23.10.2019 - 14:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Großartige Krippenerlebnisse

Auf Krippensuche führte eine von den Krippenfreunden Tirschenreuth organisierte Fahrt nach Böhmen. Federführend war dabei Hans Lindner mit seinem Team. In drei Tagen wurden rund 800 Kilometer zurückgelegt.

Gruppenbild in Jindrichuv Hradec (Neuhaus). Mit guten und vielfältigen Eindrücken über Krippen, Landschaft und prachtvolle Städte fuhren die Krippenfreunde aus dem Stiftland zurück.
von Rainer ChristophProfil

Die Organisation lag bei den Krippenfreunden Tirschenreuth, federführend war Hans Lindner. Ziel der 50 Teilnehmer war die Region Hochland (Kraj Vysocina) in Südböhmen am Rande von Mähren. Standort war die Stadt Jilhava/Iglau direkt an der Böhmisch-Mährischen Grenze.

Über Pilsen ging es zunächst in Richtung des Orlik Stausee in die ehemalige Hussitenstadt Tabor. Mit dabei als Reiseleiter war Rainer Christoph, der den Gästen einen Einblick in die Tschechische Geschichte und das Weihnachtsbrauchtum im Nachbarland gab. War die Hinfahrt etwas trüb und regnerisch, kam vor Tabor die Sonne heraus. Der Herbst zeigte sich bis zum Heimkehr in seinen schönsten Farben. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, gab es einen geführten Stadtrundgang durch die gepflegte Altstadt von Tabor und deren hussitischer Geschichte. Die Weiterfahrt in Richtung Osten ging ins Hotel in der ehemalige Bergbaustadt Jilhava (Iglau).

Auch hier konnten die Stiftländer, die 52 000 Einwohner zählende historische Altstadt unter fachkundiger Führung von Dr. Jitka Pibilova erkunden. Iglau gilt als die älteste Bergbaustadt Böhmens mit historischer Bausubstanz. Der Masarykplatz im Zentrum zählt zu den größten historischen Marktplätzen im Land. Berühmtester Sohn der Stadt ist der Komponist Gustav Mahler.

Krippenschauen

Am zweiten Tag begann die Krippensuche. Erstes Ziel war Trebitsch (Trebic), kulturelles Zentrum Südwestmährens mit 38 000 Einwohnern. Neben der St.-Prokop-Basilika, einem UNESCO-Weltkulturerbe, findet sich das Schloss der Familie Wallenstein, heute ist darin das Regionalmuseum untergebracht. Wie die heimischen Krippenorte, ist Trebic seit weit über 100 Jahren mit der Krippenkunst verbunden. Eine Besonderheit wie auch im Nachbarort Trest (Triesch) waren und sind die Papierkrippen.

Figuren aus Pappe

Da die große Krippenausstellung erst im Advent beginnt, wurden die vorhandenen Krippen bewundert. Kurator Tomas Hartmann zeigte im Festsaal des Schlosses die Entwicklung des Krippenbaus im Ort mit Bildern. Trest war die Wiege der "Krippenfigurenmaler" ab 1800. Hier wurden handgemalte Figuren aus Pappe gefertigt. Anfangs standen sie in Kastenkrippen auf Moospolstern.

Am Nachmittag ging es zum kleineren Krippenort Trest (Triesch). Hier ist die Krippenbautradition bis heute fest verankert. Die anfängliche Tradition der Papierkrippen wurde um 1860 aufs Holzschnitzen umgestellt. Für die 10 bis 12 Zentimeter großen Figuren wurde Erlenholz verwendet. Das Regionalmuseum hat mehrere wertvolle Weihnachtskrippen in seiner Sammlung. Attraktion, die Miniaturkrippe von Petruska Krechlerova mit drei bis vier Millimeter großen Figuren. Rund 60 Krippenschnitzer gibt es heute noch am Ort. Alljährlich werden im Juni internationale Krippenschnitztage durchgeführt.

Bei der Rückfahrt wurde Halt gemacht in Jindrichuv Hradec (Neuhaus). Die Stadt zählt zu den schönsten Städten Südböhmens. Im Stadtmuseum dann das großartige Krippenerlebnis: "Die Kryza-Krippe" Mit dem Eintrag in das Guinness Buch der Weltrekorde im Jahre 1998 stellt sie mit einer Fläche von 62 Quadratmeter die größte mechanisches Krippe der Welt dar.

60 Jahre Krippenbau

Für die Augen der Besucher ist die Krippe mit wenigen Blicken nicht erfassbar. Von der Szene in der Mitte, der ältesten, wo man die Geburt Christi sieht, ist links das Bethlehem mehr israelisch, mehr authentisch. Rechts das "Volks - Bethlehem", das Tschechien abbilden soll, das sieht der Besucher an der Natur, an den Handwerkern, am Gewand. Tomas Kryza, Autor der Krippe, war ein Strümpfemacher in Jindrichuv Hradec. Er begann mit dem Bau als er 17 war, im Alter von 77, wurde die Krippe mit ihren vielen beweglichen Teilen im Jahre 1915 fertig.

Reger Austausch

Viel gab es zu diskutieren und zu fotografieren. Mit dabei, Krippenfreunde aus Plößberg, Mitterteich und anderen Orten. Da wurde fachgesimpelt und festgestellt, dass die böhmischen Krippen doch mehr weltlicher gestaltet sind, als die heimischen. Bestimmte Szenen, wie die Hochzeit zu Kana und andere biblischen Szenen waren nicht zu finden.

Alfons Mehler, der noch immer versucht, den Ursprung der Tirschenreuther Papierkrippe von Maurus Fuchs zu erfragen, war sich am Ende sicher: "Fuchs muss eine Verbindung zu den südböhmischen Papierkrippen über die Klöster in Tepl und Tachau gehabt haben". Siegfried Sollfrank aus Plößberg machte eifrig Werbung für die große Krippenschau 2020/21 und machte die böhmischen Fachleute mit dem Krippenflyer neugierig auf die Ausstellung.

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