725 Wohneinheiten für Menschen mit geringem Einkommen unterhält die Kommuale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft (Kewog) derzeit. Damit deckt man etwa 70 Prozent der Sozialwohnungen im Landkreis Tirschenreuth ab, sagt Geschäftsführer Bernd Büsching. Doch der steigende Sanierungsbedarf des Bestands, teilweise noch aus den 1950er- und 1960er-Jahren, bereitet Sorge: "Das wird unser Kernproblem." Verschärft wird die Situation durch die Energiekrise, denn die Häuser werden mit Gas oder Öl beheizt.
Gemeinden gefordert
Viele Sozialwohnungen würden in den nächsten 10 bis 15 Jahren wegbrechen, weil sie nicht mehr sinnvoll zu sanieren seien, nicht zuletzt aus energetischen Gründen: "Wie sollen wir bei einem alten Mietshaus mit 20 Wohneinheiten eine Biomasse-Heizung einbauen?", spricht sich Büsching dagegen aus, "sinnlos Millionen auszugeben". Er bittet die Kommunen dringend, für Nachfolgelösungen möglichst zentral gelegene Grundstücke zur Verfügung zu stellen, um bezahlbaren und dennoch zeitgemäßen Wohnraum zu verwirklichen.
Der Landrat und Aufsichtsratsvorsitzende Roland Grillmeier pflichtet bei: "Das wird nicht einfach. Aber da sind alle 26 Bürgermeister gefordert." Das auf Kommunen zugeschnittene Förderprogramm Wohnraumpakt Bayern werde viel zu wenig genutzt. Sein Wunsch: "Auch jede kleinere Gemeinde könnte sechs bis acht Wohneinheiten verwirklichen."
Neue Grundrisse gefragt
Die Kewog könnte mit den Kommunen und entsprechender Förderung Nachfolgekonzepte für den langsam wegbrechenden Altbestand an Sozialwohnungen schaffen: "Wir müssen neue Grundrisse entwickeln, für ältere Menschen barrierefrei bauen, an betreutes Wohnen denken", meint Büsching. Das könnte eine Reihen- oder Doppelhausbebauung mit wenig Flächenverbrauch sein, verweist der Geschäftsführer auf Entwürfe für ein neues Konzept. Auch in der Holzbauweise, wie sie die Ziegler-Group mit dem geplanten Fertighaus-Werk in Tirschenreuth verfolgt, sieht er langfristig eine große Chance.
Rendite in Herzogenaurach
Wie Büsching bekräftigt Grillmeier die Verpflichtung der Kewog: "Unser Kerngeschäft ist, sozialen Wohnraum im Landkreis sicherzustellen." Doch mit Wohnungen im ländlichen Raum seien kaum Gewinne zu erzielen. Das Unternehmen habe sich zum Dienstleister für Projekte in der Region und darüber hinaus entwickelt, nennt er das kürzlich fertiggestellte Appartement-Haus in Herzogenaurach als Vorzeigeobjekt, das für die nötige Querfinanzierung sorgt - auch, um den privaten Gesellschaftern eine gewisse Rendite zu ermöglichen.
Auf die kürzlich fertiggestellten 104 hochwertigen Wohneinheiten mit Co-Working-Bereich in Mittelfranken ist Büsching stolz. "Wir sind umgeben von drei Weltkonzernen", verweist der Geschäftsführer auf die Lage zwischen Puma, Adidas und Schaeffler. Ein zweites Millionen-Projekt der Kewog außerhalb des Landkreises Tirschenreuth ist eine Eigentumswohnanlage im Nürnberger Stadtteil Ziegelstein.
8,7 Millionen Euro Umsatz
An den Bilanzzahlen sei zu erkennen, dass man seit drei Jahren mit diesen Großprojekten in der Investitionsphase ist, sagt Büsching. Beim Blick auf das reine Konzernergebnis 2021 ist er mit dem Umsatz von 8,7 Millionen Euro (Vorjahr: 9,3 Millionen Euro) nicht zufrieden: "Das kann nicht unser Ziel sein, das wird sich auch verändern", prognostiziert er 2022/23 eine deutliche Steigerung auf 15 Millionen Euro. Auch beim Jahresüberschuss rechnet der Geschäftsführer künftig mit stabilen Marken zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro. 2021 lag der Überschuss bei 762.000 Euro, 2020 bei nur 497.000 Euro. Die Bilanzsumme der Kewog erhöhte sich zuletzt um 6,3 Prozent auf 53,5 Millionen Euro.
"Sozialer Wohnungsbau bleibt unsere Kernaufgabe", betont Büsching die Verantwortung für Menschen mit weniger Geld. Aber das funktioniere nicht mit Draufzahlen. Ein Unternehmen müsse auch Gewinne machen, was bei der staatlichen Förderung über den im Vergleich zu Ballungsräumen geringen Mietpreis bei ähnlichen Baukosten nicht möglich sei: "Es gibt die gleiche Förderkulisse in Regensburg wie in Tirschenreuth. Das kann nicht sein", fordert er ein politisches Umdenken.
Wohnraum-Gutachten erwartet
Auch Landrat Grillmeier verspricht, bei der Staatsregierung den Finger in die Wunde zu legen. Das Argument, im Landkreis sinke die Bevölkerungszahl und deshalb gebe es keinen Bedarf, lässt er nicht gelten. "Wir haben einen ziemlich alten Bestand und brauchen auch Neubau." Schützenhilfe erhofft er sich vom Wohnraum-Gutachten des Regionalen Planungsverbandes: Es soll bis Jahresende vorliegen.
Dass die Kewog mit vielen Tochterunternehmen breit aufgestellt ist, zahlt sich nach Ansicht des Aufsichtsratsvorsitzenden auch im Hinblick auf das große Thema Energie aus: "Mit der Übernahme der ZREU Energie und Dienste in Regensburg haben wir schon vor vielen Jahren aufs richtige Pferd gesetzt." Das Planungsbüro biete den Städten und Gemeinden ein Riesenpotenzial.
„Wir haben viele Bevölkerungsschichten, die günstig wohnen müssen“, sieht Geschäftsführer Büsching die Wohnungsbaugesellschaft in der Verpflichtung. Um diese sozialen Aufgaben erfüllen zu können, sei Wachstum in drei Bereichen nötig: Auf dem Sektor Energie, bei „Serviced-Appartements“ wie in Herzogenaurach und Bauträgerprojekten in Ballungsräumen. „Wenn die Kewog nur das kommunale Geschäft macht, ist es vorbei.“
Das ist die Kewog
- Gegründet: 1949 von Kommunen im Landkreis zum Bau von Wohnungen als damals gemeinnütziges Unternehmen
- Gesellschafterstruktur: Mitarbeiter-Beteiligungs-GmbH 34,35 Prozent; Landkreis Tirschenreuth 31,06 Prozent; Städte und Gemeinden des Landkreises 24,76 Prozent; Sparkasse Oberpfalz Nord 6,42 Prozent; eigene Anteile 3,27 Prozent; Privatpersonen 0,14 Prozent
- Mitarbeiter: 70, davon in Tirschenreuth 30
- Weitere Standorte: Regensburg, Bad Neualbenreuth, Pößneck, Reichenbach, Zwickau, Weißenfels

















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