06.11.2018 - 13:36 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Groteske Gegensätze

Ebenso aufwendig wie das Theaterstück „Sein oder Nichtsein“ inszeniert ist, sind auch die Kulissen. Das Ensemble vom Modernen Theater Tirschenreuth um Regisseur Manfred Grüssner wendet sich dafür an die Künstlergilde.

Hitler lässt sich nicht "einfach so" malen: Toni Eichinger hat sich bei seiner Arbeit für die Theaterkulissen manche Gedanken über das Nazi-Regime gemacht.
von Ulla Britta BaumerProfil

Mit Künstler Toni Eichinger aus Tirschenreuth wurde auf Anhieb der richtige Mann gefunden. Gerne habe er zugesagt, betont Eichinger, und erklärt, wie er an die nicht leichte Aufgabe herangegangen sei. Mit dem Lesen des Drehbuchs habe er zuerst näheren Bezug zur Materie und den Geschehnissen im Stück aufgebaut. Danach habe er gemeinsam mit dem Regisseur unterschiedliche Ideen und Entwürfe entwickelt.

Nach ausgiebigen Besprechungen konnte der Bühnenbau beginnen. Danach stand Eichinger vor der Frage, wie er sechs aus Holz gebaute Dreiecks-Elemente für entsprechend unterschiedliche Bühnenbilder bemalen soll. Die Elemente, die drehbar sind und von den Schauspielern während des Stücks zum Bühnenumbau selbst bedient werden können, mussten unterschiedliche Szenen-Kriterien erfüllen.

Mit den rein technischen Anforderungen gab sich der Künstler nicht zufrieden. Während die Garderobe der Maria Tura mit Blumen und viel Rot einzig dekorativ die Erotik der Liebesgeschichte untermalen sollte, wollte Eichinger der Kulisse des Gestapo-Hauptquartiers in Warschau eine Aussage geben. Er wählte die Darstellung der Flussjungfrau Syrenka, "Nixe von Warschau", die friedfertig über die Stadt wacht, während die Darsteller beim Gala-Ball der Gestapo durch die "Fenster" das Warschauer Ghetto sehen.

Ihm seien die Gegensätze wichtig gewesen, erklärt Eichinger. Mit der Nachbildung der Statue "Nixe von Warschau", die als Friedensbotschafterin in Polen gilt, und dem gleichzeitigen Blick aus dem Fenster aufs Ghetto will der Künstler die grotesken Gegensätze der menschlichen Seele aufzeigen. Es sei im Nazi-Regime gefeiert und gelacht worden, während Menschen im Ghetto wissentlich gequält worden seien.

Eine Herausforderung seien auch das Hitler-Porträt und die Darstellung der Hakenkreuze gewesen. Natürlich habe er sich dabei Gedanken gemacht, auch vor dem Hintergrund der Handlungen im Stück. "Da kommen Gedanken über das heutige, rechte Gesindel hoch. Es ist eigenartig, dass Leute immer wieder fasziniert die Grauen der Nazi-Zeit verherrlichen", so Eichinger. Auch deshalb habe er das Bühnenbild für diese Inszenierung des Modernen Theaters Tirschenreuth gerne übernommen. "Die Komödie ist nicht allein nur schwermütig. Der Fingerzeig erfolgt mit Parodie und Satire."

Termine:

Die Tragikomödie "Sein oder Nichtsein" hat am Donnerstag, 8. November, um 19.30 Uhr Premiere im Kettelerhaus Tirschenreuth. Weitere Aufführungen sind am 10., 16., 17. und 18. November, jeweils um 19.30 Uhr. Eintrittskarten gibt es auf www.theater- tirschenreuth.de. Für Schnellentschlossene: Es sind noch Plätze bei der Premiere frei.

Die "Nixe von Warschau" ist Sinnbild für Frieden, aber der Blick aufs Ghetto durch die "Fenster" sagt etwas anderes.
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