17.01.2019 - 11:28 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Gladiatoren in der Ketteler-Arena

Der ATSV-Fasching zieht in den 1950er und -60er Jahren die Massen an. Ein wohlgehütetes Geheimnis ist die Dekoration des Saals, der Höhepunkt der Auftritt der Tanzgarde.

Wie viele Personen kann ein VW-Käfer fassen? Die Umzüge waren Faschingshöhepunkte in den 1960er Jahren.

(cr) Weihnachten und Silvester sind gefühlt kaum vorbei, schon strebt die närrische Zeit ihrem Höhepunkt zu. Faschingsdienstag fällt dieses Jahr auf den 5. März. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit vor Ostern. Auch der Begriff "Fasching" leitet sich daraus ab. Das hochdeutsche Wort "vast-schanc" meint den Ausschank und Trunk vor Aschermittwoch. 1283 ist der Begriff in einer Passauer Zunftordnung erstmals zu lesen. Im 16. Jahrhundert wurde dann der "Fasching" daraus.

Viele große Faschingsumzüge fanden einst in Bayern statt. Sie sind weniger geworden. Und auch die Zahl der "Maschkera" in unserer Region hat nach den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts abgenommen. Zu den Hochburgen des Faschings zählte auch Tirschenreuth. Nach dem Bau des Kettelerhauses war der ATSV-Fasching in den 1960er und -70er Jahren eine der meistbesuchten Veranstaltungen. Nun war genügend Platz vorhanden, der langsam zu klein gewordene und letztlich auch baufällige Saal des Gasthofes "Anker" hatte ausgedient.

Fantasievolle Themen

Die Verantwortlichen in der Vorstandschaft der "Tursiana" versuchten alljährlich ihre Bälle immer wieder zu toppen. Spannung herrschte bereits im Herbst bis endlich das Motto des Faschingsballs bekanntgegeben wurde. Zum Auftakt der heißen Phase fand Anfang Januar der ATSV-Ball statt. Fantasievolle Themen wie "Orientalische Nacht" oder 1971 "Komm mit zum Karneval nach Rio" und "Fasching in Olympia" 1972 ließen die Herzen der Faschingsfans höher schlagen. Kostüme wurden dafür geschneidert, Ehepaare legten Wert auf Partnerlook und so mancher machte sich sogar auf, ein originelles Kostüm in einem Verleih weit entfernt von der Kreisstadt zu organisieren. Die Dekoration des Saals war stets ein großes Geheimnis und fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um zum großen Aha-Erlebnis zu werden. Die Eintrittskarten für damals sechs D-Mark waren in der Regel schon vor Weihnachten ausverkauft. Endlich rückte der "Spurt mit der Olympiade der guten Laune" in der "Arena" des Kettelerhauses in greifbare Nähe.

Dicht gedrängt bis ins Foyer hinaus standen die Tische und Bänke. Bei der Wirtsfamilie Landsdorfer herrschte Ausnahmezustand. Dann, um 20 Uhr, der Einzug der Gladiatoren, rekrutiert aus den Sportlerinnen und Sportlern des ATSV. Und die "Völker der Welt" (aus dem gesamten Stiftland und darüber hinaus) waren herbeigeeilt zum "Trojanischen Nahkampf", wobei alle Disziplinen und vor allem "leichte Nahkampfkleidung" zugelassen waren. Dicht drängten sich die Menschen auf der Tanzfläche, die bekanntesten Bands der nördlichen Oberpfalz sorgten für die heißen Rhythmen.

Fanfaren für Tänzerinnen

Um 22 Uhr ertönten schließlich die Fanfaren: Auftritt der römisch-griechischen Tänzerinnen. Danach ging es in die Tiefen des Kettelerhauses. In der schummrigen Bar war kaum noch ein Platz, an polizeiliche Alkoholkontrollen dachten damals viele nicht. Als sich die letzten Gäste auf den Heimweg machten, soll es manchmal schon hell gewesen sein.

Kleine Faschingsumzüge gab es in machen Ortsteilen, wie auf der Alm. Im Hotel Mehler gegenüber des Bahnhofs wurden am Faschingswochenende traditionell die Eltern mit ihren Kindern eingeladen. Es war stets eine große Freude, wenn die Clowns, Cowboys, Indianer oder Schlotfeger zusammenkamen. Denn in den Schulen und Kindergärten wurde der Fasching damals nicht so großgeschrieben.

Das ATSV-Ballett: Tosender Beifall war den Tänzerinnen stets gewiss.
Einmal Prinz oder Prinzessin sein.
Jeder war gespannt auf die Faschingsmottos des ATSV Tirschenreuth, für den Januar-Ball gab es schon vor Weihnachten keine Eintrittskarten mehr.
Der Gasthof Mehler lud viele Jahre am Faschingsdienstag zum Kinderfasching ein.
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