Rudolf Ehstand ist ein begeisterter Radfahrer und Wanderer. Schon allein beruflich bedingt. "Ich war früher Bauzeichner und Bauleiter im Hochbau. 15 Jahre lang habe ich auch Rad- und Wanderwege im Landkreis Tirschenreuth geplant, beschildert und betreut", erzählt der Tirschenreuther. Mittlerweile ist Ehstand 74 Jahre alt und nur noch "freizeitmäßig" auf den Wegen unterwegs.
Besonders faszinieren ihn dabei die vielen kleinen und großen Kapellen am Wegesrand. "Ich hatte schon immer ein Faible für Kirchenbauten", erzählt er. Die Zeugnisse der Volksfrömmigkeit begeistern und berühren ihn. "Dabei bin ich nicht einmal sehr gläubig", sagt er. Irgendwann habe er angefangen, Kapellen zu fotografieren und dazu kurze Beschreibungen zu verfassen. Anfangs einfach nur so aus Spaß an der Freud, irgendwann sei eine richtige Sucht daraus geworden. Das Ergebnis ist nun ein rund 240 Seiten dickes Buch, ein richtiges Kapellenlexikon für den Landkreis Tirschenreuth, das nun erschienen ist.
Nach Gebieten gegliedert
In neun Kapiteln stellt Rudolf Ehstand darin rund 270 Kapellen in Wort und Bild vor. "Das Werk ist über einen Zeitraum von zirka fünf Jahren entstanden", erzählt der Tirschenreuther. Was ihn dabei stets aufs Neue beeindruckt: "Viele dieser Kapellen werden von den Familien und Eigentümern immer noch liebevoll gepflegt." Und vielerorts werde auf die sakralen Bauten auch gut aufgepasst. Mehrfach sei es vorgekommen, dass er von Ortsbewohnern angesprochen worden sei, was er da mache, wenn er einen Stopp eingelegt habe, um eine Kapelle zu fotografieren und zu dokumentieren. Dabei seien interessante Gespräche entstanden, bei denen er viel Interessantes über die sakralen Bauten erfahren habe, erzählt er.
Viele Kapellen sind demnach aus Dankbarkeit errichtet worden, einige auch aufgrund eines Gelübdes, manche nach einem Traum. So zum Beispiel die Freihls-Kapelle bei Wondreb (Stadt Tirschenreuth). Einer verwitweten Bäuerin soll dort im Schlaf der verstorbene Ehemann erschienen sein und sie beauftragt haben, das Sakralgebäude errichten zu lassen. Eine Feldkapelle bei Erlhammer (Gemeinde Reuth b. Erbendorf) wurde von einem Sägewerksbesitzer zum Gedenken an seine zwei im Zweiten Weltkrieg verstorbenen Söhne erbaut. Mit der Feldkapelle bei Inglashof (Stadt Erbendorf) wurde nach den Aufzeichnungen das Gelübde eingelöst, das ein Teilnehmer beim Russlandfeldzug von Napoleon gegeben hatte. Er soll im Falle seiner Rückkehr in die Heimat den Kapellenbau versprochen haben. Der Soldat kehrte zurück, verstarb aber bald darauf. Seine beiden Brüder lösten für ihn das Versprechen ein.
Solche Geschichten habe er nur in sein Buch aufgenommen, wenn sie ihm auch fundiert erschienen seien, berichtet Ehstand. Ansonsten habe er sich in seinem Manuskript auf das Wesentliche beschränkt: auf kurze architektonische Beschreibungen, das Jahr - und so weit bekannt - den Grund der Erbauung, die Lage sowie die GPS-Daten der Kapellen. Denn das Buch solle auch dazu ermuntern, selbst Kapellenfahrten zu unternehmen. Ehstand gibt dem Leser am Ende deshalb auch 16 Tourentipps für die Besichtigung der kleinen Heiligtümer mit auf den Weg. "Die Strecken können auch mit dem Auto abgefahren werden, ab und zu muss man dann halt ein Stückchen gehen, um ein Ziel zu erreichen", erzählt der Tirschenreuth.
"Es werden übrigens noch immer Kapellen im Landkreis gebaut", berichtet er. Besonders im Kemnather Land seien dazu etliche Kapellebauvereine gegründet worden. Teilweise seien die dabei errichteten Sakralbauten besonders schön künstlerisch ausgestaltet, so die Auferstehungskapelle in Schwarzenreuth, die der Neustädter Künstler Max Fischer gestaltet hat, oder die ungewöhnliche "Insel der Ruhe" am Steinwaldradweg bei Erbendorf, die sich Künstler Erwin Otte aus Reuth bei Erbendorf ausgedacht hat.
"An der Entstehung des Buchs ist ,Der neue Tag' nicht ganz unschuldig", schmunzelt Rudolf Ehstand. Denn die Zeitung habe letztlich den Kontakt zu Leonhard Zintl vom Heimat- und Kulturverein Waldeck hergestellt, der dafür gesorgt habe, dass die Sammlung von Ehstand nicht in der Schublade verstaubt, sondern nun in den Regalen der Buchhandlungen in der Region steht. Als Zintl vor etwa zwei Jahren mit Mitstreitern einen Kapellenweg von Tirschenreuth nach Waldeck vorstellte, wies unsere Zeitung in einem Kommentar darauf hin, dass es entlang der Strecke viel mehr bemerkenswerte Kapellen gebe als die im Flyer aufgeführten.
Kapellenflyer der Auslöser
Das hatte einen Schriftwechsel zwischen Zintl und der Redaktion zur Folge, bei der fast zwangsläufig der Name von Kapellensammler Rudolf Ehstand fiel. Schnell waren sich die beiden Männer einig, die ohnehin beachtliche Sammlung zu komplettieren und statt eines neuen Flyers gleich ein ganzes Buch zu veröffentlichen. Mit dem Buch- und Kunstverlag Oberpfalz der Battenberg-Gietl-Verlagsgruppe in Regenstauf wurde ein Verlag gefunden, der das Buch drucken ließ und es vertreibt.
Bereits vor dem Erscheinen hat Ehstand mit einer neuen Sammlung begonnen. "Ich fotografiere und dokumentiere nun Marterln und Gedenksteine im Gebiet der Städte Tirschenreuth und Bärnau", erzählt er. Ob daraus ebenfalls ein Buch werde, wisse er noch nicht, sagt der Ruheständler. Rudolf Ehstand: "Es kommt so, wie es kommt."
Buch "Kapellen im Landkreis Tirschenreuth"
- Erschienen im Buch- und Kunstverlag der Battenberg-Gietl-Verlagsgruppe mit Sitz in Regenstauf
- Im Buch werden auf rund 240 Seiten rund 270 Kapellen und Grotten im Landkreis Tirschenreuth vorgestellt
- Eingeteilt ist das Buch nach Gebieten in 9 Kapitel.
- 16 Tourentipps ermuntern den Leser dazu, die Kapellen selbst zu besuchen.
- Autor Rudolf Ehstand hat fünf Jahre an dem Werk gearbeitet
- Erhältlich ist das Buch, das als Broschur erschienen ist, für 19,90 Euro in jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlag.




















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