19.07.2018 - 14:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Jugend darf ein Wörtchen mitreden

Bei der Neugestaltung der Freizeitanlage am Fuchsmühler Badeweiher sollen die Jugendlichen mitreden dürfen. Bürgermeister Wolfgang Braun übernimmt damit im Landkreis eine Vorreiterrolle.

Bei der Neugestaltung des Badeweiher Fuchsmühls soll es eine Zukunftwerkstatt zu Einbindung der Jugendlichen geben.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

(wb) Er ist der erste Bürgermeister im Landkreis, der zur Zukunftswerkstatt einlädt. Marktgemeinde, Landkreis und das Amt für Ländliche Entwicklung wollen unter diesem Arbeitstitel die jungen Leute bei der geplanten Neugestaltung des Areals einbinden. In der Bürgermeisterversammlung am Dienstag im Landratsamt erläuterte Kreisjugendpflegerin Theresia Kunz, wie sie sich diese Beteiligung vorstellt.

Kollege mit Erfahrung

„Die Jugend ist unsere Zukunft, und um die müssen wir uns kümmern“, meinte Kunz. Sie ermunterte die Bürgermeister, sich auf die Zukunftswerkstatt einzulassen und damit das Motto „Jugendgerechte Kommune, jugendfreundlicher Landkreis“ mit Leben zu erfüllen. Mitgebracht hatte sie einen Kollegen, der bereits reichlich Erfahrung mit solchen Projekten gesammelt hat: Kreisjugendpfleger Jürgen Ziegler aus Kulmbach. Er hat bereits viele Zukunftswerkstätten mit Erfolg abgewickelt.

Mittlerweile sei das Projekt ein mit vielen Preisen dekorierter Exportschlager geworden, schmunzelte Ziegler. Vom Bayerischen Innovationspreis bis zum „SchutzBengel-Award“ sei das Projekt bereits mehrfach ausgezeichnet worden. „Der Aufwand ist im Verhältnis zum Ergebnis durchaus vertretbar“, meinte der Mann aus Kulmbach.

Jugendamtsleiter angetan

Der Kreisjugendpfleger zeigte auf, wie es mit dem Kulmbacher Konzept gelingt, bei einem einzigen Treffen die Wünsche der Jugendlichen im Ort zu sammeln, zu bewerten und auch schon mal grob die Realisierbarkeit zu prüfen. Natürlich gebe es dabei viele illusorische Wünsche, wie eine neue Disco am Ort, aber es kämen fast immer auch Anregungen, die sich umsetzen ließen, wie zum Beispiel ein überdachter Grillplatz. Und die Jugendlichen würden nicht nur fordern, sondern seien oft auch bereit, bei der Verwirklichung zu helfen, richtig mit anzupacken. „Es kommt immer wieder vor, dass Jugendliche sagen, das ist mein Ding, da mache ich mit.“

Der Mann aus Kulmbach sah keine Probleme, dieses Modell – eventuell mit leichten Abänderungen – auf den Landkreis Tirschenreuth zu übertragen. Wichtig sei es dabei, dass die Bürgermeister den Treffen mit der Jugend dann auch Reaktionen folgen ließen. Ziegler: „Die Jugendlichen müssen merken, dass sie ein wichtiger Teil der Stadt, der Gemeinde sind, dass ihr Anliegen ernst genommen wird.“

Jugendamtsleiter Emil Slany fand, dass das Modell ein super Ansatz sei, weil man den Jugendlichen damit Freiraum lasse und ihnen gleichzeitig Wertschätzung entgegenbringe. Daraus könne sich durchaus etwas entwickeln. Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier gab den Denkanstoß, ob es nicht sinnvoll sei, größere Einheiten zusammenzufassen, vielleicht könne man sogar die vorhandenen Gemeindeverbünde Ikom Stiftland und Steinwald-Allianz nutzen.

Davon hielt Theresia Kunz nicht viel. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass sich Jugendliche in erster Line für das Geschehen und die Angebote am eigenen Ort interessieren würden. Es sei deshalb effektiver dort anzusetzen als auf Ebene der Gemeindeverbünde oder gar des Landkreises. „Das ist für viele Jugendliche schon zu weit weg.“

Die Vorstellung des Projekts „Zukunftswerkstatt“ fiel zumindest teilweise auf fruchtbaren Boden. Nach der Bürgermeisterversammlung meldete eine zweite Gemeinde Interesse an. „Die Gespräche sind sehr vielversprechend“, so Theresia Kunz. Mehr könne sie zum derzeitigen Zeitpunkt leider noch nicht sagen.

Kreisjugendringvorsitzender Jürgen Preisinger und Bildungsreferent Friedrich Wölfl nutzten die Zusammenkunft, um für Aktionen des Kreisjugendrings zur Landtagswahl die Werbetrommel zu rühren. „Die Jugendbeauftragten können sich hier wunderbar einbringen“, ermunterte Preisinger die Bürgermeister, für das Projekt „Demokratie leben“ die Rolle von Multiplikatoren zu übernehmen. Preisinger: „Am liebsten würden wir in jeder Gemeinde im Landkreis etwas machen.“

Informationssicherheit

Weitere Themen waren die Integration von anerkannten Flüchtlingen (Hilke Janssen vom Jobcenter Tirschenreuth informierte über Probleme und Fördermöglichkeiten bei der Jobsuche), die Breitbandförderung für Schulen (Oliver Schrempl beleuchtete die Förderrichtlinien), Zuschüsse bei der Ertüchtigung bzw. dem Ersatzneubau von Kläranlagen (die Bürgermeister beklagten hier zu hohe Schwellenwerte) sowie die Einstellung eines gemeinsamen Informationssicherheitsbeauftragten, der voraussichtlich zum 1. September die Arbeit aufnehmen wird und dann möglichst schnell alle Städte und Gemeinden besuchen soll. Bürgermeister-Sprecher Lothar Müller: „Das scheint zu laufen.“

Kreisjugendring-Vorsitzender Jürgen Preisinger will mit der Aktion „Demokratie leben“ junge Leute für Politik interessieren.

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