Tirschenreuth
29.01.2021 - 18:39 Uhr
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Landkreis Tirschenreuth: Woher stammen die hohen Zahlen?

Entgegen dem deutschlandweiten Trend steigen im Landkreis Tirschenreuth die Coronazahlen. Die Gründe bleiben schleierhaft. Auch das Thema Grenzpendler kommt auf den Tisch.

Ein Arzt nimmt in einer Hausarztpraxis mit einem Tupfer einen Abstrich bei einer Frau für einen Coronatest. Bild: Karl-Josef Hildenbrand
Ein Arzt nimmt in einer Hausarztpraxis mit einem Tupfer einen Abstrich bei einer Frau für einen Coronatest.

Von Martin Maier, Lena Schulze und Holger Stiegler

56 neue Coronafälle am Freitag und der Inzidenzwert bei 269,3: Die Lage im Landkreis Tirschenreuth bereitet Sorge. In ganz Deutschland gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nur noch drei Landkreise, die bei der 7-Tage-Inzidenz, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner, vor Tirschenreuth liegen. Die Ursachensuche gestaltet sich schwierig. „Wir haben keine Erklärung für die hohen Infektionszahlen“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Das Rote Kreuz betreibt unter anderem die zwei Testzentren und das Impfzentrum im Landkreis.

Wie das Landratsamt am Freitagnachmittag mitteilt, geht das Gesundheitsamt zudem einem neuen Verdacht nach. „Aufgrund der steigenden Fallzahlen werden seit Tagen positive Befunde aus dem Landkreis stichprobenhaft auf eine Mutation untersucht. Eine solche Sequenzierung des Virus kann bis zu 14 Tage dauern“, schreibt Landratsamt-Pressesprecher Wolfgang Fenzl in einer Pressemitteilung. In umliegenden Landkreisen und Städten gibt es schon länger den Verdacht auf Corona-Mutanten: Betroffen ist unter anderem das Klinikum Bayreuth, und in einem Pflegeheim in Selb ist wohl auch die hochansteckende britische Variante ausgebrochen.

Grenzpendler: 61 positive Fälle

Laut Landrat Roland Grillmeier will man zudem am Gesundheitsamt das Thema Grenzpendler und Betriebe noch einmal intensiver untersuchen. Doch die positiv getesteten Arbeiter aus dem Nachbarland machen „nicht die Massen“ aus. Natürlich liege die Vermutung nahe, dass Grenzpendler aus dem schwer belasteten Nachbarland die Infektion einschleppen, doch die Positiv-Rate bei den Testungen sei nicht höher als bei Einheimischen. „Ein Zusammenhang ist nicht herstellbar.“

Auf Nachfrage teilt Fenzl auch die Zahlen mit: Seit Samstag, 23. Januar, gab es in den Zentren Tirschenreuth und Waldsassen insgesamt 9.307 Tests. Eine genaue Auswertung, wie viele Personen davon Grenzpendler waren, liege nicht vor. Die Verantwortlichen der Testzentren schätzen den Anteil der Grenzpendler auf etwa 80 Prozent, damit entfallen rund 7.500 Tests auf tschechische Staatsbürger.

"Wir haben keine Erklärung für die hohen Infektionszahlen.“

BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl

Seit dem vergangenen Samstag habe es 61 positive Fälle bei den tschechischen Grenzpendlern, welche im Landkreis Tirschenreuth beschäftigt sind, gegeben. „Diese positiven Fälle führten bisher aufgrund der vorliegenden Unterlagen und der Angaben der Personen und der Firmen aber nur in Einzelfällen zu Ansteckungen bei deutschen Arbeitskollegen“, erklärt Fenzl.

Landrat Grillmeier hebt hervor, dass die Pendler sehr viel auf sich nehmen würden, damit sie in die Arbeit gehen können. „Momentan passieren die meisten Ansteckungen am Arbeitsplatz“, ist sich Grillmeier aber sicher. Als weiteren Erklärungsansatz für die hohen Zahlen nennt der Landrat erneut, dass im Landkreis sehr viel getestet werde. Er spricht von einer außergewöhnlich hohen Testbereitschaft.

Appell in Kemnath

Die dynamische Corona-Entwicklung zeigt sich auch in Kemnath: Auf der Homepage sowie auf der Facebook-Seite der Stadt veröffentlichten Bürgermeister Roman Schäffler und Dr. Peter Deinlein, koordinierender Arzt KVB, am Freitagnachmittag einen dringenden Appell an die Bevölkerung: „Liebe Bürgerinnen und Bürger, aufgrund der dynamischen Entwicklung der Covid-19-Infektionen im Raum Kemnath empfehlen wir Innenraumkontakte mit nicht geimpften Risikopersonen auch im familiären Umfeld zu vermeiden.“ Bürgermeister Schäffler erläutert auf Nachfrage, dass es im BRK-Seniorenheim Kemnath mittlerweile 28 Fälle gebe, auch im gewerblichen Bereich seien Infektionen festgestellt worden. „Es geht nicht darum, Panik zu verbreiten. Aber wir wollen daran erinnern, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Die Einschläge merkt man!“, so Schäffler.

Die Gesamtzahl der positiv Getesteten im Landkreis seit dem Ausbruch der Pandemie im März 2020 liegt mittlerweile bei 3340. Das Landratsamt meldete am Freitag zudem drei neue Todesfälle. Dabei handelt es sich um Personen (Ende 70 und zwei Mitte 80) mit Vorerkrankungen. Damit steigt die Zahl der Corona-Toten auf 199.

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Kommentare

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Hubert Schröter

Ich verstehe nicht, das man nur den tschechischen Arbeitsplatz als Ansteckungsort sieht Die gehen hier doch auch einkaufen und die 61 positiven hatten doch auch bevor sie getestet wurden schon die Möglichkeit, zu Kontaktperson zu werden! In den offenen Einkaufsmärkten trifft man doch immer auch auf Tschechen, also muss man doch auch mal bedenken, daß hier die Ansteckung sehr groß ist. Es ist schon klar, daß wir die tschechischen Arbeitnehmer brauchen, aber die grenzüberschreitende Ansteckung ist meines Erachtens schon sehr groß. Außerdem finde ich, daß viele Tschechen die Abstandsregeln und die Maskenpflicht nicht so eng sehen.

01.02.2021
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