10.05.2020 - 13:42 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Der Herrgott trägt keinen Mundschutz

Zögerlich beginnt am Sonntag in den Kirchen wieder ein wenig Alltag. Wenn auch die Gottesdienste in der Region Tirschenreuth zu den gewohnten Zeiten stattfinden: Viele der erlaubten Plätze bleiben frei.

von Ulla Britta BaumerProfil

Gegen 7.40 Uhr betreten am Sonntagmorgen die ersten Gläubigen die Basilika in Waldsassen. Unsicher bleiben ein Ehepaar und ein älterer Mann stehen. Sie tragen Mundschutz. Aber sie wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen müssen. Am Kirchenportal werden sie von Waltraud Illmann und Stefanie Siller empfangen.

Die Pfarrgemeinderats-Mitglieder bitten darum, Desinfektionsmittel für die Hände zu verwenden. „Sie können sich dort hinsetzen“, weist Stefanie Siller das Ehepaar ein. In den Bänken liegen rote Zettel, rechts und links außen. Der Platz dazwischen sowie jeweils eine Bankreihe müssen wegen der Zwei-Meter-Abstandsregelung frei bleiben. 80 Kirchengänger kann Stadtpfarrer Thomas Vogl in die Basilika einlassen. Zur Acht-Uhr-Messe sind es deutlich weniger.

Keine Anmeldungen in Waldsassen

In der Basilika wird von einer Anmeldung vorher abgesehen. „Wir schauen, wie sich das entwickelt“, sagt Pfarrvikar Markus Hochheimer, der die erste öffentliche Messe nach acht Wochen Pause zelebriert. Vogl erklärt den Gläubigen kurz vor Beginn, wie sie sich verhalten, etwa beim Weg zur Kommunion. „Der Mundschutz kann aufbehalten bleiben oder abgelegt werden. Auch das Verlassen der Kirche ist geregelt. Während beim Einlass nur der Haupteingang geöffnet war wegen der Desinfektion, können sich die Leute nach der Messe auch durch die zwei Seitenausgänge aus dem Weg gehen.

Markus Hochheimer spricht ohne Mundschutz, er ist weit genug entfernt. Für die Kommunion behilft man sich in der Basilika mit einem einfachen Tisch zwischen Gläubigen und Priester, der mit Mundschutz und Handschuhe die Hostien verteilt.

In der Pfarrkirche St. Michael in Wiesau hat Pfarrer Markus Nees einen Sichtschutz für die Hostienverteilung bestellt. 20 Gläubige sind zur Neun-Uhr-Messe gekommen; 50 Kirchengänger hätten Platz. Die Plätze gibt es nach Anmeldung im Pfarrbüro, in der jeder dritten Kirchenbank gibt es nummerierte Plätze.

„Vieles ist in der Theorie leichter", so der Pfarrer vor dem Gottesdienst gegenüber Oberpfalz-Medien. Man werde sehen, wie sich die Maßnahmen praktisch bewähren. Auch hier werden die Gläubigen mit Desinfektionsmittel empfangen. Die Predigt dreht sich um die „Hauskirche“, angewandt im Mittelalter, als der christliche Glaube wenig verbreitet war und sich die Gläubigen vor Verfolgung schützen mussten. Nees spannt den Bogen zur aktuellen Krise. „Nun spielt die Hauskirche zur Andacht daheim wieder eine große Rolle."

Die Predigt ist kurz. Der Pfarrer möchte seinen Gläubigen den Mundschutz nicht zu lange zumuten und hat den Gottesdienst zeitlich gekürzt. Vor der Kommunion desinfiziert Nees seine Hände, zieht Handschuhe und Mundschutz über.

Pfarrer hinterm Schutzschild

Wenn auch in beiden Gotteshäusern vorbildlich alle Umstände hingenommen werden, ist die Szene gewöhnungsbedürftig für einen Sonntagsgottesdienst.Pfarrer Markus Nees stellt sich hinter sein "Schutzschild". Die Gläubigen gehen auf Abstand nach vorn und strecken ihre Hände durch eine kleine, rot gekennzeichnete Öffnung, wo der Priester dann mit einer Pinzette die Hostie hineinlegt.

Wenig später haben die Basilika und die St. Michaelkirche die Herausforderung "Gottesdienst in der Pandemie" mit Bravour geschafft. Die Priester können erleichtert durchschnaufen: Kirche auf Abstand ist möglich.

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