Tirschenreuth
25.11.2018 - 12:55 Uhr

Der Killer ist ein Brüller

Richtig viel Spaß hat das Publikum, das am Freitag die Klassikkomödie "Der Gauner und die Nervensäge" erlebt. Das äußerst spielfreudige Braunschweig Theaterensemble liefert auf der Kettelerhaus-Bühne Humor der Spitzenklasse ab.

Afu den Hotelbetten wird gewürgt und gemordet, dass es eine wahre "Freude" ist. Bild: ubb
Afu den Hotelbetten wird gewürgt und gemordet, dass es eine wahre "Freude" ist.

Es geht um einen Kronzeugen in einem Mafia-Prozess. Der jedoch lässt sich den ganzen Theaterabend lang nicht auf der Bühne sehen. Muss er auch nicht, da er lediglich den Grund für Ralph (prominent besetzt von Bürger Lars Dietrich) liefert, vom Fenster eines Hotelzimmers aus einen Auftragsmord zu erledigen. Er soll den Kronzeugen, der zum Justizpalast gefahren wird, vom Hotelfenster aus erschießen.

Nur kommt ihm dabei der Pressefotograf Pignon (Sebastian Teichner) gehörig in die Quere. Der will sich umbringen. Ausgerechnet im Hotelzimmer gegenüber. Seine Frau Luise (hübsche, aber nicht sehr flotte Arlette Stanschus) hat ihn wegen ihrem Psychologen Dr. Wolf (köstlich karikiert von Schauspieler René Oltmanns) verlassen. Pignon, der durch eine Doppeltür in den Nachbarraum gelangt, nervt den Killer, bis dieser schier durchdreht. Als Pignons Selbstmord scheitert, muss Ralph "Kindermädchen" spielen. Ansonsten holt der unbedarft-naive Hotelboy (schöne Rolle von David Imper) die Polizei.

Aufwendige Kulisse

Beide Hauptdarsteller liefern dem Publikum eine Schrägvorlage auf der Bühne, die komischer nicht sein könnte. Die Komödie "Der Gangster und die Nervensäge" von Francis Veber, aufgeführt von Vollprofis aus Braunschweig (Ensemble "Komödie am Altstadtmarkt") lässt keine Wünsche in Sachen groteske Humoreske offen. Was auffällt sind die Kulissen im Spiel. Ungemein aufwendig hat das Theater Schweinfurt ein ganzes Hotel auf die Kettelerhaus-Bühne gezaubert, inklusive zwei Fenster mit Rollos, zwei komplette Hotelzimmer nebst Eingangs- und Badezimmertüren sowie eine Doppeltür dazwischen und zwei Doppelbetten mit Bettzeug. Die beiden Zimmer werden zur perfekten Spielwiese eines temporeichen Theaters, in dem eine Komiksequenz Schlag auf Schlag der nächsten folgt. Es darf gelacht werden, was der Spannung, um den Fortgang der eigentlich banalen Geschichte keinen Abbruch tut.

Wie verzweifelt muss Ralph sein, der Pignon einfach nicht los wird. Der Selbstmörder geht nicht, nervt weiter und tut, als seien Ralph und er Freunde. Sogar der naive Hotelboy ist geblendet von Pignons Beste-Freunde-Getue und meint gar, die beiden sind ein Paar. Sehr zur Erheiterung des Publikums streut der Page während er Kaffee bring, rote Rosenblätter für die beiden Männer aufs Bett.

Rasches Tempo

Das Tempo steigert sich rasant, als Psychologe Dr. Wolf kommt und den Killer mit dem Ex von Luise verwechselt. Plötzlich liegen drei im Bett, Luise mitten drin. Und wieder vermutet der Hotelboy mehr, als tatsächlich im Bett geschieht. Dort wird gewürgt, geschimpft, gewettert, geweint und verziehen.

Pignon schlägt seinen Nebenbuhler zu Boden. Ist Dr. Wolf tot? Wieder ruft er Ralph zu Hilfe, der sein Gewehr wieder rasch unterm Bett verstecken muss. Zwischenzeitlich hat Ralph einen Polizisten ins Bad gesperrt, der aber regelmäßig wieder auftaucht, just wenn man ihn überhaupt nicht brauchen kann.

Dann gehen sich alle gegenseitig an die Gurgel: ein Bild für Götter! Am Ende dreht sich der Spieß um. Pignon richtet die gefundene Waffe auf Ralph und philosophiert darüber, dass der Mord an einem fremden Kronzeugen ok wäre, aber doch nicht der Mord an einem Freund. Ralph hat den schlimmsten Arbeitstag seines Lebens hinter sich, das Morden ist ihm gründlich verdorben worden.

Das eingespielte Theaterensemble zeigt Spielfreude, humoreske Gestik und Mimik, temporeiche Szenen, spitzfindige Wortwechsel und Comedy vom Feinsten. Die Braunschweiger ziehen alle Register und ernten lautstarken Applaus dafür.

Plötzlich hält Pignon (Sebastian Teichner) das Gewehr in Händen und Killer Ralph (Bürger Lars Dietrich) muss um sein eigenes Leben fürchten. Bild: ubb
Plötzlich hält Pignon (Sebastian Teichner) das Gewehr in Händen und Killer Ralph (Bürger Lars Dietrich) muss um sein eigenes Leben fürchten.
Was Pignon (Sebastian Teichner hinten) und Ralph (Bürger Lars Dietrich) im Bett treiben, ist anders, als mancher darpber denken mag. Bild: ubb
Was Pignon (Sebastian Teichner hinten) und Ralph (Bürger Lars Dietrich) im Bett treiben, ist anders, als mancher darpber denken mag.
Killer Ralph versucht, Dr. Wolf (re.) zu erwürgen. Das gefällt Luise (Arlette Stanschus) und Piignon (Sebastian Teichern) überhaupt nicht. Bild: ubb
Killer Ralph versucht, Dr. Wolf (re.) zu erwürgen. Das gefällt Luise (Arlette Stanschus) und Piignon (Sebastian Teichern) überhaupt nicht.
Das sehr amüsierte Publikum spendete am Ende langen Applaus. Bild: ubb
Das sehr amüsierte Publikum spendete am Ende langen Applaus.
 
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