21.02.2020 - 10:28 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kreuzigung mit oder ohne Blickkontakt zum Publikum

Fußball-Fan Bürgermeister Franz Stahl scherzt, „Bayern Tickets sind derzeit viel leichter zu bekommen als Karten für die Tirschenreuther Passion. Die 3200 Tickets sind ausverkauft und es gibt keine Zusatzvorstellung.

Szene aus dem ersten Probenblock, der vor einigen Wochen zu Ende ging. Der Kunstfelsen, den die Tirschenreuther dem Landestheater Innsbruck abgekauft haben, ist die Bühne für die neue Tirschenreuther Passion.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die 3200 Tickets für die neue Tirschenreuther Passion sind ausverkauft. Das freut den Europassion-Beauftragten Vinzenz Rahn, Bürgermeister Franz Stahl, den technischen Produktionsleiter Peter Geyer und Mitorganisator Mirko Streich. Vielleicht hat der Run auf die Tickets damit zu tun, dass Tirschenreuth heuer Gastgeber der Europassion ist. Realistischer dürfte die Neugierde auf die neue Passion das Phänomen erklären. Denn nach fünf mehr oder weniger identischen Passionen, hat Autor und Regisseure Johannes Reitmeier das Stück komplett überarbeitet. Das lockt auch die Prominenz.

Bischof und Minister

Zur Premiere am 27. März haben sich Innenminister Joachim Hermann mit Gattin sowie Bischof Rudolf Voderholzer angesagt. Auch Finanz- und Heimatminister Albert Füracker und der apostolische Nuntius, Erzbischof Dr. Nikola Eterović aus Berlin stehen auf der Gästeliste. Während sie zusammen mit dem Premierenpublikum die Aufführung genießen können, wird Johannes Reitmeier auf das Ende hinfiebern, um nach etwa zwei Stunden endlich erste Reaktionen auf seine Neuauflage zu erhalten. Nicht nur sein Adrenalinspiegel wird am oberen Level rangieren, sondern auch der seines Co-Regisseurs und Freundes Stefan Tilch, der wie bereits vor fünf Jahren seine Handschrift mit einbringt.

"Europassion bedeutet für Tirschenreuth auf Augenhöhe mit den ganz großen Passionsspielorten wie Erl oder Oberammergau zu sein", sagt Vinzenz Rahn nicht ohne Stolz. Rund 150 Delegierte aus 16 europäischen Ländern erwarten die Verantwortlichen bei der Stadt zum Europassion-Kongress am Samstag, 18. April im Panoramasaal im "Seenario" am Platz am See.

Großes Rahmenprogramm

Bereits am Donnerstag, 16. April werden die Delegierten anreisen. Offiziell begrüßt werden die Gäste von Bürgermeister Franz Stahl und Vinzenz Rahn. Gegen 23 Uhr starten die Busse, die die Delegierten in ihre Hotels bringen. 200 Zimmer wurden für sie in Tirschenreuth, Ernestgrün und Rothenbürg reserviert. Am Freitag, 17. April lernen die Gäste die Stadt bei einer Führung in verschiedenen Sprachen kennen. Um 18 Uhr spielt, zum letzten Mal in ihrer Karriere, die Zoiglmusik beim Zoiglfest auf. Martin Hager von den Braujuwaren referiert zur Zoigl-Bier-Kultur. Der Europassion-Kongress geht am Samstag, 18. April von 10 bis etwa 13.30 Uhr im Restaurant Seenario über die Bühne. Dolmetscher übersetzen ins Englische, Französische und Italienische. Generalsekretär Josef Lang leitet den Kongress. Er kommt aus Auersmacher bei Saarbrücken, ebenfalls ein Passionsspielort. Kassier ist ein Holländer und Schriftführer ein Franzose, dazu kommen Vertreter aus allen Ländern, die den Vorstand der Vereinigung komplettieren. 82 Mitglieder haben derzeit Stimmrecht in der Europassion. Bei der Tirschenreuther Konferenz stellen sich mit den Passionsspielen Dammbach (Landkreis Aschaffenburg und den Kleinenberger Mysterienspielen (NRW, Kreis Paderborn) zwei neue Passionsspielorte vor. Außerdem ist eine Delegation aus Občina Skofja Loka in Slowenien, dem Ort der Europassion 2021 dabei. Das Fachreferat hält Johannes Reitmeier, der die neue Tirschenreuther Passion aus seiner Sicht beleuchtet. Vinzenz Rahn, der schon an mehreren solcher Konferenzen teilgenommen hat erzählt, "oft kommen da auch ganz pragmatische Fragen auf, derart wie etwa, wie geißelt ihr oder wie kreuzigt ihr?"

Resl und Basilika

Am Nachmittag besuchen die Teilnehmer das Geburtshaus der Resl von Konnersreuth und besichtigen die Basilika in Waldsassen. Am Abend sind sie dann Gäste bei der letzten der acht Aufführung der diesjährigen Tirschenreuther Passion im Kettelerhaus. Am Sonntag, 19. April findet um 10 Uhr der Abschlussgottesdienst mit Übergabe der Europassion-Statue an den nächsten Europassion-Ort Občina Skofja Loka statt. Mitzelebrant ist der Europassion-Spiritual Don Fausto aus Italien.

Einen Monat vor der Premiere, am Freitag 27. Februar beginnt der zweite Probenblock, mit Johannes Reitmeier. Am ersten Tag wird in der Mittelschule geübt, bis der Bühnenfelsen im Kettelerhaus aufgebaut ist. Die Zuschauertribüne wird zwei Wochen vor der Premiere im Saal aufgebaut. Der technische Produktionsleiter Peter Geyer verrät, dass es im Vergleich zu den bisherigen Passionen eine komplett andere Beleuchtungssituation geben wird. Aus technischen Gründen kommt die Musik diesmal vom Band. Die neue Tirschenreuther Passion sei in Teilen auch durchaus aktionsreich: "Da fliegen schon mal einige Akteure vom Felsen herab in den Saal", sagt Peter Geyer. Bisher wurde Jesus immer mit dem Rücken zum Publikum gekreuzigt. Ob er diesmal Richtung Zuschauerraum schauen wird, wenn er seine letzten Worte am Kreuz spricht, stehe noch nicht fest.

Für automatische Verdunklungsrollos, eine neue Soundanlage und zusätzliche Scheinwerfer hat die Stadt im Haushalt 160 000 Euro bereitgestellt. Diese technischen Neuerungen kommen aber nicht nur der Passion, sondern allen weiteren kulturellen Aufführungen zu gute. Das müsse man heute haben, sagt der Produktionsleiter, denn Theater, die auf Gastspieltournee gingen, verlangten gewisse Standards, "sonst kommen sie erst gar nicht." Diese Ansprüche würden immer höher.

Verlässliches Team

Für Geyer ist es die zehnte Stadtproduktion, die er leitet, darunter die sechste Passion. Seit 1994 arbeitet er eng mit der künstlerischen Produktionsleiterin Gaby Saller, dem Bühnenbauer Anton Beer und den Ton- und Lichttechnikern Klaus Burkhard, Karl und Tobias Schwägerl zusammen. "Ein absolut verlässliches Team", wie er feststellt. Große Unterstützung erfahre er auch vom Spielerrat.

Die Frage ob Jesus (Julian Mühlmeier) mit dem Gesicht zum Publikum gekreuzigt wird, ist noch nicht beantwortet.
Das Verhältnis zwischen Jesus (Julian Mühlmeier) und Judas (Bernhard Neumann), mittlere Reihe von links ist diesmal ein anderes als in den Darstellungen zuvor.
Auch aktionreiche Szenen sind bei der neuen Passion zu erwarten.
Besprechung mit den Regisseuren Johannes Reitmeier und Stefan Tilch (vorne von links).
Regie und Assistenz: Stefan Tilch, Manfred Grüßner und Marianne Stangl (von links).
Die Regisseure Johannes Reitmeier und Stefan Tilch (von links).
Mitorganisator Mirko Streich, Europassion-Beauftragter Vinzenz Rahn, Bürgermeister Franz Stahl und der technische Produktionsleiter Peter Geyer (von links), tüfteln seit Wochen, um der neuen Tirschenreuther Passion eine perfekte Bühne zu bereiten.
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