02.01.2020 - 14:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Körper und Geist unter Kontrolle

Was genau Yoga ist, weiß Eckhard Stiegler ganz genau. Der 65-Jährige ist seit 40 Jahren Yogalehrer. Für den Heilpraktiker aus Mähring spielt beim Yoga der Gesundheitseffekt die große Schlüsselrolle.

von Ulla Britta BaumerProfil

Hinter der Tür zum Trainingsraum im FC Sportheim ist es erstaunlich still, obwohl gerade ein Kurs läuft. Die Stille ist erklärbar: Etwa zehn Frauen und zwei Männer sitzen in einem Kreis auf ihren Gymnastikmatten und konzentrieren sich auf ihre Übungen. Alle sitzen im Yoga-Grundkurs der Volkshochschule. Eckhard Stiegler gibt seit 40 Jahren Yoga-Kurse. Er war einer der ersten Yoga-Lehrer im Landkreis. Zwar hat der 65-jährige Heilpraktiker Yoga nicht studiert. Dennoch macht ihn die jahrzehntelange Erfahrung mit seinen Schülern zu einem Meister. Er habe immer Wert darauf gelegt, den rein körperlichen Aspekt zu fördern, sagt er. "Yoga dient der Gesunderhaltung von Körper und Kopf." Was gut gelinge - vorausgesetzt man befolgt die Gesetze des Yoga. Dies erfordere auch Exaktheit.

Richtige Körperhaltung wichtig

Weil eine ständige Korrektur der Körperhaltung dringend erforderlich sei, sollten Anfänger nicht im Alleingang praktizieren, rät Stiegler. Er warnt dringend vor "Do-it-Yourself-Anleitungen". Damit könne sich der erwünschte Effekt rasch umkehren. Er bespricht jede Fehlstellung seiner Schüler bei den Übungen. Der Yogalehrer geht durch die Runde, korrigiert bei einer Frau die Rückenhaltung, hilft beim Anlegen des Gymnastikbandes und gibt einer weiteren Teilnehmerin ein Yoga-Kissen. Die Übung dauert gut eine Minute, dann lösen die Teilnehmer ihre Körperspannung. Yoga, was im Kurs unschwer zu erkennen ist, erfordert eine Ruhe und Achtsamkeit. Hektik und Stress sind vor der Stunde "vor die Tür gesetzt worden".

Stiegler zeigt einige weitere Übungen, dann schließt er die Stunde wie üblich mit einer Meditation. Die Teilnehmer holen sich Decken, ziehen warme Socken über, legen sich auf ihre Matten und lauschen den besonnenen Worten ihres Lehrers. Danach ist für die Gruppe Schluss. Eckhard Stiegler ist noch nicht fertig. Er zieht einen Pullover über und räumt auf.

Erste Begegnung vor 54 Jahren

"Meinen ersten Yoga-Kurs habe ich vor 40 Jahren an meinem 25. Geburtstag gehalten", erinnert sich der Mähringer. Noch weiter zurück liegt Stieglers erste Begegnung mit Yoga. 1974 lernte er die aus Indien stammende philosophische Lehre samt ihrer geistigen und körperlichen Übungen bzw. Praktiken in Regensburg und München bei Professor Reinhard Bögle kennen.

Beruflich wählte er eine andere Richtung: Stiegler ist Anästhesiepfleger und Heilpraktiker. Zusätzlich gibt er Yoga-Kurse. Wolle man einen Ochsenkarren in Bewegung bringen, erfordere dies ein hohes Maß an Kontrolle, sagt Stiegler. Diese Kontrolle sei auch für den Körper gut, wozu Yoga verhelfen könne. "Die Körperhaltung ist unser ganzer Ausdruck." Wer Yoga betreibe, könne dies bewusster erfahren und positiv daran arbeiten. 84 Asanas, so nennt man die Übungen, könnten tausendfach abgewandelt Kontrollfunktion sein. Zudem sei die Lehre der Atmung aus dem Yoga nicht wegzudenken. "Atmen ist mehr als der Lunge nur Sauerstoff zuzuführen", betont der Trainer.

Anstrengung für Lebensqualität

Stiegler möchte seinen Schülern zu mehr Lebensqualität verhelfen. Das sei nicht immer bequem. "Wer in seiner Wohlfühl-Zone bleibt, muss besonders im Alter mit einem reduzierten Bewegungsspektrum leben." Yoga erfordere eine gewisse Anstrengung, so Stiegler. Der Praktiker, der lieber Dinge zeigt, statt sie zu erklären, springt auf, um zu zeigen, wie biegsam der Rumpf eines Menschen sein kann. "Um Yoga zu verstehen, muss man den eigenen Körper verstehen", sagt Stiegler. Belohnt werde man mit Standhaftigkeit, einer gewisse Festigkeit bis hin zu mehr Selbstbewusstsein, weiß der 65-Jährige. Viele Teilnehmer praktizieren Yoga unterstützend zu anderen Sportarten wie Reiten, Fußball oder Bogenschießen. Was nicht heißt, das Yoga nur für junge Sportler da sei. In Stieglers Kursen ist der älteste Teilnehmer 80 Jahre alt. "Das Tempo wird immer den Teilnehmern angepasst", betont er. Und dem Trainer selbst sieht man seine 65 Jahre auch nicht an.

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