Tirschenreuth
10.02.2019 - 08:14 Uhr

Häufig fehlt die Einsicht

Die Diskussion um verpflichtende Eignungstest für ältere Autofahrer flammt immer wieder mal auf. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und der ADAC sprachen sich jetzt klar dagegen aus. In der Region gehen die Meinungen auseinander.

Fahrlehrer Matthias Kraft hält autonomes Fahren noch für reine Zukunftsmusik. Bild: lnz
Fahrlehrer Matthias Kraft hält autonomes Fahren noch für reine Zukunftsmusik.

Laut Automobilclub ADAC verhalten sich ältere Autofahrer in aller Regel vorsichtig, defensiv und vorausschauend. Menschen ab 65 Jahren verursachten etwa 16 Prozent der Unfälle mit Verletzten, obwohl sie 21 Prozent der Bevölkerung ausmachten, teilte der Verband kürzlich mit. Minister Scheuer argumentiert ähnlich und setzt wie der ADAC auf Eigenverantwortung. Er rechne damit, dass ältere Menschen dank autonomer und automatisierter Systemen "in naher Zukunft" ohnehin nicht mehr unbedingt selbst fahren müssten. Gerade auf dem Land könnten Ältere so mobil bleiben.

Pressesprecher Walter Brucker vom Landratsamt Tirschenreuth teilt gegenüber den Oberpfalz-Medien mit, dass seine Behörde nicht über eine Statistik von Unfällen mit älteren Verkehrsteilnehmern verfüge. Allerdings liefert Brucker einige Zahlen aus 2018. "Uns wurden 18 Verkehrsunfälle mit älteren Verkehrsteilnehmern durch die Polizei gemeldet. Wir ordneten daraufhin jeweils eine Fahreignungs-Untersuchung beim Gesundheitsamt an." Dies habe dazu geführt, dass acht Personen freiwillig auf die Fahrerlaubnis verzichtet hätten. Sechs Personen seien weiterhin für die Teilnahme am Straßenverkehr geeignet, vier Verfahren seien noch offen. "Unsere Erfahrung ist, dass teilweise die Einsicht fehlt. Die Angehörigen haben oftmals große Probleme, den Betroffenen zu überzeugen, dass er nicht weiter fahrgeeignet ist."

Tests in anderen Ländern

Brucker gibt zu bedenken, dass es Fahrtauglichkeitstests für Pkw-Fahrer bereits in einigen europäischen Ländern gibt. Die Spanne reiche von Sehtests über medizinische Checks bis hin zu Fahrtests. Eine Untersuchungpflicht (ärztliche und augenärztliche Begutachtung) besteht laut Brucker in der Bundesrepublik Deutschland für die Klassen C,CE,C1 und C1E (Fahrzeuge über 3,5 Tonnen) sowie die Klassen D,D1,D1E und DE (Busse) ab dem 50. Lebensjahr und danach alle fünf Jahre.

"Das ist ein heikles Thema", sagt Walter Landgraf, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Tirschenreuth. "Eigentlich sollte jeder, der sich nicht mehr fahrtüchtig fühlt, seinen Schein freiwillig abgeben. Problematisch ist, dass manche uneinsichtig sind." Ältere Menschen fielen zwar häufig als Falschfahrer auf Autobahnen auf, doch die Gesamtunfallstatistik zeige keine klare Tendenz. "Die größte Gefahr geht von der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen aus", so Landgraf. Die Meinungen zu Eignungstests gingen bei den Mitgliedern der Verkehrswacht auseinander, die Mehrheit sei aber eher dagegen. Wie das autonome Fahren in der Praxis einmal ablaufen soll, kann sich Landgraf momentan nur schlecht vorstellen. "Bei einem Problem wird der Fahrer auch weiterhin eingreifen müssen."

Fahrlehrer Matthias Kraft, Inhaber der Fahrschule Schreiber-Kilian, ist prinzipiell gegen eine Vorschrift ab einem bestimmten Alter. Er gibt zu bedenken, dass die Menschen auf dem Land auf das Auto angewiesen seien, anders als in größeren Städten. "Und wir sollen ja immer länger arbeiten." Kraft verweist auch darauf, dass ältere Verkehrsteilnehmer meist zurückhaltend unterwegs seien, viele vermieden weite Strecken oder Fahrten bei Dunkelheit. Dennoch könnte sich Kraft einen Mittelweg vorstellen. Führerscheine sind seit 2013 nur 15 Jahre gültig und müssen dann verlängert werden. Bis 2033 müssen auch alle zuvor ausgestellten Scheine gegen befristete ausgetauscht sein. "Die Verlängerung könnte etwa mit einem verpflichtenden Sehtest verknüpft werden", so Kraft. Bus- und Lastwagenfahrer müssten sich ab einem bestimmten Alter ja auch regelmäßigen Tests unterziehen.

Reine Zukunftsmusik

Autonomes Fahren hält Matthias Kraft noch für reine Zukunftsmusik. "Zunächst muss hier die Schuldfrage bei einem Unfall geklärt werden", nennt Kraft ein grundsätzliches Problem vor der Einführung. Und selbst dann wäre es noch ein weiter Weg von weitläufigen Autobahnen bis zum verwinkelten Stadtverkehr. "Es gibt schon viele Assistenzsysteme und die funktionieren auch gut - aber eben nicht fehlerfrei", weiß Kraft aus Erfahrung. Außerdem würden bis zu einer flächendeckenden Verbreitung von autonomen Fahrzeugen noch sehr lange konventionelle Autos genutzt werden.

 
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