellung im Café Zettl

Hannah Mehler studiert seit einem Jahr Kunst im fernen Afrika. Die 27-jährige Tirschenreutherin ist auf Weihnachtsurlaub daheim und erzählt, wie sie ihr erstes Studienjahr in Ghana an einer Kunstakademie erlebt hat

Im ehemaligen Café Zettl klingelt das Telefon. Hannah Mehler stutzt einen Moment und steht auf. „Das war noch nie.“ So nostalgisch wie der Klingelton ist der Apparat, den sie hinter der Theke vorfindet. Die 27-Jährige nimmt den Hörer ab, bekommt aber nur einen Pfeifton. Lachend legt sie wieder auf. Auch dieses altehrwürdige Telefon gehört zum Café Zettl und wird aktuell Teil einer Kunstausstellung.

Die Tirschenreutherin ist 27 Jahre alt und im Zeitalter der Handys aufgewachsen. In Ghana, wo Mehler seit einem Jahr lebt und Kunst studiert, ist das entgegen vieler Meinungen nicht anders. Überhaupt seien die Ansichten über Kunst und Moderne in Afrika sehr angestaubt, findet sie. Die Akademie in Ghana sei wesentlich aufgeschlossener und moderner als in vergleichsweise westlichen Kunstszenen. Auf Weihnachtsurlaub installiert die 27-jährige Tirschenreutherin aktuell ihre zweite Ausstellung im ehemaligen Café in der Dammstraße, das seit Jahrzehnten verwaist ist und ansonsten leer steht.

Neue Kunstwerke oder Gegenstände hat Hannah Mehler nicht von ihrem Studieort mitgebracht. Auch sind beim Aufbau der Ausstellung weder Gemälde noch Objekte zu sehen. Kunst in Ghana lasse alles zu, hat die junge Frau erfahren. Und so verfährt sie auch bei dieser Kunstpräsentation. In einem Rondell will sie eine Installation aufbauen mit modernen Elementen wie Audio-Technik. Den restlichen Raum hat sie mit Teppichen ausgelegt. „Das sind Reststoffe aus der Tuchfabrik“, erklärt die Tochter der Unternehmensfamilie Tuchfabrik Mehler.

"Ankommen und orientieren"

Das erste Jahr sei auch im Alltag fordernd gewesen, erzählt sie von Ghana, wohin sie mit nur einem Koffer gepackt für zwei Jahre anreiste . „Man muss erst ankommen, sich orientieren. Wo kann ich einkaufen, welche Anbindungen stehen mir zur Verfügung von A nach B und all diese Dinge“, erzählt sie. In vieler Hinsicht fand sie sich gut aufgehoben bei der Bewältigung des Alltags in der Fremde. „Wenn ich Hilfe brauchte, fand ich sofort jemanden oder jemand suchte für mich jemand, der mir half. Das war wie ein Lauffeuer.“ Im Studiengang bekam sie über Aktivitäten wie Musikabende, Lesungen, Essen und anderes gut Anschluss zu ihren Kommilitonen.

Vom Land selbst hat Hannah Mehler bisher nicht viel gesehen. Jedoch gab es eine Studienreise. Beeindruckt hat sie die Kunstgalerie des Künstlers Ibrahim Mahama, der zum weltweit größten, zeitgenössischen Künstler online gekürt wurde. Im Studium lag Hannahs Schwerpunkt im ersten Studiengang auf Kunstgeschichte, Philosophie und Kunstverständnis. Die europäisch-amerikanische Kunstszene ist ihrer Meinung nach wenig aufgeschlossen für Neues. „In Afrika wird viel mehr mit Film, Ton und Musik gemacht. Bewegung liegt im Fokus.“ Malerei werde von der (Gemälde-)Wand weg auf Körper übertragen. Ein großes Thema sei die künstlerische Auseinandersetzung mit der Sklaverei, damals und heute. Im Januar geht Hannah Mehler zurück nach Kumasi, 7200 Kilometer von der Heimat entfernt, wo sie in der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in der Fakultät für zeitgenössische Kunst ihr zweites Stuidenjahr absolvieren wird.

Kunst und Kaffee

Die Titschenreutherin schließt nicht aus, in Afrika länger zu bleiben. Festlegen möchte sie sich nicht. Zuerst wolle sie sich auf das neue Studienjahr konzentrieren das ihr drei Ausstellungen, ihre Abschlussarbeit und einen Artikel über Kunst abverlange. Für ihre zweite Ausstellung im Café Zettl nimmt sie den gesamten Raum als Kunstobjekt in Augenschein. „Der Charakter des Cafés soll bleiben. Es wird auch Kaffee, Kuchen und Plätzchen geben“, erklärt sie. Das werde keine Kunstpräsentation, bei der die Besucher nur leise mit den Händen auf den Rücken und grübelnder Miene herumschlichen, um Kunst betrachten“, sagt die Künstlerin. Geöffnet ist von 10 bis 19 Uhr, die Ausstellung dauert bis Mittwoch, 17. Dezember. Der Eintritt ist frei. Hannah Mehler ist vor Ort.

Hintergrund:

Zur Person: Hannah Mehler

  • Arbeitet aktuell beim BfZ Weiden
  • Ausbildung: Mädchenrealschule Waldsassen, FOS Weiden, Studium und Bachelor Soziale Arbeit und in London Master Development Studies
  • Neuer Studienzweig: zeitgenössische Kunst an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Kumasi ab Januar 2025 für zwei Jahre
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