Robin Frank ist der Clown im Circus Henry, der ab heute in der Kreisstadt gastiert. Der 27-Jährige ist der Sohn des Zirkusdirektors Georg Frank. Robin gehört wie seine achtjährige Nichte Thalia zu einem Zirkus, der bereits seit der neunten Generation als Familienbetrieb geführt wird. Der Circus Henry, erzählt Robin stolz, ist 1812 in Breslau gegründet worden. Wie Robin stand auch Thalia bereits im Alter von zwei Jahren in der Manege. Ihre lila gefärbten Haare gehen ihr bis zu den Kniekehlen und gehören zu ihrem Bühnen-Outfit. Thalia tritt in die Fußstapfen ihres Onkels und bringt als Clown Kinder zum Lachen.
60 Tiere zu versorgen
Diesmal hilft Thalia beim Füttern, sie hat Ferien. Ansonsten gehen die Zirkuskinder vormittags in die Schule des jeweiligen Standorts. Die sibirischen Steppenkamele bekommen Brot. "Wir kommen gut zurecht", antwortet Frank auf die Frage, wie schwierig es für ihn sei, für die Zirkustiere wegen der Engpässe ausreichend Futter zu besorgen. Der Zirkusclown freut sich, dass die Landwirte im Umkreis kooperativ seien. Er muss 60 Tiere versorgen, darunter die Kamel-Herde mit zwei Babys, Indianerpferde und exotische Rinder.
Um ausreichend Futter zu haben, müssen die Zirkusleute an jedem neuen Standort ausschwärmen. Sie fahren zu den Landwirten, wo sie um Heuballen nachfragen. In einer Woche verfüttert Robin gut sechs davon. "Wenn ein Bauer eine gute Ernte hat oder viele Felder, kriegen wir manchmal alles auf einmal. Dann sind wir rasch versorgt." Aber es wäre auch in Ordnung, wenn mehrere Landwirte angefahren und gefragt werden müssten. "Die kennen das und sind sehr aufgeschlossen." In Schwarzenbach a. d. Saale schenkte ihnen ein Futtermittelladen eine Mineralfutter-Spende. "Das war super."
Sorgen macht sich Robin keine, auch wenn er von Getreide-Engpässe hört. "Schwierig wird es bei der Weihnachts-Gala in Frankfurt an der Oder. Dort sind wir mehrere Wochen und müssen die ansässigen Bauern mehrmals aufsuchen."
Alltag im Zirkusleben
Logistik und Muskelkraft gleichermaßen sind beim Zirkus gefragt: Beim Aufbau des großen Viermast-Zeltes, in dem 500 Zuschauer Platz haben, sind nur vier Männer beteiligt. "Acht wären besser. Aber es geht zur Not mit zwei", erklärt der Sohn des Zirkusdirektors.
Derweil fährt die Post vor. Thalias Mutter, Nadine Mai, erwartet drei Pakete. Wie geht das, wenn man ständig an einem anderen Ort ist? "Ich muss alles rechtzeitig bestellen, dass es in der jeweiligen Woche ankommt", erklärt die 34-jährige Mutter von drei Kindern. Mit der Post sei das einfach. "Aber mit Strafzettel wird's schwierig", sagt Nadine und lacht. Für solche Fällen sammelt eine Freundin in Hof die Briefe.
Exoten in der Manege
Inzwischen ist die 13-köpfige Kamel-Herde satt. Sie sind die Exoten in der Manege. Robin erklärt, dass der Circus Henry die Haustier-Show mit Kühen als Besonderheit aufgenommen habe. Man müsse etwas bieten, was andere nicht haben. Früher hat sein Großvater noch Bären vorgeführt. Aber das ist vorbei. "Die Haustiere seien sehr gelehrig. Ein Ochse ist schlauer als ein Pferd", sagt Robin. Die Passion des 27-Jährigen ist aber das Clown-sein. Er müsse alle Gesichter des Daseins, Trauer wie Freude, nachahmen können. Nur dann sei er ein richtiger Clown.
"Dafür muss man geboren sein", sagt Robin. Er ist als Jüngster von neun Geschwistern der einzige, der das könne. Seine Brüder und Schwestern sind aber auch in der Henry-Manege unterwegs oder bauten längst einen eigenen Zirkus auf. Einmal Clown, immer Clown. Robin liebt seinen Beruf. "Davon kommt man ein Leben lang nicht los."
Premiere des Circus Henry am Tirschenreuther Festplatz ist am Donnerstag, 30. August, um 17 Uhr. Weitere Aufführungen sind am Freitag und Samstag ebenfalls um 17 Uhr. Die letzte Vorstellung ist am Sonntag, 2. September, um 11 Uhr. Tickets gibt's an der Zirkuskasse jeweils ab 10 Uhr.



















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.