23.07.2019 - 15:20 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Jugendsozialarbeiter an 13 Schulen im Landkreis Tirschenreuth

Schwierige Familienverhältnisse, Migration und sozial-emotionale Störungen der Schüler bringen Lehrer an ihre Grenzen. An immer mehr Schulen im Landkreis sind deshalb Jugendsozialarbeiter im Einsatz.

An der Marien-Grundschule in Tirschenreuth soll es bald einen Jungendsozialarbeiter geben.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Zentraler Punkt im Jugendhilfeausschuss des Landkreises waren kürzlich die Anträge auf eine Stelle für einen Jugendsozialarbeiter an den Grundschulen Immenreuth und Tirschenreuth. "Sie begründen das jeweils mit einer gestiegenen Anzahl an Kindern mit sozialen Beeinträchtigungen und den damit gestiegenen Problemlagen", erklärte Jugendamtsleiter Emil Slany.

An zehn Schulen im Landkreis ist die Jugendsozialarbeit bereits eingerichtet, für die Grundschule Waldershof läuft derzeit ein Bewilligungsverfahren bei der Regierung. Größten Bedarf haben Mittelschulen, Förderzentren und Grundschulen. "Die Jugendarbeit an Schulen haben wir in fast jeder Sitzung der vergangenen Jahre diskutiert. Wir sehen die Notwendigkeit", verdeutlichte Slany.

Im aktuellen Schuljahr haben an der Marien-Grundschule in Tirschenreuth etwa 50 von 266 Schülern einen Migrationshintergrund. Auch instabile Familienverhältnisse, soziale Benachteiligung und spezifische Beeinträchtigungen, wie Körperbehinderung oder Autismus, würden eine Jugendsozialarbeit erforderlich machen. Betroffene Eltern von verhaltensauffälligen Kindern würden zudem angebotene Gesprächstermine oder Elternabende kaum oder gar nicht wahrnehmen.

Mit herausforderndem Verhalten im sozial-emotionalen Bereich hat auch die Grundschule Immenreuth zu kämpfen. Das Kollegium begründet den Bedarf unter anderem damit, dass im Gebäude neben der Grundschule auch das Sonderpädagogische Förderzentrum untergebracht ist. Die beiden Kollegien bemühen sich sehr um eine gute Zusammenarbeit, jedoch entstünden unter den Schülern immer wieder Reibungen, etwa in den Pausen oder auf den Toiletten. Auch Mobbing spiele eine Rolle.

14 Kinder aus dem SOS-Kinderdorf, die teils starke posttraumatische Belastungsstörungen aufweisen, besuchen die kleine Schule mit aktuell 101 Schülern. Diese zusätzliche Herausforderung bringe Lehrer und Schulleiter an ihre Grenzen. Die Einrichtung wünscht sich daher eine kontinuierliche fachgerechte sozialpädagogische Unterstützung im Schulalltag.

Der Jugendhilfeausschuss erkannte den Bedarf einer Jugendsozialarbeit an beiden Schulen an. An der Marien-Grundschule hat sich für die Trägerschaft der Caritasverband beworben. Das Gremium schlug vor, in der Kreisstadt eine Fachkraft mit 35 Wochenstunden einzusetzen. Angesichts der wesentlich kleineren Einrichtung in Immenreuth wurde dort ein Bedarf im Umfang einer Halbtagesstelle anerkannt. Als Träger ist das SOS-Kinderdorf vorgesehen. Damit würde der Finanzierungsanteil des Landkreises für beide Schulen jährlich fast 23 000 Euro betragen. Für alle dann eingerichteten Jugendsozialarbeiten an Schulen (JaS) summiert sich der jährliche Anteil für den Kreis auf etwa 200 000 Euro.

"Auf die Schülerzahl gesehen sind wir im Landkreis mit der Jugendsozialarbeit sehr gut aufgestellt", betonte Slany. "Die Jugendsozialarbeit ist ein Segen für die Schulen", verdeutlichte Landrat Wolfgang Lippert. "Auf der anderen Seite gibt das zu denken." In der Tatsache, dass Jugendsozialarbeiter bereits an Grundschulen gebraucht werden, erkenne er ein gesellschaftspolitisches Problem, "das man frühzeitig an der Wurzel packen muss."

Das JaS-Projekt in Tirschenreuth und Immenreuth kann frühestens ab 1. Januar 2020 starten, informierte Slany. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Antrag bis zum 1. Oktober 2019 bei der Regierung eingereicht wird. Der Kreisausschuss stimmte am Montag dem Vorschlag des Jugendhilfeausschusses zu.

Hintergrund:

Noch ist Personal vorhanden

Aus dem Jugendhilfeausschuss kam die Frage, ob es schwer sei, Personal für die Jugendsozialarbeit-Stellen zu finden. "Es wird immer schwieriger", antwortete Slany. "Die Träger melden, dass sie den Bedarf noch abdecken können." Außerdem monierte Jürgen Preisinger, Leiter des Kreisjugendrings, dass die Jugendsozialarbeit eigentlich Sache des Kultusministeriums und des Schulamts sei (Schulsozialpädagogik).

Slany deutete Abstimmungsprobleme zwischen Bund und Ländern an. "Es gibt noch keine Pläne, wie Schulsozialpädagogen genau eingesetzt werden sollen. Im Landkreis Tirschenreuth ist das in nächster Zeit nicht vorgesehen." (szl)

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