08.12.2021 - 14:21 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die "Haastaatzkouh" rollt durchs Museum

Wer den markanten Signalton der „Haastaatzkouh“ noch im Ohr hat, der gehört schon zur älteren Generation. Nochmal eintauchen in diesen Teil der Eisenbahn-Geschichte kann man jetzt im Museumsquartier.

von Werner Schirmer Kontakt Profil

Vor Jahren schon hatten die Eisenbahnfreunde der Kreisstadt mit einem eindrucksvollen Modell des ehemaligen Bahnhofsgeländes auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt können Besucher diese tolle Anlage ein weiteres Mal erleben. Ab Samstag rollen Schienenbus und Güterzüge ein weiteres Mal auf der rund acht Meter langen Anlage. Neben den Lokomotiven und Waggons sind es aber die detailgetreuen Nachbauten der umgebenden Häuser und Betriebsanlagen, die in Erstaunen versetzen. In liebevoller und aufwendiger Arbeit haben die Eisenbahnfreunde ein Stück Ortsgeschichte in ein faszinierendes „Historama“ gepackt. Immer wieder wird der Betrachter von der Detailgenauigkeit gebannt sein, lebendige Szenen entdecken und ein Bild aus vergangenen Tagen wieder auffrischen können. Und wer Glück hat, kommt in einem Augenblick, in dem die „Haastaatzkouh“, so wurde der Schienenbus bezeichnet, am Bahnhof vorfährt.

Im Maßstab 1:87

„Eisenbahn bewegt – damals wie heute“ lautet der Titel der Sonderausstellung im Alois-Hörmann-Saal des Museumsquartiers. Dabei präsentieren die Eisenbahnfreunde nicht nur ihr Bahnhofsmodell, sondern umgebend die Anlage auch mit interessanten Stellwänden und Erläuterung sowie Leihgaben der Familie Franz Sommer, die Dienstkleidung und Ausstattung der Bahnmitarbeiter aufzeigen. „Es ist eine besondere Ausstellung zum Ende des Jahres, die vor allem die Technikinteressierten begeistern wird“, war sich Bürgermeister Franz Stahl beim ersten Blick auf die Anlage sicher. Im Maßstab 1:87 hätten sich Eisenbahnfreunde vor Jahren das ehemalige Bahnhofsgelände detailgetreu nachgebaut, bescheinigt der Bürgermeister. Bei dem Modell handele es sich um ein „Historama“, eine Kombination aus Historie und Diorama.

Bahnhofssituation in 1950er/60er Jahren

Rund sieben Jahre ehrenamtliche Arbeit hätten die Eisenbahnfreunde in die rund 8 mal 1,4 Meter große Anlage investiert, so Stahl. Das Modell sei als Dokumentation der Bahnhofssituation in den 1950er/60er Jahren gedacht. Die Ausstellung sei von den Eisenbahnfreunden umgesetzt worden. Besonders nannte Stahl hier Christoph Eckert, seinen Sohn Korbinian sowie Gerhard Wagner, Reinhard Legat und Albrecht Kirchmann. Unterstützt wird die Ausstellung auch von Eberhard Polland, der mit alten Originalbildern des Geländes einen Vergleich mit der Wirklichkeit herstellt. Handzettel vermitteln auch wissenswerte Informationen rund um das Modell und die damalige Zeit, als der Bahnhof noch bestand.

Und schließlich ergänzen die Ausstellung auch Fotos von Korbinian Eckert. Seit 2008 hält er in seiner Freizeit den Eisenbahnbetrieb fest. Rund 90.000 Bilder sind so entstanden. Ein kleiner Teil wird auf Leinwänden gezeigt sowie als Fotoschau auf einem Bildschirm.

Bei der Präsentation der Ausstellung richtete Stahl einen besonderen Dank an die Eisenbahnfreunde und die Familien für die außergewöhnlichen Leihgaben. Neben der "magischen Anziehungskraft“ des Modells erkannte Stahl auch die Bedeutung als Dokument der städtebaulichen Entwicklung, da hier die Veränderungen nachvollzogen werden könnten. „Das ist eine Zeitreise für die Besucher“, bescheinigte Stahl. Für ihn persönlich sei es immer ein pulsierender Moment gewesen, wenn an Morgen die Schüler vom Bahnhof aus abgefahren sind.

Aus Dornröschenschlaf geweckt

Christoph Eckert freute sich, dass die Anlage wieder aus dem „Dornröschenschlaf“ geweckt werden konnte. Bei der Ausführung hätten die Eisenbahnfreunde großen Wert auf die Detailgenauigkeit gelegt. Neben eigenen Vermessungen der Gebäude hätte man auch auf einen original Vermessungsplan zugreifen können. Dieser Plan findet sich übrigens versteckt in der Anlage eingebaut und gibt exakt die Position der Gebäude und Anlagen wieder. Wie sehr die Eisenbahnfreunde auf die Darstellung geachtet haben, verdeutlichte Eckert etwa mit dem Modell des Sägewerks Hübel und Platzer. Für die rund 300 Holzstöße hätte Reinhard Legat bis zu 12.000 kleine Bretter und Kanthölzer aufgeschichtet. Der Fläche im Museumsquartier bescheinigte Eckert einen idealen Rahmen für die Ausstellung. Und er hegte auch die Hoffnung, dass das Modell einmal dauerhaft dem Publikum präsentiert werden könnte. Gespräche über einen Standort hätte es bereits gegeben. Als Option sei dabei auch der Raum der Tourist-Info genannt worden, wenn die Einrichtung einmal ins neue Rathaus umzieht.

Zuletzt zeigten der Kunstverein und Künstler aus Lauf ihre Arbeiten im Museumsquartier

Tirschenreuth
Hintergrund:

Ausstellung "Eisenbahn bewegt" im Museumsquartier

Am 10. November 1872 fuhr der erste Zug im Tirschenreuther Bahnhof ein. In den nächsten Jahren entwickelte sich das Areal zum Industriegebiet mit zahlreichen Firmen. Mitunter kamen mehr als 40 Güterwagen am Tag zum Ent- und Beladen. 1989 wurde der Personenverkehr eingestellt, am 13.Januar 2000 fuhr dann der letzte Güterzug. Letzter Bahnhofsvorstand war Franz Sommer.

  • Das Modell der Eisenbahnfreunde besteht aus drei Segmenten und hat eine Gesamtfläche von rund 12 Quadratmetern.
  • Die Gleislänge mit 27 Metern entspricht einer Originallänge von 2,5 Kilometern.
  • Das Modell weist 16 Weichen auf sowie 30 Gebäudeteile, die individuell nach den Vorbildern gefertigt wurden.
  • Die Eisenbahnfreunde haben für das Modell in sieben Jahren rund 2500 ehrenamtliche Arbeitsstunden aufgewandt

Ausstellung „Eisenbahn bewegt“ von Samstag, 11. Dezember 2021, bis 22. Februar 2022 im Museumsquartier zu den üblichen Öffnungszeiten. An bestimmten Aktionstagen werden die Züge auch in Betrieb sein. Für den Besuch wird die Regelung „2G-plus“(geimpft oder genesen, zusätzlich ein negativer Test) angewandt.

"Das ist eine Zeitreise für die Besucher."

Bürgermeister Franz Stahl

 

 

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