17.07.2019 - 15:31 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Herz an Afrikas Kinder verloren

Mit 76 Jahren denkt Pfarrer Josef Renner nicht an einen gemütlichen Ruhestand. Seine Mission ist und bleibt der Hilfseinsatz für Ghana.

Regionaldekan und Stadtpfarrer Georg Flierl begrüßte den ehemaligen Kaplan und jetzigen Pfarrer Josef Renner (links) herzlich als gern gesehenen Gast in Tirschenreuth.
von Ulla Britta BaumerProfil

Pfarrer Josef Renners heimliche Heimat ist Ghana. Seit vielen Jahren wirkt der ehemalige Kaplan von Tirschenreuth in Afrika und hat mit den Jahren für afrikanische Verhältnisse in Chamba eine geradezu luxuriöse Mission aufgebaut. Am Montag war Renner wieder einmal in der Kreisstadt, wo er im Pfarrsaal über Ghana erzählte. Gut 70 Besucher lauschten seinen Ausführungen und den Berichten von Irmgard Hilmer, die dem langjährigen Pfarrer von Kollnburg bei Viechtach bei seiner Mission hilft. "Ich dachte, ich treffe hier meine Jugendlichen wieder", scherzte der Geistliche und erntete dafür herzliches Lachen. "Aber im Herzen sind wir alle jung geblieben", meinte er weiter.

"Jung im Herzen" ist Renner immer noch. Auch im Alter von 76 Jahren ist er an Elan und Tatendrang für Ghana nicht aufzuhalten. "Am gleichen Tag, an dem ich in Pension geschickt wurde, flog ich um Mitternacht wieder nach Ghana", erzählte er. Das war im August 2013. Begonnen hat Pfarrer Renner aber mit seiner Missionsarbeit bereits 1980, als er eine Entbindungsstation aufbaute. Seit seiner Pensionierung sind Schulen und eine Kirche dazugekommen. Sogar einen 80 Meter tiefen Brunnen hat Renner bohren lassen. Für die Kirche habe er eine Glocke aus Kollnburg einfliegen lassen, berichtete der Seelsorger. Er sei damals im Jahr 1980 ohne einen Pfennig Geld nach Afrika gegangen, erzählte Renner. Und er berichtete von der Hilfe aus Tirschenreuth, ohne die er nicht hätte beginnen können. "Ihr habt das bewirkt", lobte er die Kreisstädter, die er in seiner Zeit als Kaplan kennenlernte. Die ersten Gebäude habe er von seinem Gehalt und den Spenden aus Tirschenreuth gebaut. "Da kamen plötzlich Spenden in Höhe von bis zu 1000 Mark von Tirschenreuther Bürgern, die ich in der Kirche im Gotteshaus nie gesehen habe", schmunzelte der Missionar. Auch deshalb komme er immer wieder gern zurück.

Als er 2013 zurück nach Ghana geflogen sei, habe er sich entschlossen, eine Schule aufzubauen. Was stark untertrieben klingt: Renner hat nicht nur "eine Schule" gegründet, sondern in Chamba ein komplettes Bildungssystem mit Kindergarten, Grundschule, Realschule und Gymnasium initiiert. "Manchmal habe ich gleich vier Baufirmen am Stück beschäftigt." Mittlerweile betreut der Pfarrer mit seinem Team gut 230 Kinder, die in der Schule auch Essen bekommen. Beim Vortrag, bei dem ihn Irmgard Hilmer vom Verein Ghana-Hilfe Pfarrer Renner unterstützte, zeigte der Geistliche manche Videos, um die Lebensfreude der Afrikaner zu demonstrieren. Bei Gottesdiensten in Deutschland lamentierten die Leute, dass er zu lang dauere. "In Ghana feiern wir manchmal drei, vier Stunden Gottesdienst", so der Missionar. Dabei würden zehn Glaubensrichtungen gleichzeitig anwesend sein, auch Muslime. "Da fragt keiner, ob die überhaupt eine katholische Kirche betreten dürfen." Es werde gesungen und gefeiert. Immer wieder erlebe er auch tanzende Klosterschwestern in den Messen.

Pfarrer Renner kann aber auch kritisch sein, geht es um das politische Verhältnis von Deutschland zu Afrika. Vehement prangerte er die in der Nähe der Missionsstation entstehenden Kühlanlagen an, wo Abfall aus der deutschen Hühnerproduktion verkauft werde. "Damit wird die Existenz unserer Hühnerfarmen in Ghana kaputt gemacht!" Nicht einverstanden ist er damit, dass Deutschland den Afrikanern die Fachkräfte abziehe. Immer mehr Ärzte, Ingenieure und Pfarrer gingen nach Deutschland. Kämen die Pfarrer zurück in ihre Heimat, seien sie vom Luxus verwöhnt, sagte der Missionar, der nach eigener Aussage keinerlei persönliches Hab und Gut besitzt und das sehr befreiend findet. Weil die Kollegen weggingen, müsse er eine Pfarrei mit 50 000 Gläubigen betreuen.

Aber lamentieren liegt Josef Renner fern. Er ist der Praktiker, der anpackt. Am 6. August fliegt der Missionar zurück nach Ghana, dann ist sein Heimaturlaub zu Ende. Wer den Pfarrer bei seiner Arbeit unterstützen möchte, kann dies über den Verein "Ghana-Hilfe Pfarrer Renner" in Atting, Telefon 09421/2 25 29, oder per E-Mail info[at]ghana-hilfe[dot]de tun. www.ghana-hilfe.de

Regionaldekan Georg Flierl begrüßte Pfarrer Josef Renner herzlich in der Pfarrei Tirschenreuth.
Irmgard Hilmer aus Atting unterstützt den Missionar mit Hilfsprojekten in Deutschland. Zum Vortrag hat sie Bastelarbeiten mitgebracht. Der Erlös aus dem Verkauf gehe zu 100 Prozent an die Ghana-Hilfe, betonte sie.
Viele Tirschenreuther interessierten sich für den Vortrag von Pfarrer Renner. Einige Frauen erinnerten sich noch an die Zeit, als sie als Jugendliche in Pfarrer Renners Jugendgruppe Mitglied waren.
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