17.05.2019 - 14:24 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Happy-End trotz Zyste im Kopf

Der Fall von Alexander Paul beweist es erneut: Schwerbehinderte können auch im ersten Arbeitsmarkt ihren Platz finden. Am Unternehmertag in Waldsassen wird das Thema ausführlich diskutiert.

Sie alle kümmern sich um Alexander Paul (von links) Die Vertrauenspersonen für Schwerbehinderte bei der Deutschen Post AG Ralf Williams-Niestrat und Thomas Brunner, Christina Ponader vom Netzwerk Inklusion, Martin Schmid und Beate Graf vom Integrationsfachdienst
von Siegfried BühnerProfil

Jahrelang hat der heute 29-Jährige Alexander Paul (Name geändert) es einfach nicht geschafft, dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt eingegliedert zu werden. Sobald eine Stress-Situation auftaucht, tritt die Blockade im Kopf auf. Zwar bewältigte Paul die Ausbildungszeit zum Anlagemechaniker, doch bei der Abschlussprüfung scheiterte er. Im Stresszustand schafft er es nicht, sich zu konzentrieren.

Es folgten Arbeitslosigkeitszeiten und immer wieder scheiternde Eingliederungsversuche auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Immerhin gelang es dem in der Nähe von Erbendorf wohnenden jungen Mann bei der Deutschen Post AG in Weiden eine befristete Beschäftigung als Kommissionierer zu erhalten. Doch auch dort zeigte es sich sehr schnell, in Stress-Situationen verliert er die Konzentration. Zwischenzeitlich haben die Ärzte bei Paul eine Zyste im Gehirn diagnostiziert, die Ursache für seine Leistungseinschränkung ist. Eine Operation wäre ein zu hohes Risiko.

Thomas Brunner, Vertrauensperson der Schwerbehinderten bei der Deutschen Post AG, kümmerte sich um den Mitarbeiter. "Vor zwei Jahren stellten wir einen Antrag auf Feststellung eines Behindertengrades" berichtet Brunner. In Anbetracht der eindeutigen Diagnose sei auch rasch die Anerkennung als Schwerbehinderter eingetroffen. Brunner knüpfte zusammen mit dem Integrationsfachdienst Kontakte mit Arbeitsagentur und Integrationsamt. Heute steht Paul in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis bei der Deutschen Post AG und sagt von sich selbst "jetzt bin ich voll und ganz zufrieden". Dazu beigetragen haben auch Lohnkostenzuschüsse zum Ausgleich der Minderleistung, zunächst für neun Monate von der Arbeitsagentur, anschließend ohne zeitliche Begrenzung durch das Integrationsamt.

Auch heute noch kümmern sich Brunner und der Integrationsfachdienst um den Behinderten. Der Schwerbehinderten-Vertrauensmann zieht Bilanz "Nur mit gemeinsamer Zusammenarbeit aller Beteiligten war dieser Erfolg möglich". Damit es in Zukunft noch viel mehr Eingliederungsfälle von Schwerbehinderten gibt, laden das Netzwerk Inklusion des Landkreises Tirschenreuth, der Integrationsfachdienst, der Landkreis Tirschenreuth und das Unternehmernetzwerk Inklusion alle Arbeitgeber in der nördlichen Oberpfalz zu einem Unternehmertag ein.

Hintergrund:

Der Unternehmertag

„Noch immer finden überdurchschnittlich viele Menschen mit Behinderung – auch solche mit hoher Qualifikation – keine Arbeit“ sagt Christina Ponader vom Netzwerk Inklusion. Oft seien es unberechtigte Vorurteile, die der Beschäftigung von Schwerbehinderten im Wege stehen. Mit positiven Beispielen soll am Unternehmertag diesen Vorurteilen entgegengewirkt werden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen zu Wort kommen, welche die Chance auf berufliche Inklusion ergriffen haben. Ausführlich wird auch von Experten der Veranstalter sowie des Inklusionsamts, der Arbeitsagentur und des Jobcenters und von IHK und HWK über Fördermöglichkeiten für Schwerbehinderte gesprochen. Tischgruppen sollen auch die Möglichkeit zum persönlichen Austausch de Teilnehmer geben. Der Unternehmertag findet am Dienstag, 21. Mai, von 17 bis 19 Uhr bei der Franz Kassecker GmbH in Waldsassen, Egerer Straße 36, statt. Anmeldungen werden erbeten unter Fax 0 96 33-40 03 27 oder christina.ponader[at]lh-tir[dot]de.

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