29.03.2019 - 19:02 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Hamm AG bringt sich bei Bauma in Stellung

In wenigen Tagen eröffnet die Bauma 2019. Mit dabei ist auch die Hamm AG aus Tirschenreuth. Sie zeigt dem internationalen Publikum Weltneuheiten.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

"Ah, haben Sie das gesehen? Das war eine Maschine aus Tirschenreuth, die wird zur Bauma geliefert", sagt Marketingleiter Gottfried Beer begeistert und blickt aus dem Fenster seines Firmenwagens. Der Lastwagen neben seinem Auto transportiert eine Walze der Hamm AG. Sie ist - neben tausend anderen Weltneuheiten aus der Bergbau- und Baumaschinen-Industrie - zu der Münchner Weltleitmesse unterwegs. "Hier geht es nicht um den technischen Stand von heute, sondern jeder will zeigen, was für die Arbeit von morgen relevant ist", erklärt Beer.

Planung mir VR-Brillen

Der Marketingleiter ist auf dem Weg, um sich die Vorbereitungen in München anzuschauen. "Die Messe ist wie ein Sandkasten für große Kinder. Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung." Die Bauma findet im dreijährigen Rhythmus statt und ist von Montag, 8. April, bis Sonntag, 14. April. 600 000 Besucher erwartet die Messe. "40 Prozent davon sind internationale Gäste."

Als Teil der Wirtgen Group demonstriert die Hamm AG ihre Maschinen neben den Herstellern John Deere, Wirtgen, Vögele, Kleemann und Bennignhoven. Rund 13 000 Quadratmeter stehen der Unternehmensgruppe, die 2017 von "Deer & Company" gekauft wurde, auf dem Messegelände zur Verfügung. "Nur noch Liebherr hat mehr Fläche als wir. Das ist das erste Mal seit langem, dass auf einer europäischen Messe Maschinen von John Deer zu sehen sein werden", betont Beer. Insgesamt präsentiert die Gruppe 120 Exponate, 34 von der Hamm AG.

"Die Messe ist wie eine Kleinstadt." Schon von Weitem erkennt man das Bauma-Gelände: Hohe bunte Kräne, ein Riesenrad und ganze Gebäude ragen in den Himmel. Es hat fast schon Volksfestcharakter. Beer fährt direkt auf das Gelände zur zehnköpfigen Aufbaugruppe aus Tirschenreuth. Die Exponate befinden sich selbst noch inmitten einer großen Baustelle. An vielen Ecken wird noch gepinselt, justiert, ausgepackt und modelliert.

Mit seinem Team organisiert er zum neunten Mal den Messeauftritt des Walzenherstellers. "Das ist die heiße Phase. Ändern können wir kaum noch etwas, wir kümmern uns nun um den Feinschliff." Die Planungen laufen schon ein Jahr. Den Aufbau sieht Beer zum ersten Mal direkt vor Ort. "Wir sind mit VR-Brillen im Vorfeld virtuell das Gelände abgegangen. Auf diese Weise konnten wir Änderungen machen und Fehler ausbessern." Die Highlights von Hamm auf der Bauma beleuchten, wie sich Digitalisierung, Elektromobiliät und Globalisierung auf den Erd- und Straßenbau auswirken.

"Aber technische Features müssen erklärt werden, dafür stellt die Wirtgen Group sechs Technik-Pavillons bereit. Einer davon gehört uns. Da wird viel Multimedia verbaut." So zeigt das Unternehmen unter anderem das Assistenzsystem WITOS HCQ. Dabei handelt es sich um ein Navigationsmodul, das in den Maschinen verbaut ist. Es ermöglicht den Arbeitsfortschritt auf der Baustelle vor Ort und aus der Ferne zu beobachten. Ebenso wird Hamm ein Modell einer autonom fahrenden Walze ausstellen. Dieses ist Teil einer Studie zur Verdichtung: "Das Modell visualisiert, wie eine fahrerlose Walze mit alternativen Antriebskonzepten aussehen könnte." Für diese Arbeit bekam Hamm zwei international anerkannte Design-Preise: Den "Best of Best" des Automotive Brand Contest 2018 und den "German Design Award 2019" in Gold.

"Zudem stellen wir unser Bedienkonzept ,Easy Drive' vor. Das ist ein einheitliches System, dass in unseren aktuellen Maschinen verbaut wird. Auf diese Weise kann der Fahrer die Maschinen wechseln und behält immer die Orientierung über die Bedienung." Für die Messe wird ein Steg aufgebaut, über den man Einblick in die Kabinen und die Technik der Fahrzeuge bekommt. Verbessert wurde auch die Oszillationstechnik der Walzen. "Unsere Innovation ist eine geteilte Oszillationsbandage. Dabei ist die Walze in zwei Hälften aufgeteilt. Jede Hälfte arbeitet separat und mechanisch unabhängig. Eine integrierte Regelung ermöglicht es aber, dass trotzdem beide Teile der Walzen synchron arbeiten. Eingesetzt wird das zum Beispiel bei der Verdichtung von Brücken." Auf der Messe können all diese Innovationen über einen Skywalk, der durch das Messegelände der Wirtgen Group führt, von oben anschauen. Auch Nachhaltigkeit wird eine Rolle spielen. "Wir haben eine Hybrid-Walze dabei und zeigen wie kostensparende und umweltschonende Lösungen miteinander funktionieren können."

"Das Zentrum unseres Messeauftritts ist ein dreistöckiges Haus, dass seit Oktober 2018 gebaut wird und nach der Messe wieder abgebaut werden muss." Darin befindet sich unter anderem der eigentliche Messestand der Wirtgen Group, 40 Konferenzräume, ein Fanshop, eine Bar, Restaurant und zahlreiche Büroräume.

Vor dem Gebäude parkt ein Lastwagen mit Tirschenreuther Kennzeichen. "Der liefert Granit aus Dippersreuth." Feinsäuberlich holt ein Bagger die Steine von dem Anhänger des Lkw und legt sie vor einer Hamm-Walze ab. "Damit soll demonstriert werden, dass diese Walze die Steine zertrümmern kann", meint Beer. Die Mitarbeiter des Aufbau-Truppe sind ein erfahrenes Team, sie setzen und sortieren die Granitbrocken ästhetisch entlang des Fahrzeuges. "Durch die Übernahme von 'Deer & Company' wollen wir auch unsere Nähe zum Erdbau näher herausstellen."

Modell einer autonom fahrenden Walze

Jan Müller und Hubert Adam managen das Team. Die Hamm-Mitarbeiter sind seit Anfang Februar in München. "Auf dem Außengelände hatten wir schon jedes Wetter - Regen, Sonne, Schnee oder Hagel", berichtet Adam. Er zeigt Gottfried Beer, wo es noch Probleme gibt. An einer Stelle fehlt am Boden noch etwas Kies. "Das sieht nicht schön aus, das muss noch ausgebessert werden", sagt Beer. In der Nähe des Technik-Pavillons steht noch ein Wasser-Hydrant. "Der war in den Plänen an einer ganz anderen Stelle. Der muss weg, sonst können da unsere Fahrzeuge nicht richtig positioniert werden", bestimmt Beer. Doch am Ende des Rundgangs ist der Marketingleiter zufrieden. "Ich hab nur Kleinigkeiten gefunden, die sich schnell lösen lassen. Wir sind auf einen guten Weg."

Granit aus Dippersreuth

Hydrant im Weg

Von Tirschenreuth zur Bauma:

Wenn die Bauma 2019 beginnt, werden rund 50 Mitarbeiter der Tirschenreuther Hamm AG die Kunden vor Ort betreuen. "Sie kommen aus den Bereichen Technik, Service, Vertrieb und Marketing", erklärt Gottfried Beer. Auch drei Busse werden aus Tirschenreuth nach München fahren. "Sie bringen unsere Mitarbeiter zur Messe. Das ist schon etwas Besonderes, weil viel ja sehen wollen, wie sich die eigene Firma repräsentiert." Auch Auszubildende der Hamm AG werden vertreten sein. "Think Big heißt eine Station auf der Messe. Dort erklären unsere Azubis, was sich hinter dem Mechatronik-Beruf verbirgt. Wir fördern auch Frauen in Männerberufen."

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