Sie ist schwer, sie ist unhandlich, sie ist teuer und es braucht einen kräftigen Atem, um sie zu bedienen: Die Tuba hat es nicht leicht, sich als beliebtes Musikinstrument zu behaupten. Kaum einer mag sie spielen, und meist sind es höchstens Männer, die sich entschließen, Tubist zu werden. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wurde das große goldglänzende Blasmusikinstrument bundesweit in diesem Jahr zum „Musikinstrument 2024“ gekürt.
Warum das so ist und woran es nun wirklich liegt, warum die Tuba niemand bedienen mag, erklären Musiklehrer Miguel Lopez und Kreismusikschulleiter Tobias Böhm. Beide sind Blasinstrumentalisten.
Von Kolumbien nach Bayern
Miguel Lopez ist Kolumbianer. Der 38-jährige Musiklehrer siedelte vor knapp drei Jahren von seiner Heimat ins für ihn ferne Bayern um. Lopez unterrichtet außer in der Kreismusikschule (KMS) Tirschenreuth an der Musikschule Neutraubling und Wunsiedel. Sowohl Tobias Böhm wie auch Miguel Lopez haben sich in ihren Lehrfächern der Blasmusik verschrieben. Miguel Lopez sagt lachend, er kann alle Blasinstrumente bedienen. Und natürlich auch die schwerwiegende Tuba.
Im Probenraum der KMS gibt der Kolumbianer eine kleine Kostprobe „unplugged“. Was er aus diesem „Monstrum“ herauspresst, klingt richtig gut. Naja, kein Wunder: Lopez hat es einmal studiert. Aber das allein, sagt der Fachmann schmunzelnd, reiche nicht aus für die Tuba.
Verschiedene Modelle
KMS-Leiter Tobias Böhm hat sich zu Daten und Fakten des Instruments schlaugemacht. Er spricht von unterschiedlichen Modellen wie der Tuba in F oder der B-Contrabass-Tuba oder einer Doppel-Tuba. Die größte Tuba, erzählt Böhm, stehe im Deutschen Musikinstrumente-Museum in Markt Neukirchen. Diese sei zwei Meter hoch und wiege sage und schreibe 50 Kilogramm. Auch diese könne bespielt werden, weiß Böhm. Nur ob das jemals jemand versucht habe, kann er nicht sagen.
Zur Kür des Musikinstruments des Jahres 2024 erklärt er weiter, diese Auszeichnung gebe es erst seit 2008. Ziel sei es, zukünftigen Schülern und Schülerinnen oder Profimusikern ein bestimmtes Instrument durch die Herausstellung schmackhaft zu machen.
In der KMS Tirschenreuth könnte die Tuba genau diese Aufmerksamkeit dringend brauchen. Zwar ist eine Tuba vorhanden im Fundus der KMS. Nur gibt es aktuell keinen Schüler und keine Schülerin, der oder die sie spielen oder deren Technik erlernen möchte. „Man braucht auch die Körperstatur dazu“, erklärt Lopez das Stiefkind-Dasein der Tuba. Was nicht heißen soll, dass die Tuba nicht auch sogar von Kindern oder zumindest Jugendlichen oder von Frauen genauso erlernt werden könnte. Ab dem Alter von elf bis zwölf Jahren, sagen die beiden Fachmänner, können sich jederzeit junge Leute, die Spaß daran haben, an die Tuba wagen. Die Eltern sollten aber wissen, dass ihr Kind dann bei Auftritten und zum Unterricht immer Hilfe braucht für den Transport. Gespielt werden könne die Tuba jederzeit sitzend auf einem Stuhl mit einer Stützhilfe. Wichtig sei einzig, dass die Tuba dann richtig in Mundhöhe stehe.
Geeignet für Frauen
„Oftmals spielen die Musiker zuerst andere Blasinstrumente und nehmen dann die Tuba dazu“, berichtet Böhm. Lopez stellt die Tuba sogar als besonders geeignet für Frauen heraus. „Wenn Frauen sie spielen, entlocken diese der Tuba andere Klänge. Dann klingt es sehr schön, sanfter und harmonisch.“
Es gibt natürlich mehrere Gründe, warum die Tuba keiner mag. Jeder, der ein Blasinstrument spielen möchte, muss die nötige Luft über die sogenannte „Luftsäule“ ins Instrument transportieren. Dies sei bei der Tuba besonders schwer. „Das kann nicht jeder.“ Er trainiere in nahezu jeder Stunde mit seinen Schülern die Atemtechnik, egal welches Blasinstrument sich dieser ausgesucht habe. Das sei notwendig. Bei der Tuba aber sei die Technik manchmal nicht mit der Lungenkraft zu vereinbaren.
Ab 1200 Euro
Die Tuba könne drei bis sieben Ventile wie für Orchester haben, erklärt Lopez zu den technischen Daten. Beim Preis sei alles offen, begonnen von gut 1200 Euro bis zu Varianten im Wert von 25 000 Euro.
Lopez, der hauptsächlich Posaunist ist, unterrichtet alle tiefen Blasinstrumente. „Low Brass“ würden die im Fachjargon genannt, erklärt er. Dazu gehören auch der Bariton, das Euphonium und die Posaune. Die Tuba sei eigentlich gar kein Stiefkind, bricht er eine Lanze für das große Instrument. Sie komme bei den Blechbläsern, bei klassischer Musik, in Musikkorps, in Orchestern, in Symphonieorchestern und auch immer wieder Solo zum Beispiel mit Klavier zum Einsatz.
Ob es viele extra für die Tuba komponierte Musikstücke gibt, kann der Musiklehrer nicht sagen. Bei Wagner, Strauß und vielen anderen berühmten Komponisten sei sie natürlich regelmäßig im Einsatz. Tobias Böhm und Miguel Lopez würden sich freuen, „im Jahr der Tuba“ einen Schüler oder sogar eine Schülerin dafür begeistern zu können.
Die Tuba
- Der Name leitet sich vom lateinischen Begriff für Rohr oder Röhre ab.
- Die Landesmusikräte haben sie zum Instrument des Jahres 2024 gewählt.
- Ist das tiefste aller Blechblasinstrumente und sorgt in vielen Blaskapellen für satten, tiefen Sound.
- Die größte Tuba ist über zwei Meter hoch.
- Es gibt verschiedene Bauweisen. Die häufigste ist die Basstuba in Es oder F.
- Ausgerollt wäre eine Tuba mehrere Meter lang. Die B-Kontrabass-Tuba (auch "Doppeltuba" genannt) hat sogar eine 5,50 Meter lange Röhre.
- Sie wiegt circa zehn Kilogramm.























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