18.12.2019 - 19:46 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kliniken AG schließt die Tirschenreuther Krankenhausküche

Das Krankenhaus Tirschenreuth ist wie eigentlich jede Klinik ständig im Wandel. Im Februar wird die Küche geschlossen, Mitte kommenden Jahres soll eine Akutgeriatrie etabliert werden. Auch sonst gibt es Interessantes zu berichten.

Ab Februar 2020 wird in der Tirschenreuther Krankenhausküche nicht mehr gekocht. Das Essen für Patienten und Personal wird in Weiden zubereitet und drei mal täglich hierher transportiert. Vor Ort ist dann ein kleines Team, das die Speisen in die entsprechenden Servier-Geschirre verteilt.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Am 1. Februar ändert sich für elf Mitarbeiter der Tirschenreuther Krankenhausküche einiges. Ab diesem Tag bleibt nämlich die Küche kalt.

Kein Personal wird freigesetzt

"Natürlich müssen die Patienten deshalb nicht hungern. Gekocht wird künftig für Tirschenreuth und Waldsassen mit im Weidener Haus der Kliniken Nordoberpfalz AG", erklärten auf Nachfrage von Franz Heinrich beim Besuch einer Delegation der Bündnisgrünen im Landkreis mit MdL Anna Toman, Prokurist Manfred Tretter und Krankenhausleiterin Claudia Kost. Beide Sprecher betonten, dass im Zuge dieser Maßnahme kein Personal freigesetzt werde.

Ein Mitarbeiter geht in den Ruhestand, zwei in die Altersteilzeit, eine Mitarbeiterin wird im Cafe der Reha in Waldsassen eingesetzt und sieben Mitarbeiter werden intern in die Küche nach Weiden versetzt. Zwei Mitarbeiter bleiben in der Austeilküche in Tirschenreuth und zwei weitere sind im Wechsel in Tirschenreuth und Weiden eingesetzt. Wie die Krankenhauschefin erklärt, werden täglich frisch Frühstück, Mittagessen und Abendessen zu verschiedenen Zeiten im Krankenhaus Tirschenreuth angeliefert.

Das Kemnather Haus werde künftig Erbendorf mitversorgen, Weiden kocht außer für Tirschenreuth auch für Vohenstrauß und Waldsassen mit. Mit der Küchenschließung wolle man Synergieeffekte nutzen. Mit der Konzentration der Sterilisationabteilung in Weiden und Kemnath habe man da bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Von dort werden alle Kliniken-Standorte und niedergelassenen Ärzte versorgt.

Beide Krankenhaussprecher sind stolz darauf, dass am Standort Tirschenreuth ein regelrechter Gesundheitscampus entstanden sei, der ambulante und stationäre Versorgung bestens abdecke. Man habe in der Vergangenheit viele niedergelassene Ärzte ins Krankenhaus geholt, etwa mit der internistischen Gemeinschaftspraxis mit fünf Ärzten sowie Urologie, Nephrologie und Neurologie und im Medizinischen Versorgungszentrum mit Gynäkologie, Chirurgie, Orthopädie, einer weiteren Urologie, Radiologie und Dialyseabteilung.

Hervorragend aufgestellt

Claudia Kost erklärte, dass das Haus im Bereich der Grund- und Regelversorgung hervorragend aufgestellt sei, fachlich, wie auch technisch. Neben der allgemeinmedizinisch-kardiologischen Ausrichtung sei bis 2020 die Erweiterung um eine Akutgeriatrie geplant. Der Leitende Oberarzt dafür, Dr. Josef Pova (ehemals in Waldsassen tätig) sei bereits in der Weiterbildung, denn dafür brauche es spezielle Qualifikationen im ärztlichen, pflegerischen und auch therapeutischen Bereich. Mitte kommenden Jahres könne mit der Abteilung gestartet werden. Zusammen mit der geriatrischen Reha in Erbendorf sei man dann bestens für die ältere Generation gerüstet.

Gynäkologie und Geburtshilfe hätten sich gut entwickelt. Am Donnerstag, 12. Dezember sei das 358. Baby in diesem Jahr entbunden worden. Man werde im Vergleich zu den Vorjahren eine leichte Steigerung verzeichnen. Auch baulich sei viel erreicht worden.

Mitarbeiterwohnungen

Die laufende Sanierung und die Erweiterung des Funktionstraktes seien sehr wichtig fürs Haus. Damit seien ausreichend Flächen geschaffen worden und es entstünden hochmoderne OP-Säle. Das alte Schwesternheim, werde von einem Investor saniert. Hier entstünden Mitarbeiterwohnungen.

"Wir haben alles, was ein Grundversorgungskrankenhaus für eine wohnortnahe Versorgung braucht", sagte Manfred Tretter. Wie schwer es wäre Ärzte zu bekommen, wollte die Delegation wissen. "Sehr schwer", die Antwort des Prokuristen. Fachärzte seien praktisch nur noch über Headhunter zu bekommen, was enorm hohe Personalbeschaffungskosten verursache. Kost sagte, dass man in der Lage sei, Pflegepersonal aus den eigenen Reihen zu besetzen. Im Februar kämen ausländische Pflegekräfte neu dazu, die über Personalvermittler und Agenturen vermittelt wurden.

Bezogen auf das immense Defizit im laufenden Jahr wartete Tretter gleich mit mehreren vergleichbaren Kliniken auf, die ähnliche und noch schlechtere Ergebnisse eingefahren haben. Als Grund dafür sehe er ein strukturelles Problem in der grundsätzlichen Unterfinanzierung. Bei der " Klinikkompetenz Bayern", wo die AG Mitglied ist, seien 31 Krankenhausträger mit etwa 60 Kliniken dabei. Darunter gäbe es nur fünf die "noch" keine roten Zahlen schreiben - große wie kleine Häuser.

Es sei nicht der richtige Weg nur eine Berufsgruppe, den Pflegedienst, ausreichend zu finanzieren. "Ein Krankenhaus funktioniert nur, wenn alle, also Ärzte, Pflegekräfte, medizinisch technischer Dienst und Verwaltung ausreichend finanziert sind. Es ist meine klare Forderung an die Politik, hier entsprechend tätig zu werden."

Lasten gleichmäßig verteilen

Anna Toman stellte fest, dass politisch gesehen auf Regionalebene, was die AG betreffe, noch ein Kampf ins Haus stehe. Man müsse hier die Lasten gleichmäßig verteilen. Die Abgeordnete sprach von einem Webfehler, der in der Vergangenheit passiert sei. Ihr Vorschlag - die Kosten dritteln oder je nach Einwohnerzahl teilen. Sie fordert vernünftige Gespräche, um tragfähigere Lösungen zu finden. Manfred Tretter wünscht sich auf regionaler Ebene den Schulterschluss unter den Gesellschaftern.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.