23.10.2020 - 19:37 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Jesus darf wegen Corona in Tirschenreuth erneut nicht sterben

Die „Neue Passion Tirschenreuth“ ist auch für 2021 abgesagt. Neuer Termin soll 2022 sein, die verpasste Europassion 2020 könnte vielleicht 2025 wiederholt werden.

Die Tirschenreuther Passion wird auch für 2021 abgesagt. Hier Eine Szene aus früheren Jahren.
von Ulla Britta BaumerProfil

Das trübe Wetter passte zur Stimmung im Rathaus, wo Bürgermeister Franz Stahl gemeinsam mit Mirko Streich, Vinzenz Rahn, Peter Geyer und Gaby Saller zur Pressekonferenz geladen hatte. Die Nachricht: Die Stadt Tirschenreuth hat aufgrund der Coronakrise die Aufführung der "Neuen Passion" auch für das Jahr 2021 abgesagt.

Bürgermeister Stahl erinnert sich an den Tag im März, als er das Aus für die Europassion verkünden musste. "Das ist jetzt neun Monate her. Wir hatten große Hoffnungen auf 2021 gelegt." Um vernünftig planen zu können, müssten die Proben beginnen und der Vorverkauf. Das lasse die jetzige Situation nicht zu. Die Stadt werde weiterhin im kulturellen Bereich alles tun, was möglich sei. "Aber eine Passion ist nicht möglich." Würde sich nur ein Schauspieler infizieren, wäre alles erledigt und über 100 Teilnehmer müssten in Quarantäne. Und wie solle Maria ihren toten Sohn Jesus bei dem vorgeschriebenen Abstand im Arm halten? Auch die Abendmahlszene funktioniere mit 1,50 Meter Abstand nicht. Außerdem habe die neue Version mehr als nur 150 Zuschauer verdient. Mehr seien aber im Kettelerhaus pro Aufführung aktuell nicht erlaubt. "Wir waren zu 100 Prozent ausverkauft", so Stahl. Aber Schutz der Menschen gehe vor. "Alles andere wäre unverantwortlich."

Inzwischen seien auch die Darsteller informiert worden. Gemeinsam habe man die Aufführung der "Neuen Passion Tirschenreuth" für 2022 ins Auge gefasst. Was für Stahl heißt: "In einem Jahr stehen wir wieder hier für neue Planungen zur Passion." Ein Zuckerl hatte Gaby Saller. Bernhard Neumann, Darsteller des Judas, will im März 2021 den Monolog des Judas aufführen. "Mit dieser Idee beschäftigen wir uns momentan gedanklich", so Saller. Da der Judas in der Passion eine neue, größere Rolle bekommen habe, biete es sich an, ihm diese eigene Darstellung zu ermöglichen. Als besonderen Aufführungsort schlug Saller den Keller der Fronfeste vor. Stahl war sofort Feuer und Flamme dafür.

Hier erfahren Sie mehr über die erste Absage

Tirschenreuth

Vinzenz Rahn, Kenner nahezu sämtlicher Europäischer Passionsspiele, war wirklich sehr angeschlagen, was ihm anzusehen war. "Schade darum, aber es war absehbar", sagt Rahn und berichtete von den Kollegen in Europa, wo vier Passionen ebenfalls bereits abgesagt seien. Die Europassions-Statue, die den Vertretern der Kreisstadt als Spielort vor einem Jahr in Frankreich überreicht worden war, steht immer noch bei ihm zu Hause. "Keiner weiß, wie es weitergeht", so Rahn. Er habe für Tirschenreuth eine neue Bewerbung an den Passionsrat geschickt. Nächster möglicher Zeitpunkt wäre 2025.

Jesus am Kreuz hörte zu und wenn er's sagen könnte, hätte er es ebenfalls bedauert: Unter dem Kruzefix erklärten Peter Geier, Gabay Saller, Bürgermeister Franz Stahl und Vinzenz Rahn die "Neue Passion Tirschenreuth" auch für das Jahr 2021 endgültig für abgesagt.
"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber es geht um die Gesundheit der Darsteller und Zuschauer." Bürgermeister Franz Stahl.
Die Europassions-Statue ist immer noch bei Vinzenz Rahn. Bisher hat das Europassions-Gremium nicht entschieden, was mit ihr weiterhin passieren soll.
Vinzenz Rahn hat wie die Vorgänger der stattgefundenen Europassionen ein kleines Messingschild als Hinweis auf Tirschenreuth angebracht. Nur steht unter Tirschenreuth im Hinblick auf den geplatzten Kongress, was einmal sein dürfte, als Zusatz: "Ausgefallen".
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