22.08.2018 - 13:28 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kalender macht Schule

Es ist nur ein kleiner Schultaschenkalender. Doch der ist so gelungen, dass er nun bundesweit Beachtung findet - sehr zur Freude des "Netzwerks Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen".

Landrat Wolfgang Lippert, Sabeine Frank, Astrid Bösl, Elisabeth Scherb, Marianne Fütterer und Gisela Worf (v. li.) sind stolz auf das beeindruckende Layout, das Stefan Malzer (re.) für das Netzwerk "Prävention sexualisierte Gewalt für den Landkreis Tirschenreuth" konzipiert hat.
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) Der Kalender hilft Betroffenen, sich professionellen Rat zu holen, indem er alle wichtigen Kontaktadressen auflistet. Zudem ist das Layout derart gut gelungen, dass der Drei-W-Verlag in Essen, der sich auf Jugendschutzbroschüren und Schulferien-Taschenkalender spezialisiert hat, den Tirschenreuther Planer als Musterbeispiel bundesweit in seinem Katalog verwendet.

Jährlich erstellt die Kommunale Jugendarbeit im Landkreis Tirschenreuth im Auftrag der Präventions-Gruppe diesen Kalender in einer Auflage von 5000 Stück. Verteilt wird er über die Schulen an Jugendliche ab der fünften Jahrgangsstufe. Als Astrid Bösl vom Allgemeinen Sozialdienst am Kreisjugendamt von der Ehre für den Tirschenreuther Taschenkalender erfuhr, nutzte sie die Gelegenheit, das neue Werk dem Landrat zu präsentieren.

Logo selbst kreiert

Stefan Malzer, Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsarbeit am Landratsamt, hat das Layout mit vier ineinander greifenden Händen konzipiert. Das abgedruckte Logo symbolisiert ein "Halt"-Zeichen gegen sexualisierte Gewalt. Zudem soll es Zusammenhalt, Unterstützung und gemeinsames Handeln gegen dieses immer noch sehr stark tabuisierte Thema zum Ausdruck bringen, heißt es in der Beschreibung.

Landrat Wolfgang Lippert und die Netzwerk-Mitglieder zeigten sich stolz, dass eine Grafik aus dem Haus bundesweit die Runde macht. Alle waren sich einig, das Logo in Absprache mit den Machern für den nächsten Schulferien-Taschenkalender 2018/2019 noch einmal zu verwenden.

Nach Auskunft von Astrid Bösl ist das Netzwerk vor zwei Jahren neu aktiviert worden. Man stehe seitdem immer im Kontakt, zweimal jährlich gebe es Netzwerktreffen. "Hand in Hand", wie das Logo aus zum Ausdruck bringe, wolle man helfen. "Denn die Dunkelziffer ist hoch."

Von 150 Fällen in den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt an der Waldnaab sowie der Stadt Weiden berichtete Elisabeth Scherb von "Dornrose gegen sexualisierter Gewalt". Die Beauftragte stellte heraus, dass nicht immer nur Kinder und Jugendliche betroffen seien. "Viele junge Frauen, die in ihrer Kindheit Gewalt erlebt hätten, kommen erst Jahre später." Die Scham, darüber zu sprechen, sei eine große Hemmschwelle. Die Betreuung geschehe anonym, betonte Scherb. Jeder könne sich melden, ohne dass eine weitere Person etwas erfahre. Bei Dornrose gebe es eine begleitete Selbsthilfegruppe für Frauen, bei der Plätze frei seien.

Scherb betonte, dass Dornrose und das Netzwerk auch betroffenen Jungs helfe. Jedoch sei Weiden nicht darauf spezialisiert. Hilfe würden Facheinrichtungen in Nürnberg oder München leisten. Weiter biete Dornrose Fachvorträge in Schulen, Firmen (bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz) und in Lehrer- und Erzieherinnenkreisen an. "Und wir haben den einzigen Frauennotruf in der gesamten Oberpfalz", so Scherb.

Für Vereine Kurse

Sabine Frank von der kommunalen Jugendarbeit sieht auch im Ehrenamt eine große Chance, sexualisierte Gewalt einzudämmen. Es gelte, Jugendbeauftragte in Vereinen und Organisationen zu sensibilisieren. Für Vereine gebe es spezielle Kurse.

Von ihren Erfahrungen erzählte Marianne Fütterer von Netzwerk frühe Kindheit am Kreisjugendamt (KoKi). Immer wieder seien Mütter bei ihr wegen Problemen zu ihren Kindern, die plötzliche über sexualisierte Gewalt in ihrer Kindheit sprächen, die sie über Jahre hinweg verdrängt hätten. Das Netzwerk sei hier eine wichtige Hilfe. Gisela Worf von der Schwangerschaftsberatungsstelle berichtete von Präventionsarbeit an Schulen, mit denen ein Bewusstsein für Sexualität sowie die Grenzen ge schaffen werden solle.

Die auffällige Grafik mit den ineinander greifenden Händen soll ein weiteres Mal als Logo für den Schulferien- Taschenkalender Verwendung finden.

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